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Enzianwurzel – Gentianae radix

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Enzianwurzel – Gentianae radix

Bittere Wurzel für einen guten Appetit und eine gesunde Verdauung

Der medizinische interessante Pflanzenteil des Enzian, oft auch Gelber Enzian genannt, ist seine Wurzel. Enzian zählt aufgrund der vielen Bitterstoffe, die sich in seinem Wurzelwerk verbergen, zu den bittersten einheimischen Pflanzen. Ihr Bitterwert liegt bei mindestens 10.000, was wirklich extrem bitter ist.

Genau diese Bitterwirkung macht man sich in der Pflanzenheilkunde zu Nutzen. Bitterstoffe regen die Verdauungssäfte an, und zwar bereits im Mund. Enzianwurzel nützt daher nachweislich gegen Appetitlosigkeit und gegen Magen-Darmbeschwerden, die mit einer Verdauungsschwäche einhergehen.

In der Volksmedizin wird die Enzianwurzel bei fehlenden Verdauungssäften, schlapper Muskulatur, Magersucht, unbewusstem Luftverschlucken durch psychische Störungen, Magenschwäche nach einer Infektion, zu wenig Magensäure, verminderter Sekretbildung durch die Bauchspeicheldrüse und bei körperlichen und seelischen Schwächezuständen nach langer Krankheit, bei dauerhaften (chronischen) Magen-Darmerkrankungen und bei schwacher Verdauung eingesetzt.

Auf einen Blick:

Enzianwurzel

  • Wirkt: appetitanregend, anregend auf die Speichelbildung, gewebereizend auf die Schleimhäute, beschleunigend auf die Magenentleerung, bewegungssteigernd auf den Dünndarm, anregend auf die Bauchspeicheldrüsensaftproduktion, fördernd auf die Gallensaftbildung
  • Kann eingesetzt werden: Appetitlosigkeit, Magen-Darmbeschwerden wie Verdauungsschwäche, Völlegefühl und Blähungen

Inhaltsstoffe der Enzianwurzel

Enzianwurzel schmeckt sehr bitter. Das liegt an ihren Inhaltsstoffen, denn die Enzianwurzel hat einen sehr hohen Bitterstoffanteil (2 bis 3%). Zusätzlich enthält sie Zuckerverbindungen, die ebenfalls bitter schmecken können. Zu ihnen gehören Gentiobiose und Genianose. Außerdem enthält Enzian ätherische Öle.

Bitterstoffe stimulieren die Geschmacksknospen der Zunge, was reflektorisch die Bildung und Ausscheidung von Verdauungssäften wie Speichel oder Magensaft anregt.

Wirkung bei Appetitlosigkeit

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Anregend auf die Speichelbildung

Stress und Hektik, Kummer und Sorgen können als psychische Faktoren dazu beitragen, dass die Lust am Essen verloren geht. Problematisch wird es aber erst, wenn die Appetitlosigkeit zum Dauerzustand wird und sich das Körpergewicht (schnell) verringert, weil es zu einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen kommen kann. 

Die Wurzel des Enzian regt den Appetit an. Sie darf allerdings nicht bei bestehenden Geschwüren im Magen oder im Darm angewendet werden. Sobald die Bitterstoffe die Geschmacksknospen der Zunge berühren, regen sie auf reflektorischem Weg die Produktion der Speichel-, Magen- und Gallensäfte sowie das für die Verdauung wichtige Magensafthormon Gastrin an. So läuft einem buchstäblich das Wasser im Mund zusammen und man bekommt Appetit.

Zusätzlich sorgen die Verdauungssäfte dafür, dass die aufgenommene Nahrung schnell in ihre Einzelteile zerlegt werden können. Im Speichel sind dies beispielsweise Enzyme, die Zuckerverbindungen (Kohlenhydrate) aufspalten können, im Magen werden Eiweiße „zerlegt“ und im Dünndarm spalten Gallensäfte die Fette auf. Und die Enzyme der Bauchspeicheldrüse spalten die Eiweiße in so kleine Teile, dass sie vom Blut aufgenommen werden können.

Wirkung bei Magen-Darmbeschwerden

Verdauungsfördernd auf den Magen-Darmtrakt

Jeder dritte Bundesbürger leidet gelegentlich an Magen-Darmbeschwerden (Reizmagen-Syndrom). Die Hauptursache der Erkrankung, die mit Verdauungsschwäche einhergeht, sind zu langsame Bewegungen im unteren Teil des Magens, im Antrum, vor dem Magenausgang. Es ist der Übergang zum Zwölffingerdarm. Die Symptome, die sich aus der „Bewegungseinschränkung“ des Magens ergeben, können z.B. Bauchschmerzen, Sodbrennen und Blähungen sein.

