Hopfen – Humulus lupulus

Vom Grundnahrungsmittel zum pflanzlichen Arzneimittel
Hopfen (Humulus lupulus) gehört zu den populären deutschen Kulturpflanzen, denn ihre Blüten dienen zur Bierherstellung – eines der beliebtesten Getränke in Deutschland überhaupt. Der medizinische Gebrauch des Hopfens erscheint daher auf den ersten Blick eher sekundär.
Wissenswertes des Hopfens
Bei der Fahrt durch südliche Gebiete Deutschlands erblickt man ihn allerorts, den Hopfen. Die Pflanze kann in Deutschland auf eine lange Tradition zurückblicken, denn sie wird bereits seit dem 8. oder 9. Jahrhundert angebaut, obwohl vermutet wird, dass die Pflanze beinahe 6.000 Jahre alt ist.
Bis heute wird dem Hopfen eine liebeslusthemmende (anaphrodisierende) Wirkung nachgesagt. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass das Hopfengebräu vor allem in Klöstern Zuspruch fand. Liebeslust war hier nicht erwünscht, und noch weniger während der Fastenzeit. Weil Bier zudem sehr nahrhaft und kalorienreich ist, wurde es nach und nach von der schwer arbeiteten Bevölkerung getrunken und bahnte sich so seinen Weg in die deutschen Haushalte. Sogar Kinder tranken früher (verdünntes) Bier, denn es galt neben Brot und Brei als Grundnahrungsmittel. Die medizinische Wirkung des Hopfens wurde vermutlich im 10. Jahrhundert entdeckt, nachdem man die beruhigende und entspannende Wirkung beobachtete.
Der Name des Hopfens, der auch Hupfen oder Hoppen genannt wird, leitet sich aus der alten germanischen und lateinischen Sprache ab. „Humulus“ ist wahrscheinlich lateinisch und hat sich aus dem altgermanischen Namen des Hopfens entwickelt. „Lupus“ bedeutet auf Latein „Wolf“. Der Beiname des Hopfens „lupulus“ meint „kleiner Wolf“.
Wegen der Eigenschaft des Hopfens sich an anderen Pflanzen festhalten zu können, wurde der Name sinnbildhaft für einen Wolf, der sich an einem anderen Tier festgebissen hat verwendet.
Botanik des Hopfens
Der Hopfen ist eine mehrjährige Schlingpflanze, die bis zu 12 Meter lang wachsen kann und zu der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) gehört.
Hopfen windet sich ausschließlich rechts herum und sein grüner, unverholzter Stängel kann einen Durchmesser von fast 1 cm erreichen. Er ist mit sogenannten Klimmhacken besetzt, mit denen er sich an Spalieren oder anderen Pflanzen festhaken kann. Die gegenständigen Blätter des Hopfens sind in 3 bis 5 Lappen geteilt, gezähnt und lang zulaufend.
Hopfen ist eine zweihäusige Pflanze. Das bedeutet, dass es Pflanzen mit männlichen und weiblichen Blüten gibt. Von medizinischem Interesse sind die weiblichen Blüten, die wie Zapfen aussehen und in Scheinähren zusammenstehen. Aus ihr geht ein gelblicher Fruchtzapfen hervor. In den Innenseiten der Deckblätter der Zapfen befinden sich unzählige kleine, hellgelb glänzende Drüsenschuppen (Hopfendrüsen).
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe des Hopfens
Der medizinische Wirkstoff des Hopfens sind seine weiblichen Blüten (Zapfen). Sie werden in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache Lupuli strobulus oder Lupuli flos genannt, was zu Deutsch Hopfenzapfen bzw. Hopfenblüten bedeutet.
Die Qualität der Hopfenzapfen durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) geregelt. Dazu gehören auch die Inhaltstoffe der Hopfenzapfen, die vor allem Harz, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, ätherische Öle und Phenolcarbonsäuren enthalten.
Medizinische Wirkungen
Hopfenzapfen sind vor allem wegen ihrer nachgewiesenen beruhigenden, schlaffördernden und angstlösenden Wirkung von medizinischem Interesse. Deshalb werden sie bei Nervosität und Angstzuständen sowie bei Schlafstörungen eingesetzt.
Die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt Hopfenzapfen bei „Befindungsstörungen wie Unruhe und Angstzustände“. Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürwortet zusätzlich die Anwendung bei „Nervosität, Unruhe und Einschlafstörungen“.









