Johanniskraut – Hypericum perforatum

Sonnenliebende Pflanze mit stimmungsaufhellender Wirkung
Die Zahlen sind alarmierend: Etwa 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden bereits an einer behandlungsbedürftigen Depression und es werden immer mehr. Negativer Stress und genetische Dispositionen können Einflussfaktoren sein, die eine depressive Verstimmung fördern können. Alleine zwischen den Jahren 1998 und 2009 haben die Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund psychischer Erkrankungen um über 75% (!) zugenommen.
Wissenswertes über das Johanniskrauts
Johanniskraut-Extrakte können zwar nicht die Ursachen einer depressiven Verstimmung bekämpfen, wohl aber ihre Symptome. Und der Markt für Stimmungsaufheller (Antidepressiva) wächst kontinuierlich. Bei chemisch synthetischen Antidepressiva sind es in Deutschland pro Jahr etwa 13 Prozent. Präparate aus Johanniskraut-Extrakten nehmen hingegen sogar um zirka 20 Prozent jährlich zu. Diese Zahlen sind alarmierend, zumal auch das Burn-Out-Syndrom zu den Depressionen gezählt wird, und das ebenfalls an Häufigkeit und Schweregrad in Deutschland zunimmt.
Dass etwa 2/3 aller Selbstmorde auf depressive Vorerkrankungen zurückgehen, sollte zum Nachdenken anregen.
Aber Johanniskraut kann noch weitaus mehr, als die Sonne zurück ins Gemüt zu bringen. Seit tausenden von Jahren wird es äußerlich zur Wundheilung eingesetzt, wurde heidnischen Göttern und christlichen Anhängern Jesus geweiht und besitzt bis heute eine rituelle Bedeutung, wenn es um Glück und Segen geht. Weil das Johanniskraut eine sehr alte und wichtige Heilpflanze in Deutschland und in Europa ist, besitzt sie auch viele Namen: Hartheu, Herrgottsblut, Hexenkraut, Jageteufel, Johannisblut, Mannskraft, Tüpfeljohanniskraut und Walpurgiskraut sind einige der vielen sinnverwandten Namen.
Botanik des Johanniskrauts
Das Johanniskraut ist eine mehrjährige Pflanze, die zu der Familie der Johanniskrautgewächse/Hartheugewächse (Hypericaceae) gehört. Es erreichet eine Höhe von 30 und 80 cm. Seine zahlreichen, gelben Blüten sind eine lockere, pyramidenförmige Rispe, die zwischen Juni bis September blüht. Nach der Blütezeit entwickeln sich zahlreiche kleine Samen aus der Blüte. Die Blätter sind durchscheinend punktiert und oft mit schwarzen Drüsen unterseits am Rand oder auf der Spreite übersät. Sie sind ungestielt, oval-länglich, ganzrandig und gegenständig. Der sich verzweigende schwarzdrüsige Stängel besitzt 2 Längskanten.
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe des Johanniskrauts
Johanniskraut hat 2 medizinische Wirkstoffe: Das Kraut und das daraus gezogene Auszug-Öl. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache heißt Johanniskraut „Hyperici herba“. Johannisöl heißt „Hyperici oleum“. Die Qualität des Johanniskrauts ist im Europäischen Arzneibuch (PhEur) festgelegt, die des Johannisöls im Deutschen Arzneibuch (DAB).
Da es sich beim Johannisöl um ein Auszug-Öl (Johanniskraut in Öl eingelegt und ziehen gelassen) und nicht um ein ätherisches Öl handelt, sind die Inhaltstoffe der Wirkstoffe überlappend. Johanniskraut enthält Antracenderivate mit den wichtigen Komponenten Hypericin und Pseudohypericin, Flavonoide, vor allem Hyperosid, Xanthone, Acylphloroglucinole, ätherische Öle, Gerbstoffe und Kaffeesäurederivate.
Medizinische Wirkungen
Johanniskraut ist einerseits wegen seiner erwiesenen Wirkungen gegen depressive Erkrankungen von hoher Bedeutung. Andererseits besitzen die öligen Auszüge aus der Johanniskrautpflanze, Johannisöl, ebenfalls zahlreiche wichtige Wirkungen. Innerlich angewendet hilft das Johannisöl nachweislich gegen Magen-Darmbeschwerden. Wird es äußerlich angewendet hilft es erwiesenermaßen gegen Verletzungen, leichte Verbrennungen und gegen Muskelschmerzen.
Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukten empfiehlt Johanniskraut-Extrakte zur Behandlung von „psychovegetativen Störungen, depressiven Verstimmungszuständen und nervöser Unruhe“.
Die Anwendung des Johannisöls befürwortet die Kommission E bei der inneren Anwendung bei „dyspeptischen Beschwerden“. Äußerlich angewendet empfiehlt die Kommission E die Anwendung des Johannisöls zur „Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen, Verbrennungen 1. Grades und zur Behandlung und Nachbehandlung von Myalgien“.


