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Wermutkraut – Herba Absinthii

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Wermutkraut – Herba Absinthii

Bittere Arznei für eine aktive Galle

Der medizinische Wirkstoff des Wermuts ist das während der Blütezeit geerntete Kraut (Stängel, Blätter und Blüten).

Wermutkraut schmeckt sehr bitter. Sein Bitterwert liegt bei >10.000 (bis 25.000). Damit gehört es zusammen mit der Enzianwurzel, deren Bitterwert ebenfalls mindestens 10.000 beträgt, zu den bittersten europäischen Heilpflanzen.

Aber genau wegen dieser für die meisten Menschen sehr unangenehm schmeckenden Inhaltsstoffe kann das Wermutkraut seine positiven medizinischen Wirkungen entfalten. Innerlich eingenommen, löst der Wirkstoff reflexhaft die Produktion von Verdauungssäften (Speichel, Magensaft und Galle) aus. Hervorzuheben sind jedoch die außerordentlichen Wirkungen von Wermutkraut auf die Gallensaftproduktion und deren Ausschüttung. Es ist hervorragend zur Nachbehandlung von überwundenden heftigen Krämpfen der Gallenwege (Gallenkoliken) geeignet.

Auf einen Blick:

Wermutkraut

  • Wirkt: anregend auf Magen und Gallenwege, blähungswidrig, krampflösend, entzündungswidrig, anregend auf das Zentralnervensystem (große Mengen)
  • Kann eingesetzt werden: Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden durch gestörte Gallenproduktion, Bewegungsstörungen der Gallenwege

Inhaltsstoffe des Wermutkrauts

Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe in dem Wermutkraut sind die enthaltenen Sesquiterpenbitterstoffe und ätherischen Öle.

Sesquiterpenbitterstoffe schmecken extrem bitter. Sie wirken über einen Gehirnnerv auf reflektorischem Wege anregend auf die Produktion von allen Verdauungssäften – besonders auf die Galle.

Zu den wichtigsten ätherischen Ölen gehören das β-Thujon und das Artemisinin. Das β-Thujon kann gegen Krankheitserreger wirksam sein, vor allem aber in großen Mengen (Tagesdosis Tee: 2 bis 3 g Wermutkraut) psychotische Zustände auslösen, die sich z.B. durch Benommenheit, Sehstörungen, Kopfschmerzen und Krämpfe bemerkbar machen können. Deshalb ist bei dem Umgang mit Wermutkraut besondere Vorsicht geboten und Dosierungsvorschriften sind einzuhalten.

Das zweite, möglicherweise in der Zukunft bedeutsame ätherische Öl im Wermutkraut, ist das Artemisinin. Artemisinin ist nachweislich dazu in der Lage Malariaerreger abzutöten und kommt auch in der hiesig gebrauchten Wermut-Pflanze (Artemisia absinthium) vor. Für medizinische Zwecke wurde jedoch überwiegend das chinesische Beifußkraut (Artemisia annua) geprüft und verwendet.

Wirkung bei Appetitlosigkeit

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Anregend auf die Verdauungssaftproduktion

Wermut enthält sehr bitter schmeckende Inhaltstoffe, die nachweislich die Produktion von Verdauungssäften anregen und somit bei Appetitlosigkeit helfen können. Dazu gehört neben Magensäften, Galle und Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse, auch der Speichel. Bei dem Kontakt des bitteren Wirkstoffes mit der Zunge, führt dies augenblicklich über verschiedene Nerven zu einer vermehrten Speichelproduktion.

Aber auch alle anderen Verdauungsorgane werden „aktiviert“. Der Magen beginnt sich zu regen und man bekommt Hunger.

Wirkung bei Verdauungsstörungen

Nützlich bei mangelnden Verdauungssäften

Wermutkaut entfaltet seine Wirkung, indem im Magen über Nerven Reize an das Gehirn weiter geleitet werden. Das Gehirn nimmt diese Informationen auf und leitet Befehle an drei Organe (Magen, Bauchspeicheldrüse, und Leber (Galle)) weiter, mit dem Zweck, dass diese vermehrt Verdauungssäfte produzieren.

Der Magensaft ist von Natur aus sauer und dient in erster Linie dazu, dass Eiweiße zerlegt werden. Durch Wermut wird das Hormon Gastrin vermehrt ausgeschüttet, was zur Folge hat, dass mehr saurer Magensaft gebildet wird. Die Nahrung daher schneller zerkleinert.

