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Wermut – Artemisia absinthium

Wermut – Artemisia absinthium

Bittere Medizin für eine gesunde Verdauung

Zerreibt man die Blätter des Wermuts zwischen den Fingern, so strömen die starken, durchdringenden Gerüche aus der Pflanze aus. Unsere Nase empfindet diesen aromatischen Geruch als nicht sehr angenehm, was auch der wissenschaftliche Name des Wermuts zum Ausdruck bringt. Das griechische Wort „absinthion“ bedeutet so viel wie Missvergnügen.

Wogegen hilft Wermut?

Wermutkraut wird bereits seit vielen tausend Jahren wegen seiner Bitterstoffwirkung medizinisch gebraucht. Es hilft nachweislich gegen Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Funktionsstörungen, die die Galle betreffen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur befürwortet die Anwendung von Wermutkraut „bei Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden (vor allem bei gestörter Galleproduktion in der Leber und gestörte Galleausscheidung) sowie bei Dyskinesien der Gallenwege.“

Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) fasst die Gebrauchsempfehlung in Anwendung „bei starker Appetitlosigkeit und Dyspepsie“ zusammen.

Wissenswertes über den Wermut

Die griechische Jagdgöttin Artemis, welche als Zwillingsschwester des Sonnen- und Heilgottes Apollon auch die Schutzgöttin der Frauen war, empfahl der Sage nach den Frauen erstmals den Wermut gegen ihre Leiden.

„Wermut ist ein unübertreffliches Kraut, bei den Alten gehalten, in Gottesdiensten und Triumphen herrlich gebraucht“, verrät ein mittelalterliches Kräuterheilbuch. Tatsächlich hatte der Wermut seit dem Altertum nicht nur die bekannte medizinische Bedeutung, sondern trat auch vielfach – vornehmlich bei den Ägyptern und Kelten – als Kultpflanze in Erscheinung. Wohl durch seine konzentrierten Bitterstoffe wurde der Wermut zum Symbol des Leids und der Prüfung irdischen Lebens.

Obwohl mit dieser Heilpflanze (früher wie heute) viel Missbrauch getrieben wurde, hat sie ihren uneingeschränkten Platz unter den bekanntesten Heilpflanzen erfolgreich verteidigen können.

Wermut enthält ein starkes ätherisches Öl (Thujon), dem eine Giftwirkung zuzuschreiben ist. Bei zu hoher Dosierung und bei sehr langer Einnahme kann der Wermutmissbrauch mit Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Krämpfen und Bewusstlosigkeit beginnen. Der gewohnheitsmäßige Genuss von Absinth, dem aus Wermut hergestellten Branntwein, kann durch eine chronische Vergiftung sogar zum Tod führen, indem es das gesamte Nervensystem schädigt. Absinth wurde aus diesen Gründen bereits 1923 in Deutschland verboten.

Jüngste EU-Regelungen haben dieses Verbot jedoch wieder aufgehoben. Heute sind die ätherischen Öle nämlich nur noch in sehr geringen Mengen in dem im Handel befindlichen Absinth-Schnaps enthalten. Deshalb ist das hochprozentige Getränk heute aus toxikologischer Sicht unbedenklich.

Botanik des Wermuts

Wermut ist ein bis zu 1,5 Meter hoher, ausdauernder Halbstrauch mit einem mehrköpfigen Wurzelstock. Aus diesem wachsen verästelte, unten verholzte Zweige, die durch die angedrückten Haare silbergrau wirken. Die Blätter sind ebenfalls behaart, silbergrau und zierlich ein- bis dreifach fiederteilig. Im unteren Bereich des Wermuts sind die Blätter langgestielt, weiter oben kurzgestielt. Die zahlreichen gründlich-gelben Blütenköpfe stehen in einer aufrechten Rispe, wobei die Blütenröhren zweigeschlechtlich (zwittrig) sind. Daneben hat der Wermut weibliche Zungenblüten. Die Wermutblüte ist zwischen Juli bis August. Nach der Blüte entwickeln sich die bis zu 1,5 mm langen und 0,3 mm breiten, eiförmigen Früchte, die von graubrauner Farbe sind.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe des Wermuts

Medizinisch wird das getrocknete Kraut von dem Wermut verwendet. Dabei handelt es sich um die Blüten, Stängel und Blätter der Pflanze, die zur Blütezeit geerntet werden. In der Pharmazie oder Medizin spricht man von Absinthii herba was in der Übersetzung Wermutkraut bedeutet. Anforderungen an die Qualität werden im Europäischen Arzneibuch (PhEur) geregelt.

Die Inhaltstoffe des Wermutkrauts sind sehr unterschiedlich.

Es enthält mindestens 0,3% ätherische Öle (Hauptkomponente Thujon), Sesquiterpenlactonbitterstoffe, Flavone, Vitamin C und Gerbstoffe. Der Wirkstoff muss einen Bitterwert von >10.000 (meist zwischen 15.000 und 25.000) erreichen.

Geschrieben von Redaktion 18.09.2014
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 18.09.2014
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