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Kamille Ernte und Herstellung

Kamille Ernte und Herstellung

Medizinische Produkte, die Extrakte aus Kamillenblüten oder Kamillenöl enthalten, sind in Deutschland zahlreich erhältlich. Daneben werden die Wirkstoffe auch in Supermärkten und Drogerien angeboten und auch industriell verwendet.

Sind die Kamillenpflanzen für den Arzneimittelbedarf bestimmt, gelten stets ähnliche Ernte- und Herstellungsverfahren, um eine verlässliche Wirkstoffqualität zu gewährleisten.

Ernte der Kamille

Für den privaten Gebrauch können Kamillenblüten am besten per Hand oder mit sogenannten Pflückkämmen geerntet werden. Für den kommerziellen Handel ist diese Erntemethode  aufgrund des hohen Zeitaufwands allerdings zu teuer.

Seit einigen Jahren sind in Osteuropa, aber auch in Italien und Argentinien Kamillenpflückmaschinen im Einsatz, die eine Pflückleistung von etwa 250 Kilogramm getrockneter Blüten in der Stunde erreichen. 

Die optimale Erntereife ist bei der Kamille dann erreicht, wenn der Röhrenblütenkranz (äußere weiße Blütenblätter) bereits zu zwei Dritteln des gewölbten Blütenbogens geöffnet ist.

Je weiter die Blüte fortschreitet, desto geringer wird der Gehalt an ätherischem Öl. Auch kann eine späte Ernte zum Zerfall der Blütenköpfchen führen.

Zur Herstellung von Teebeuteln wird übrigens das blühende Kraut verwendet, das mit einem Mählader geerntet werden kann. Die Ernte erfolgt bei Vollblüte.

Die Trocknung der Kamillenblüten erfolgt zwischen 35 bis 45°C und dauert bei geringer Luftfeuchtigkeit etwa 24 Stunden. Am besten mit einem Sieb (7 bis 12 Millimeter), damit die Blüten gleichmäßig, schnell und sauber getrocknet werden.

Zur Gewinnung von ätherischem Öl (Kamillenöl) werden die Blütenköpfchen übrigens abgemäht. Nach der Ernte der Hauptblüten treiben erneut Blütenstiele aus, die nach einiger Zeit geerntet werden können. Der Ertrag an ätherischem Öl schwankt stark je nach Witterungsverhältnissen und beträgt zwischen 1,5 und 4 Liter pro Hektar Anbaufläche.

Herstellung

Die Produktpalette von Kamillen-Extrakten und Kamillenöl ist auf dem Weltmarkt so inflationär, dass sie sich kaum zählen lässt.

Für die Herstellung von Arzneimittel mit den Wirkostoffen (Kamillenblüten und Kamillenöl) gelten jedoch in Deutschland sehr strenge Vorschriften.

Der Herstellungsprozess beginnt wie bei allen Arzneipflanzen, die zur Herstellung von hochwertigen pflanzlichen Medikamenten dienen, mit einer Identitätsprüfung. Mittels eines Dünnschichtchromatogramms (DC), das sich zum physikalisch-chemischen Trennverfahren eignet, lassen sich wichtige Inhaltstoffe der Kamillenblüten (etwa Chamazulen und Bisabolol) durch den Abgleich mit Originalsubstanzen nachweisen. Besprüht man das Reagenz, so erscheinen beispielsweise Chamazulen und Bisabolol als rötliche, manchmal braune bis bläulichviolette Zonen.

Die anschließende Gehaltsbestimmungen werden mit der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie-Methode (HPLC) und der gaschromatographischen Methode (GC) durchgeführt. Mit Hilfe der HPLC-Methode lassen sich Polyine, darunter das En-In-Dicyclother bestimmen. Mit der GC-Methode können auch die Inhaltstoffe Bisabolol und Chamazulen bestimmt werden.

Der Gehalt an ätherischen Ölen beträgt je nach Herkunft und Sorte zwischen 0,3 bis 1,5 Prozent und muss nach dem Europäischen Arzneibuch mindestens >0,3 Prozent blaues Öl ergeben. Aber warum ist das Kamillenöl meist bläulich verfärbt? Dies liegt an der Umwandlung des Inhaltstoffes Procahmazulen in Chamazulen, das sich während der Destillation meistens dunkelblau, manchmal grünlich oder bräunlich verfärbt. Zusätzlich wird die Gehaltsbestimmung des Flavonoids Apigenin-7-glucosid durchgeführt, das mindestens 150mg/100g pro Auszug betragen muss.

Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, können aus den Kamillenblüten-Extrakten und dem Kamillenöl Fertigarzneimittel wie Tropfen oder Sprays hergestellt werden.

Quellen:
  • ADAC (Hrsg.): Das Große Buch Der Klosterheilkunde. München 2005
  • Augustin M, Schmiedel V: Leitfaden Naturheilkunde. 4. Auflage, München & Jena 2004
  • Brickell Ch (Hrsg.): Die Neue Garten Enzyklopädie. London, New York, München, Melboune, Delhi 2003
  • Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie – Phytopharmazie. 8. Auflage, Heidelberg 2007
  • Teuscher E., Melzig M.F., Lindequist U.: Biogene Arzneimittel. 6. Auflage, Stuttgart 2004
Geschrieben von Redaktion 16.01.2014
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 16.01.2014
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