Traditionelle Anwendung des Johanniskrauts

Schon im Altertum war das Johanniskraut eine Heilpflanze mit herausragender Bedeutung. Mit welcher Wichtigkeit die Pflanze als pflanzliches Arzneimittel damals wie heute in der Phytomedizin betrachtet wird zeigt sich daran, dass das Johanniskraut eine der ersten Heilpflanzen überhaupt war, die von der Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte im Jahr 1984 bewertet wurde. Nach dieser ersten Bewertung erfolgten zahlreiche Überarbeitungen nachdem entsprechende Studien durchgeführt und ihre Ergebnisse veröffentlicht wurden. Dieser Prozess zeigt die Weiterentwicklung von einem traditionellen Arzneimittel, das in Europa schon im Mittelalter beispielsweise als Entzündungshemmer und Schmerzmittel, gegen Gicht, Rheuma und gegen „böse Geister“ verwendet wurde.
Aber nicht nur die Europäer haben das Johanniskraut für sich entdeckt – vielmehr ist die Pflanze auch in anderen großen Medizinsystemen von Bedeutung.
Johanniskraut in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Auch in China wird die stimmungsaufhellende Wirkung des Johanniskrauts geschätzt. Die Chinesen gehen neben körperlichen Störungen auch von einer Beeinflussung des Seins durch das sogenannte Qi (Chi) aus. Qi bedeutet so viel wie Lebensenergie, Atem oder Lebenshauch. Das Johanniskraut soll das Qi der Leber emporheben und so Leber-Qi-Blockaden lösen. Außerdem wird es zum „entschleimen“ des Herzens und zum nähren von Herz und Nieren gebraucht. Äußerlich angewendet werden Johanniskraut-Extrakte in der TCM bei Mandelentzündungen zum Gurgeln und als Lotion bei Hautkrankheiten gebraucht.
Johaniskraut in der Tibetischen Medizin (TM)
In der TM wird eine Johanniskraut-Art verwendet, die mit der hiesigen Johanniskrautpflanze „Hypericum perforatum“ eng verwandt sind: Hypericum perporatum. Sie unterscheidet sich vor allem dadurch vom deutschen Johanniskraut, weil sie in Höhenlagen bis zu 3.600 Metern ü.d.M. wächst.
In der TM wird das Johanniskraut gegen sogenannte Hitzekrankheiten eingesetzt. Hitzekrankheiten machen sich oft durch Entzündungen oder Erkältungen mit Fieber bemerkbar. Gegen Erkältungen und Fieber wird das Johanniskraut tatsächlich in der TM angewendet. Aber es wird auch gegen „Leberfieber“ und blutigen Durchfall eingesetzt. Äußerlich angewendet wird es gegen Entzündungen in der Mundhöhle, gegen Hautkrankheiten und Wunden eingesetzt.
Johanniskraut in der Indischen Medizin und Ayurveda
Eindeutige Hinweise dafür, dass Johanniskraut auch in der Indischen Medizin und Ayurveda eingesetzt wird, liegen nicht vor. Das Johannisöl wird jedoch zu Massagen in Kombination mit Hauterkrankungen eingesetzt.
Indianische Medizin
Die Prärie-Indianer (auch Plains-Indianer) sind ein nordamerikanisches Nomadenvolk, die im Norden der USA und in Kanada leben. Sie aßen das Johanniskraut bevorzugt frisch und nutzten so seine beruhigende Wirkung. Bei den Prärie-Indianern gilt das Johanniskraut bis heute als ein pflanzliches Arzneimittel, das dem Körper hilft, tägliche seelische und körperliche Belastungen besser zu bewältigen.



