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Johanniskraut Ernte und Verarbeitung

Johanniskraut Ernte und Verarbeitung

Auf den ersten Blick erscheint das Johanniskraut (Hypericum perforatum) als eher anspruchslose Pflanze: Es liebt die Sonne, magere Böden und braucht kaum Dünger zum Gedeihen. Faktisch ist es aber auch ein ausgesprochen pflegebedürftiges Gewächs, das zu Krankheiten und Schädlingsbefall neigt.

Diese Hindernisse nehmen Züchter gerne in Kauf, denn Johanniskraut-Extrakte sind ein bedeutender medizinischer Rohstoff und können beispielsweise bei depressiven Verstimmungen eine wirksame pflanzliche Alternative zu schulmedizinischen Arzneimitteln darstellen. Diese Alternative wird auch genutzt: Alleine auf dem deutschen Markt gibt es hunderte Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakten, die in Apotheken und niedrig dosiert in Drogerien erhältlich sind. Allerdings sind besonders die hochdosierten und damit qualitativ hochwertigen Präparate besonders gut wirksam.

Ernte des Johanniskrauts

Der Gehalt an Inhaltstoffen ist während der Vollblüte am höchsten. Der Stängel und die Blätter der Pflanze weisen allerdings eine recht geringe Konzentration auf -  der Zauber des Johanniskrauts schlummert in seinen Blüten. Für die Herstellung von Teewaren erfolgt der Schnitt auf einer Höhe von circa 20 Zentimetern – für die Extrakt-Herstellung hingegen sollte nur der oberste Blühabschnitt von maximal 20 Zentimetern oder weniger geerntet werden.

Die Erntezeit richtet sich nach der Anbautechnik und dem Alter des Krautes. Bei Direktsaat erfolgt die Ernte im Oktober, bei Teilung oder Stecklingsvermehrung zwischen August bis Oktober, im zweiten Standjahr in der Regel im Juli.

Durchgeführt wird die Ernte händisch für den privaten Gebrauch und mit Mähladern oder ähnlichen Geräten für die industrielle Verwendung. Dient die Ernte der Herstellung von Kraut-Extrakten, wird zuweilen auch mit Feldhäckslern zuwerke gegangen.

Johanniskraut wird auch frisch, meist aber getrocknet vermarktet. Bei Trocknung, die zwischen 40 und 60°C erfolgt, muss das Kraut zuerst gehäckselt werden. Die Lagerung erfolgt kühl, trocken und dunkel in Papier- oder Jutesäcken, wobei die Erträge in Abhängigkeit von der Schnitthöhe stark schwanken können. Auch fällt das Erntegut bei Pflanzen aus Direktsaat oft geringer aus als bei Pflanzen, die aus Teilungen oder Stecklingsvermehrung gezogen wurden.

Herstellung des Johanniskrauts

Johanniskraut hat zwei Wirkstoffe: Das Kraut und das Johannisöl (Rotöl). Die Qualität der Johanniskraut-Extrakte zur Arzneimittelherstellung ist im Europäischen Arzneibuch (PhEur) geregelt, die des Johannisöls im Deutschen Arzneibuch (DAB).

Die anschließende Gehaltsanalyse des Extrakts erfolgt durch eine spektrophotometrische Bestimmung der Hypericine, die wiederum durch verschiedene Methoden durchgeführt werden kann. Unter eine spektrophotometrischen Bestimmung wird die Konzentrationsbestimmung von lichtabsorbierenden Substanzen verstanden, durch den Vergleich mit der bekannten Konzentration in einer Probe. Der Gehalt der Gesamt-Hypericine muss nach dem PhEur mindestens 0,08% betragen.

Für die Herstellung von Fertigarzneimitteln wie Kapseln oder Tropfen, werden in den meisten Fällen hydroalkoholische Extrakte mit Ethanol oder Methanol verwendet.

Quellen:
  • Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie – Phytopharmazie. Heidelberg 2007
  • Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001
  • Schilcher H, Kammerer S, Wegener T: Leitfaden Phytotherapie. München & Jena 2010
  • Schulz V, Hänsel R: Rationale Phytotherapie. 3. Auflage, Berlin, Heidelberg, New-York 1996
  • Teuscher E, Melzig MF, Lindequist U: Biogene Arzneimittel. München 2004
Geschrieben von Redaktion 07.02.2011
Geschrieben von Redaktion 07.02.2011
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Erfahrungsberichte zu Johanniskraut

Fragen zu Johanniskraut

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Um Johanniskrautöl selber zu machen, muss mann ja die Pflanzen in Öl einlegen (ich will mal Olivenöl testen). Wenn das Öl dann rot ist, ist das Öl ja eigentlich fertig... aber wie lange dauert das denn eigentlich? Gibt es da
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Wie die Überschrift schon sagt, will ich Johanniskrautöl machen. Dazu lege ich die Pflanzen in Öl ein und lasse alles mehrere Wochen "ziehen". Wer hat Erfahrung damit, wie lange das stehen muss? Sollte es eher im Schatten oder im Licht

Tipps zu Johanniskraut

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Ein Umschlag mit Johanniskrautblütenöl hilft eine entstehende Schwellung abzumildern. Durch die zusammenziehende Wirkung auf Blutgefäße hilft das Johanniskrautöl auch gegen Blutergüsse (zumindest kann deren Größe verringert werden). Ich konnte so s