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Brennnessel – Urtica dioica/Urtica urens

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Brennnessel – Urtica dioica/Urtica urens

Von der Donnernessel zum Heilmittel für Harnwege und Gelenke

So widerspenstig die Brennnessel ungebetenen Gästen auch begegnet, die in ihr schlummernden Substanzen sind ausgesprochen wirkungsvoll und können bei einer ganzen Reihe körperlicher Beschwerden Anwendung finden. Für das schlechte Image der anspruchslosen Nesselpflanze ist eine feine Sollbruchstelle verantwortlich. Das Köpfchen der winzigen Brennhaare an Blatt und Stängel zerbirst bei der kleinsten Berührung und bohrt sich in die Haut des Eindringlings. Auch wenn die Brennnessel für ihren schlechten Ruf natürlich selbst verantwortlich ist – sie hat eine zweite Chance verdient. Bei Rheuma, Harnwegsinfektionen und Prostatabeschwerden ist sie nämlich wirklich hilfreich.

Die Heilwirkung der Brennnessel

Die Inhaltsstoffe im Brennnesselkraut, also in den Stengeln und den Brennnesselblättern, wirken wegen ihrer entwässernden und entzündungshemmenden Wirkungen nachweislich bei rheumatischen Erkrankungen, bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege und vorbeugend gegen Nierengrieß. Die Brennnesselwurzel enthält andere Inhaltsstoffe als das Kraut und die Blätter. Sie wirken in erster Linie beim Mann: bei Harnstauung, schmerzhaftes und häufiges Wasserlassen und nächtlichen Harndrang durch eine vergrößerte Prostata und zudem entzündungshemmend und positiv auf das Immunsystem.

Als Hausmittel kann ein Brennnesseltee auf Basis von Kraut oder Blättern der Pflanze durch seine entwässernde Wirkung den Stoffwechsel anregen, Harnwegsbeschwerden lindern und Nierengrieß vorbeugen. Außerdem können die Wirkstoffe die Behandlung rheumatischer Beschwerden unterstützen. Die Brennnesselwurzel kann überdies eine Linderung von Prostatabeschwerden bewirken. 

Anerkannte medizinische Anwendung:
  • Sowohl die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte als auch der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürworten die Behandlung mit Brennnesselkraut und Brennnesselblättern „zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden sowie die innere Anwendung zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege.“ Zusätzlich empfiehlt die Kommission E Brennnesselkraut auch „zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß.“
  • Die Kommission E empfiehlt die Anwendung der Brennnesselwurzel für die „therapeutische Anwendung gegen Miktionsbeschwerden bei Prostata-Adenom Stadium I bis II.“ Von ESCOP wurden später noch folgende Anwendungsbereiche als positiv bewertet: „symptomatische Behandlung von Miktionsstörungen (Nykturie, Pollakiurie, Dysurie, Harnverhalt bei benigner Prostatahyperplasie Stadium I bis II).“
  • Der europäische Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) hat die Brennnessel basierend auf langjähriger Erfahrung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. 

Wissenswertes über die Brennnessel

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Ein jeder hat die grüne, hochgewachsene Pflanze mit ihren herzförmigen und gezähnten Blättern schon einmal am Straßenrand oder auf Schuttplätzen erblickt und wahrscheinlich auch bereits unwillentlich berührt. Die Rede ist natürlich von der Brennnessel. Weil sie überall wächst und sich ausbreitet, stand das grüne Kraut bereits in der Antike für Vitalität und Fruchtbarkeit. So aß man die frische Pflanze beispielsweise zur Steigerung der Liebeslust. Weitaus weniger harmonisch geht es in alten Mythen zur Brennnessel zu. Astrologisch wird die Pflanze dem Planeten und Kriegsgott Mars zugeschrieben, der so manchem schreckliche Schmerzen zugeführt haben soll.

Pflanze der Kriegsgötter und Klosterapotheken

Schon bei leichter Berührung des Stängels oder Blatts brechen sie, die Brennhaare der Brennnessel, was zum schmerzhaften Brennen auf der Haut führt. Wegen dieser Eigenschaft ist es kaum verwunderlich, dass die Pflanze bereits in der germanischen Mythologie mit dem Gott Donar – auch Thor genannt – in Verbindung gebracht wurde. Wann immer er erzürnt war, schickte Donar Blitz und Donner zu uns auf die Erde. Wie Feuer brennt auch das Nesselgift der Brennnessel auf der Haut – eine ungeliebte Erfahrung. Wegen dieser Eigenschaft wurde mit der Brennnessel zudem nach dem Prinzip „Heile Gleiches mit Gleichem“ umgegangen. So wurde die Pflanze lange Zeit bei herannahendem Gewitter ins Feuer geworfen, um Haus und Hof vor Blitzeinschlag zu schützen.

Diese Regel wurde auch auf die Gesundheit übertragen. Früher bedeutete „Urtikation“ (Ableitung des Gattungsnamens der Brennnessel) das (Aus-)Peitschen gelähmter oder rheumatischer Glieder. Deshalb wurde die Brennnessel bei fast allen Krankheiten mit brennendem Schmerz verordnet. Auch heute noch wird die Berührung mit den Brennhaaren der Brennnessel in Verbindung mit Vorbeugung von Rheuma gebracht. Aber die historischen Einsatzgebiete der Brennnessel reichen noch viel weiter. Traditionell wird die Brennnessel in Deutschland bis heute zur Blutreinigung eingesetzt. Dieses Anwendungsgebiet kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, denn bereits der griechische Gelehrte Hippokrates, der vor annähernd 2.500 Jahren lebte, empfahl die Pflanze zur „Leibes- und Blutreinigung“. Ebenso erwähnten Plinius und Paracelsus die Wirkung der Heilpflanze in ihren Schriften. Aber auch in der deutschen Heilkunde besaß die Brennnessel bereits im frühen Mittelalter einen hohen Stellenwert. Sie wurde in zahlreichen Rezepturen im Lorscher Arzneibuch verwendet und fand ebenfalls unter der berühmten Äbtissin Hildegard von Bingen Einsatz. Sie verordnete gekochte Brennnesseln bei Lähmungserscheinungen. Zusammen mit Dill und Liebstöckel empfahl sie die Brennnessel zu einem guten Wein zu kochen und bei Lungenschmerzen zum Frühstück zu trinken. Aber auch als Rheumamittel war die Pflanze der Heiligen Hildegard bekannt.