Enzian hat eine direkte Wirkung auf den Magen. Das Gewebshormon Gastrin reguliert die Säurebildung (Salzsäure) im Magen. Außerdem kann es die Magen- und Darmbewegungen anregen sowie die Produktion des Bauchspeicheldrüsensaftes. Zusätzlich schwellen die Schleimhäute des Magens an, was dazu führt, dass die Nahrungsstoffe von dem Körper schneller aufgenommen werden. Zusätzlich können die ätherischen Öle der Enzianwurzel die Verdauung unterstützen, weil sie die Gallesaftbildung anregen und damit das aufgenommene Nahrungsfett schneller „zerlegt“ und vom Körper aufgenommen werden kann.

Kurz gesagt: Enzian hilft dabei, die Verdauung anzukurbeln, sodass lästige Magen-Darmsymptome erst gar nicht auftreten.

Enzianwurzel

Anwendung und Dosierung der Enzianwurzel

Enziantee

Besonders bei Appetitlosigkeit und bei Verdauungsbeschwerden ist ein Enzianwurzeltee besonders gut geeignet. Setzen Sie für die Teeherstellung 1 Teelöffel (3,5 g) geschnittene Enzianwurzel mit 1 Tasse (150 ml) kalten Wassers in einem kleinen Topf an und bringen Sie die Mischung langsam zu köcheln. Kocht der Tee, stellen Sie die Hitze ab und lassen den Tee 5 Minuten zugedeckt ziehen. Anschließend wird die Wurzel abgegossen.

Dosierung

Trinken Sie den Enzianwurzeltee ein oder zweimal täglich etwa eine ½ Stunde vor den Mahlzeiten.

Enzianschnaps

Bei Magenbeschwerden ist ein Enzianschnaps ein traditionelles Hausmittel. Hierzu benötigen Sie:

  • Enzianwurzel 30,0 g
  • Brandwein: Korn oder Vodka 40% 1000,0 ml

Geben Sie die klein geschnittene Enzianwurzel in eine zuvor beschriftete Flasche und füllen Sie diese mit dem Brandwein auf. Lassen Sie den Enzianschnaps 14 Tage lang ziehen und filtern Sie die Wurzel anschließend ab.

Dosierung

Erwachsene können täglich 1 Schnapsgläschen Enzianschnaps trinken. Beachten Sie bitte, dass der Enzianschnaps nicht zur Daueranwendung, nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und nicht für alkoholkranke Personen geeignet ist.

Enzianwurzel

Risiken und Nebenwirkungen

Bitte beachten Sie: Risiken und Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von bestimmungsgemäßen Dosen (Tagesdosis 2 bis 4 g) der Enzianwurzel nicht bekannt.

Selten können jedoch Magen-Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Juckreiz und Herzrasen als Nebenwirkungen auftreten.

Wegen der anregenden Wirkung auf die Verdauungssäfte, darf Enzianwurzel bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren nicht angewendet werden.

Außerdem soll Enzianwurzel wegen fehlender Erkenntnisse zur Unbedenklichkeit nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie während Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden.

Bitte dosieren Sie die Präparate wie in der Packungsbeilage angegeben bzw. wenden Sie die Dosierung an, die Ihr behandelnder Arzt verordnet hat.

Fertigarzneimittel

Extrakte der Enzianwurzel sind als Fertigarzneimittel bisher nicht als Monopräparat verfügbar. In Kombination mit anderen Wirkstoffen werden sie in Form von Brausetabletten, Dragees, Sirup, Saft und Tropfen angeboten (Mittel gegen Verdauungsbeschwerden und Entzündungen der Nasennebenhöhlen). Außerdem erhalten Sie die Wurzel in getrockneter Form in Ihrer Apotheke.

Die Wurzel des Gelben Enzians ist reich an Bitterstoffen. Bitterstoffe wirken nachweislich anregend auf den Appetit und auf die Verdauung. Der Wirkstoff eignet sich daher in ihrem Einsatz zur therapeutischen Behandlung von Appetitlosigkeit und Magen-Darmbeschwerden.

 

Quellen:
  • Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie – Phytopharmazie. 8. Auflage, Heidelberg 2007
 
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 17.11.2014
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

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