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Anbau, Ernte und Verarbeitung der Kamille

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Anbau, Ernte und Verarbeitung der Kamille

Die Kamille ist ein derart anspruchsloses Gewächs, dass der Standort für ihren Anbau kaum eine Rolle spielt. Dennoch hat hat sie die eine oder andere Vorliebe und ist trotz ihrer Robustheit durchaus auch anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Am liebsten mag sie warme Standorte und leicht saure bis alkalische Böden. Auf sehr sauren Böden, wie man sie häufig in Wäldern findet, wird man die Kamille hingegen kaum antreffen.

Manche Heilpflanzen stellen besondere Ansprüche an Vorfrüchte (z.B. Kleeanbau vor Heilpflanzenanbau). Auch dies ist bei der Kamille nicht der Fall. Sie wächst und gedeiht auf nahezu jedem Standort, der über einen nicht zu sauren Böden verfügt und feucht ist. Vermehrt wird die Kamille ihrer dünnen Wurzeln wegen am besten durch Aussaat.

Aussaat der Kamille

Am ertragreichsten ist der Anbau Echter Kamille zwischen Ende August und Anfang September. Ein früherer Anbau kann zu vorzeitigem Schossen (schnelles Hochwachsen mir geringer Blütenbildung) und ungleichen Beständen führen

Frühjahrsanbau ist möglich, bringt aber in der Regel niedrigere Erträge, allerdings bei einem höheren Einzelblütengewicht.

Die Kamille kann direkt im Freiland ausgesät werden. Entweder lässt man die verbleibenden Blütenköpfchen der Pflanzen des Vorjahres im Herbst einfach abfallen oder es wird beim erstmaligen Anbau entsprechendes Saatgut ausgetragen.

Wegen des winzigen Samens muss das Saatbeet sehr fein hergerichtet und rückverfestigt werden. Die Echte Kamille ist ein Lichtkeimer und keimt bevorzugt bei direkter Lichteinwirkung. Der Boden sollte zudem frei von Ernterückständen anderer Pflanzen und groben Erdbrocken sein. Als vorteilhaft hat sich die oberflächliche Ablage der Samen in seichte Rillen erwiesen.

Auch vermindert diese Vorgangsweise die Gefahr, dass die feinen Samen vom Wind davongetragen werden.

Der Reihenabstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte 30 bis 35 Zentimeter betragen. Manchmal wird auch ein geringerer Reihenabstand von 12 bis 15 Zentimetern empfohlen.

Nach der Aussaat kann das Saatgut mit einer Walze angepresst werden. Dies führt zu einem besseren Bodenschluss.

Da die Kamille aber ein Lichtkeimer ist, darf sie auf gar keinen Fall mit Erde bedeckt werden. Die Keimung erfolgt meistens innerhalb einer Woche.

Zwar hat die Kamille eine eher langsame Anfangsentwicklung, dafür bildet sie aber später einen üppigen, dichten Bestand.

Krankheiten und Schädlinge der Kamille

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Die Kamille ist eine robuste Heilpflanze. Das macht sich auch durch die relativ geringe Bandbreite an Krankheiten und Schädlingen bemerkbar.

Mehltauerkrankungen (Plasmopara leptoperma und Alternaria sp.) können die Pflanze zuweilen schwächen, aber auch ein Pilzbefall an den Wurzeln durch sogenannte Fusarien kann vorkommen.

Schädlinge können der Kamille bei einem Befall sehr zusetzten. Der Kamillenglattkäfer (Olibrus aeneus) hat sich die Blütenköpfchen auf den Speiseplan geschrieben und verschiedene Blattlausarten, wie Aphis fabrae, können die Blätter und Triebe aussaugen.

Medizinische Produkte mit Extrakte aus Kamillenblüten oder Kamillenöl sind in Deutschland zahlreich erhältlich. Daneben werden die Wirkstoffe auch in Supermärkten und Drogerien angeboten. Sind die Kamillenpflanzen für den Arzneimittelbedarf bestimmt, gelten strikte Ernte- und Herstellungsverfahren, um eine verlässliche Wirkstoffqualität zu gewährleisten.

Ernte der Kamille

Für den privaten Gebrauch können Kamillenblüten am besten per Hand oder mit sogenannten Pflückkämmen geerntet werden. Für den kommerziellen Handel ist diese Erntemethode aufgrund des hohen Zeitaufwands allerdings zu teuer. 

