Lavendel – Lavandula angustifolia

Heilpflanze für Körper, Geist und Seele
Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich am Fuße eines Hügels in der Provence. Es ist Sommer - die Sonne scheint warm auf Sie herab - um Sie herum hören Sie die Zikaden zirpen - in Ihrer Nähe blühen Lavendelsträucher - ihr Duft weht zu Ihnen herüber...
Wissenswertes über den Lavendel
Tatsächlich verbinden die meisten Menschen Wärme, Ruhe und Entspannung mit dem Lavendel – nicht grundlos.
Frankreich ist die Heimat des Lavendels. Vor allem im Süden des Landes wachsen die hübschen wohlduftenden Pflanzen auf Feldern soweit das Auge reicht. Lavendel gehört zu den ganz alten Heilpflanzen und wurde als Badezusatz bereits vor über 5.000 Jahren eingesetzt. Seinerzeit lag das Augenmerk eher auf dem Geruch der sonnenliebenden Pflanze. Medizinisch wurde sie erst später eingesetzt, nachdem man erkannte, dass der betörende Duft der Blüten einen eher beruhigenden, einschläfernden Effekt besitzt. Aus diesem Grund werden in Frankreich bis heute noch bei unruhigen Säuglingen und Kleinkindern gebundene Lavendelsträußchen oder kleine Lavendelsäckchen in deren Nähe aufgehängt. Mittlerweile weiß man, dass vermutlich der flüchtige Duft des ätherischen Öls Linalylacetat für die beruhigende Wirkung verantwortlich ist.
Heute ist die Pflanze in fast ganz Südeuropa anzutreffen und wird dort angebaut. Der deutsche Name Lavendel ist die häufigste Bezeichnung für die Pflanze. Manchmal wird sie aber auch Echter Lavendel, Kleiner Speik, Lavander, Narden oder Großer Lavendel genannt.
Botanik des Lavendels
Der Echte Lavendel ist ein Halbstrauch, der eine Höhe von 60 bis 80 cm erreicht und zu der Familie der Lippenblütler (Lamicaceae; Labiatae) gehört. Die botanischen Namensbezeichnungen der Pflanze variieren manchmal, meinen aber stets die gleiche Pflanze. Der gängigste botanische Name lautet „Lavandula angustifolia“. Daneben sind auch die Bezeichnungen, Lavandula officinalis und Lavandula vera, gängig.
Der Lavendel bildet eine tiefgehende Pfahlwurzel und aufrechte, vierkantige Stängel, die unten braun verholzt und oben stark beblättert sind. Die Blätter sind schmal lanzettlich, die jüngeren grau-grün behaart. An den zirka 20 cm langen Stängeln sitzen die violettblauen, aber auch rosa-, weiß- oder lilafarbigen Blütenwirtel. Die Vollblüte der Pflanze dauert nur 6 bis 10 Tage. Nach der Blüte entwickeln sich länglich-ovale dunkelbraun glänzende Nüsschen (Samen). Sie behalten ihre Keimfähigkeit 3 bis 4 Jahre, keimen aber sehr langsam.
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe des Lavendels
Die medizinisch verwendeten Wirkstoffe des Lavendels sind die bestehenden oder kurz vor der Entfaltung stehenden Lavendelblüten und das aus den Lavendelblüten durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl. Lavendelblüten werden in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache „Lavandulae flos“ bezeichnet, Lavendelöl „Lavandulae aetheroleum“. Die Qualität beider Wirkstoffe ist durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) geregelt.
Lavendelblüten sind besonders reich an ätherischen Ölen (1 bis 3 %). Zu ihren Hauptkomponenten gehören Linolool und Linalylacetat. Diese ätherischen Öle sind ebenfalls die Hauptinhaltstoffe in dem Lavendelöl. Des Weiteren enthalten Lavendelblüten Hydroxycumarine und Gerbstoffe.
Medizinische Wirkungen
Beide Wirkstoffe, Lavendelblüten und Lavendelöl, besitzen durch ihre Inhaltstoffe sehr ähnliche Wirkungen. Innerlich angewendet helfen sie nachweislich gegen Unruhe und nervöse Erschöpfung, Einschlafstörungen aber auch gegen Bauchschmerzen, Blähungen oder nervös bedingte Magen-Darmbeschwerden. Werden die Extrakte äußerlich eingesetzt, z.B. als Bad, helfen sie beweisbar gegen Kreislaufbeschwerden, die auch mit Bluthochdruck verbunden sein können.
Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt Lavendelblüten-Extrakte und Lavendelöl innerlich bei „Unruhezuständen, Einschlafstörungen, nervösem Reizmagen, Roemheld-Syndrom, Meteorismus und nervösen Darmbeschwerden.“ Äußerlich werden die Extrakte von der Kommission E zur Therapie von „funktionellen Kreislaufstörungen“ befürwortet.