Diese Wirkung wird außerdem durch die Bauchspeicheldrüse (Teil der Bauchspeicheldrüse, der Verdauungsenzyme bildet) unterstützt.

Der Wirkstoff regt die Bauchspeicheldrüse dazu an, Enzyme für die Eiweißverdauung (Proteasen) und Zuckerverdauung (Alphaamylase) zu produzieren. Auf diese Weise erklärt sich, warum durch die Anwendung des Wirkstoffes die Verdauung durch ein Vielfaches erleichtert und selbst opulente Mahlzeiten besser vertragen werden können.

Zusätzlich ist noch ein drittes Organ aktiv an der Verdauung beteiligt: die Leber – oder besser gesagt die Galle, die ein Bestandteil der Leber ist. Die Leber wird aktiv und effektiv dazu angeregt die Gallenblasentätigkeit zu verstärken und mehr Galle zu bilden sowie auszuschütten als ohne den Wirkstoff. Dieser Vorgang ist wichtig, weil die Galle an der Fettverdauung im Dünndarm beteiligt ist.

Kurz zusammengefasst: der Wermut kann die Fett- und Eiweißverdauung verbessern und Symptome bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen dadurch vermindern.

Wirkung bei „Bewegungsmangel“ (Dyskinesien) der Gallenwege

Fördernd auf den Gallensaftfluss

Die Galle ist Bestandteil der Leber und ausschlaggebend für die Verdauung von Nahrungsfetten. Normalerweise erhält die Leber während einer Mahlzeit, den Befehl Gallensaft für die Verdauung zu produzieren. Bei manchen Menschen funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht ausreichend, was nach heftigen Krämpfen der Gallenwege (Gallenkoliken), gestörter Produktion und Abfluss der Galle der Fall sein kann. In Folge wird das Fett aus der Nahrung zu langsam aufgenommen, was zu mehr oder weniger starken Beschwerden wie schmerzhafte Blähungen führen kann.

Wird Wermut rechtzeitig vor einer Mahlzeit angewendet, können die Symptome jedoch deutlich gelindert werden, weil die Gallesaftbildung und der Abfluss aktiv anregt wird.

Wermutkraut

Anwendung und Dosierung des Wermuts

Wermuttee

Bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit ist ein Wermuttee ein wirksames Therapeutikum, das gut vertragen wird.

Je nach Ihrer Bittergeschmacksempfindung überbrühen Sie ½ bis 1 Teelöffel (0,7 bis 1,5 g) des Wermutkrauts mit 1 Tasse (150 ml) heißen Wassers. Lassen Sie den Tee 5 Minuten zugedeckt ruhen und sieben Sie das Kraut anschließend ab.

Dosierung

Trinken Sie den Tee 1- bis 3-mal täglich vor den Mahlzeiten. 3 Tassen Wermuttee täglich eingenommen sind unbedenklich. Allerdings sollte der Tee wegen des enthaltenen Thujons nicht länger als 6 Wochen angewendet werden.

Wermutkraut

Risiken und Nebenwirkungen

Bitte beachten Sie: Risiken und Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von bestimmungsgemäßen Dosen (Tee: 2 bis 3) des Wermutkrauts nicht bekannt.

Nicht angewendet werden darf Wermut bei Magen-Darmgeschwüren, während der Schwangerschaft und Stillzeit.

Bitte wenden Sie den Wirkstoff nicht länger als 6 Wochen am Stück an. Wermut enthält Thujon, die in hohen Dosen unerwünschte Wirkungen auf das Zentralnervensystem (s. Inhaltstoffe) auslösen können.

Bitte dosieren Sie die Präparate wie in der Packungsbeilage angegeben, bzw. wenden Sie die Dosierung an, die Ihr behandelnder Arzt verordnet hat.

Fertigarzneimittel

Extrakte aus dem Wermutkraut sind als Fertigarzneimittel derzeit nicht erhältlich. Wermutkraut ist in getrockneter Form in der Apotheke erhältlich.

Der Wirkstoff wird in verschiedenen fertigen Arzneitees eingesetzt und ist weiterhin als Saft erhältlich.

In der Volksmedizin wird das Wermutkraut bei sonstigen Magen-Darmbeschwerden, Magenkrämpfen, unregelmäßiger oder zu schwacher Regelblutung, Wurmbefall und Blutarmut eingesetzt.

Quellen:
  • Bühring U: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. 2. Auflage, Stuttgart 2009
  • Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 18.09.2014
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.