Seit einigen Jahren sind in Osteuropa, aber auch in Italien und Argentinien Kamillenpflückmaschinen im Einsatz, die eine Pflückleistung von etwa 250 Kilogramm getrockneter Blüten in der Stunde erreichen. 

Die optimale Erntereife ist bei der Kamille dann erreicht, wenn der Röhrenblütenkranz (äußere weiße Blütenblätter) bereits zu zwei Dritteln des gewölbten Blütenbogens geöffnet ist.

Je weiter die Blüte fortschreitet, desto geringer wird der Gehalt an ätherischem Öl. Auch kann eine späte Ernte zum Zerfall der Blütenköpfchen führen.

Zur Herstellung von Teebeuteln wird übrigens das blühende Kraut verwendet, das mit einem Mählader geerntet werden kann. Die Ernte erfolgt bei Vollblüte.

Die Trocknung der Kamillenblüten erfolgt zwischen 35 bis 45°C und dauert bei geringer Luftfeuchtigkeit etwa 24 Stunden. Am besten mit einem Sieb (7 bis 12 Millimeter), damit die Blüten gleichmäßig, schnell und sauber getrocknet werden.

Zur Gewinnung von ätherischem Öl (Kamillenöl) werden die Blütenköpfchen übrigens abgemäht. Nach der Ernte der Hauptblüten treiben erneut Blütenstiele aus, die nach einiger Zeit geerntet werden können. Der Ertrag an ätherischem Öl schwankt stark je nach Witterungsverhältnissen und beträgt zwischen 1,5 und 4 Liter pro Hektar Anbaufläche.

Herstellung

Die Produktpalette von Kamillen-Extrakten und Kamillenöl ist auf dem Weltmarkt so groß, dass sie sich kaum überblicken lässt. Für die Herstellung von Arzneimittel mit den Wirkstoffen (Kamillenblüten und Kamillenöl) gelten jedoch in Deutschland sehr strenge Vorschriften.

Der Herstellungsprozess beginnt wie bei allen Arzneipflanzen, die zur Herstellung von hochwertigen pflanzlichen Medikamenten dienen, mit einer Identitätsprüfung. Mittels eines Dünnschichtchromatogramms (DC), das sich zum physikalisch-chemischen Trennverfahren eignet, lassen sich wichtige Inhaltstoffe der Kamillenblüten (etwa Chamazulen und Bisabolol) durch den Abgleich mit Originalsubstanzen nachweisen. Besprüht man das Reagenz, so erscheinen beispielsweise Chamazulen und Bisabolol als rötliche, manchmal braune bis bläulichviolette Zonen.

Die anschließende Gehaltsbestimmungen werden mit der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie-Methode (HPLC) und der gaschromatographischen Methode (GC) durchgeführt. Mit Hilfe der HPLC-Methode lassen sich Polyine, darunter das En-In-Dicyclother bestimmen. Mit der GC-Methode können auch die Inhaltstoffe Bisabolol und Chamazulen bestimmt werden.

Der Gehalt an ätherischen Ölen beträgt je nach Herkunft und Sorte zwischen 0,3 bis 1,5 Prozent und muss nach dem Europäischen Arzneibuch mindestens >0,3 Prozent blaues Öl ergeben. Aber warum ist das Kamillenöl meist bläulich verfärbt? Dies liegt an der Umwandlung des Inhaltstoffes Procahmazulen in Chamazulen, das sich während der Destillation meistens dunkelblau, manchmal grünlich oder bräunlich verfärbt. Zusätzlich wird die Gehaltsbestimmung des Flavonoids Apigenin-7-glucosid durchgeführt, das mindestens 150mg/100g pro Auszug betragen muss.

Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, können aus den Kamillenblüten-Extrakten und dem Kamillenöl Fertigarzneimittel wie Tropfen oder Sprays hergestellt werden.

Quellen:
  • ADAC (Hrsg.): Das Große Buch Der Klosterheilkunde. München 2005
  • Augustin M, Schmiedel V: Leitfaden Naturheilkunde. 4. Auflage, München & Jena 2004
  • Brickell Ch (Hrsg.): Die Neue Garten Enzyklopädie. London, New York, München, Melboune, Delhi 2003
  • Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie – Phytopharmazie. 8. Auflage, Heidelberg 2007
  • Teuscher E., Melzig M.F., Lindequist U.: Biogene Arzneimittel. 6. Auflage, Stuttgart 2004
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 16.01.2014
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