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Brennnessel Ernte und Verarbeitung

Brennnessel Ernte und Verarbeitung

Zwischen Juli und September blüht die Brennnessel. Dieser Zeitraum ist auch die beste Zeit, um das Kraut der Pflanze zu ernten. Es kann aber auch schon vor der Blüte geerntet werden. Die Wurzel muss sich allerdings erst entwickeln. Sie wird üblicherweise im zweiten Jahr nach der Krauternte eingebracht. Es kann – mit entsprechender Schutzkleidung gegen ihre Brennhaare – per Hand geerntet werden. Wurzelernten erfolgen üblicherweise per Rodung – auch um eine bestmöglichste Quantität und Qualität der Ware zu erreichen. Werden Teile aus der Brennnessel weiter zu einem Arzneimittel verarbeitet, gelten hierfür Qualitätsvorschriften die im Europäischen Arzneibuch (PhEur), Deutschen Arzneibuch (DAB) und im Deutschen Arznei Codex (DAC) festgelegt wurden.

Ernte der Brennnessel

Ernte des Krauts

Für die Krautgewinnung wird der Bestand bei entsprechender Wuchshöhe geerntet. Bei kleinen Mengen für den Privatgebrauch erfolgt diese Ernte meisten händisch – bei großen kommerziellen Mengen meist mit einem sogenannten Schneidlader. Im ersten Anbaujahr ist die Ernte zwei bis dreimal möglich, in den Folgejahren bis zu viermal. Das geerntete und geschnittene Brennnesselkraut wird anschließend gehäckselt, um Stängel und Blätter voneinander zu trennen, und nachfolgend getrocknet. Der Blattanteil schwankt je nach Schnitttermin zwischen 45 und 60 Prozent. Die Trocknungstemperatur sollte 40°C nicht überschreiten, da es ansonsten zu Verlusten von Inhaltsstoffen kommen kann.

Ernte der Wurzel

Wurzelernten sind aus quantitativen und qualitativen Gründen (Inhaltsstoffgehalt) ab dem zweiten Standjahr sinnvoll. Für den privaten Gebrauch wird die Brennnesselwurzel per Hand geerntet, für kommerzielle medizinische Zwecke meist im Herbst mit einem Schwingsiebroder oder einem Kartoffelroder. Anschließend werden die Wurzelstöcke grob zerteilt, gründlich gewaschen und bei 45 bis 50°C getrocknet.

Herstellung der Brennnessel

Alleine auf dem deutschen Markt existieren weit über 100 verschiedene Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit Extrakten aus Brennnesselblättern, Brennnesselkraut oder Brennnesselwurzeln – auch in Kombination mit anderen Heilpflanzen.  Bevor der Herstellung eines Brennnesselpräparates erfolgen jedoch zunächst eine Identitäts- und Gehaltsprüfung. Erst nach diesen Prüfungen erfolgt der Auszug von Extrakten, die zu Fertigarzneimitteln weiterverarbeitet werden können. Zur Identitätsprüfung dient ein dünnschichtchromatographisches Verfahren. Es handelt sich um ein physikalisch-chemisches Trennverfahren, das zur Zusammensetzung von Proben genutzt werden kann und einen schnellen Nachweis der Reinheit der Substanz liefert.

Anschließend wird ihr Gehalt an Caffeolyläpfelsäure und Flavonoiden im Kraut und der Gehalt von Phytosterolen, Lignanen und anderen Inhaltstoffen in der Wurzel bestimmt. Zur Weiterverarbeitung zu Fertigarzneimitteln wie Kapseln oder Dragees werden bei den Blättern und beim Kraut als Auszugsmittel für Trocken- oder Flüssigextrakte Alkohol (Propanol oder Ethanol) sowie Wasser verwendet. Zur Herstellung von Brennnesselwurzeltrockenextrakten werden wässrig-alkoholische Auszüge (Wasser-Methanol bzw. Ethanol) oder alkoholische Auszüge mit Methanol eingesetzt.

Quellen:
  • Brickell Ch (Hrsg.): Die Neue Garten Enzyklopädie. London, New York, München, Melboune, Delhi 2003
  • Fessler B: Brennesselwurzel bei Prostataadenom. In: Medizinische Monatszeitschrift für Pharmazeuten 1993; 16: 287
  • Hurni S, Kellenberger M: Die 20 besten Heilkräuter. In: Natürlich Gesund, Natur, Gesellschaft, 2008; 9: 10-12
  • Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001
  • Heilpflanzen-Welt: Urticae radix (Brennnesselwurzel). http://buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/urticae-radix-brennnesselwurzel.htm
  • Schilcher H: Möglichkeiten und Grenzen der Phytotherapie am Beispiel pflanzlicher Urologika. In: Urologe (B) 1987; 27: 316-319
Geschrieben von Redaktion 25.08.2014
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 25.08.2014
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