Namensgebung der Brennnessel

Medizinisch werden heute zwei Brennnesselarten eingesetzt: Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Der Gattungsname „Urtica“ leitet sich von dem lateinischen Wort „urere“ ab, was auf Deutsch „brennen“ bedeutet. Der Beiname der Großen Brennnessel „dioica“ leitet sich von der botanischen Bezeichnung „diözisch“ ab: zweihäusig. Die Pflanze besitzt nämlich männliche und weibliche Blüten. Der Beiname der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) verstärkt den Gattungsnamen „Urtica“. „urens“ leitet sich ebenfalls von „urere“ ab, was dasselbe wie „brennen“ meint. In der deutschen Sprache wurde das Wort Brennnessel aus „Brennen“ und „Nessel“ kombiniert. Diese Bezeichnung geht auf die alte Nutzung der Brennnessel zurück, die als Faserpflanze, vor dem Einzug der Baumwolle in Europa zur Herstellung von Tuch verwendet wurde. Das „Nesseltuch“ wird heute aus ungebleichter Baumwolle hergestellt.

Im Inneren der Pflanze befinden sich neben den medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen auch Ameisensäure, Acetylcholin und Histamin – eine ätzende Mixtur aus Reizstoffen. Mit tausenden mikroskopisch kleinen Injektionsnadeln dringt das Nesselgift nun in die Haut und verursacht für Minuten bis Stunden schmerzhafte rote Quaddeln. Trotz der Schmerzen sind die Nesselgifte der Pflanze nicht nur ungefährlich für den Menschen, die Pflanze ist tatsächlich auch von großem medizinischen Nutzen.

Lange Zeit mussten Menschen unter Auspeitschungen mit der Brennnessel leiden, in dem Glauben die Brennhaare der Heilpflanzen würden Rheuma und allen „brennenden“ Beschwerden entgegenwirken. Im Mittelalter verstanden die Menschen unter Urtikation (der botanische Name der Brennnessel lautet „Urtica“) das Auspeitschen mit dem Brennnesselkraut. Ob die gewünschten Effekte auf die Gesundheit tatsächlich durch das Nesselgift eingetreten sind, darf angezweifelt werden.

Botanik der Brennnessel

Die Große und die Kleine Brennnessel (Urtica dioica und Urtica urenes) gehören zur der Familie der Brennnesselgewächse (Uriticaceae). Die Große Brennnessel kann bis zu 1,5 Meter in die Höhe schießen und besitzt einen vierkantigen Stängel, der dicht mit Brenn- und Borstenhaaren besetzt ist, und einen winterharten Wurzelstock. Ihre grob gesägten Blätter sind kreuzgegenständig, herzförmig und spitz zulaufend.

Auch diese sind mit Brenn- und Borstenhaaren übersät. Die Blüten treten in hängenden, geknäulten grünlich-weißen unscheinbaren Rispen auf. Sie blühen zwischen Juli und September. Die Kleine Brennnessel hingegen wächst 10 bis 50 Zentimeter hoch und ist damit deutlich keiner als ihre Schwester.

Auch ihre eher rundlichen Blätter sind kleiner, aber ebenfalls mit Brennhaaren übersät, die Borstenhaare fehlen allerdings. Ihre Blüten sind gelblich und von feiner Gestalt. Sie blüht wie ihre Schwester zwischen Juli und September. 

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Brennnessel 

Die medizinisch verwendeten Wirkstoffe der Brennnesseln sind ihr Kraut, ihre Blätter und ihre Wurzeln. Offiziell anerkannt sind alle genannten Wirkstoffe der Heilpflanze. Sie werden in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache Urticae herba (Brennnesselkraut), Urticae folium (Brennnesselblätter) und Urticae radix (Brennnesselwurzel) genannt.

Die Qualität des Brennnesselkrauts ist durch den Deutschen Arznei Codex (DAC) festgelegt, die der Brennnesselblätter ist durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) und die Qualität der Brennnesselwurzel durch das Deutsche Arzneibuch (DAB). Die Inhaltsstoffe des Brennnesselkrauts und der Brennnesselblätter sind in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich. Sie enthalten getrocknet vor allem ungesättigte Fettsäuren, Caffeoylchinasäuren, Mineralsalze und Kieselsäure. Brennnesselwurzeln enthalten vor allem Phytosterole, Cumarin, Lectine, Polysaccaride (Zuckerverbindungen) und Lignane.

Auch kulinarisch ist die Brennnessel interessant. Die jungen zarten Brennnesselblätter eignen sich gut für Wildgemüsezubereitungen und Salat. Sie stecken voller Vitamine und enthalten bis zu 20 Prozent Mineralstoffe, unter anderem Eisen und Kalzium. Bevor man sie isst, müssen sie aber gründlich gewaschen und am besten feingehackt werden. Im späten August können die nussigen Samen gesammelt werden, die man am besten getrocknet über die Speisen streut. Sie sollen kräftigend und anregend wirken.

Traditionelle Anwendung der Brennnessel

Kaum eine Heilpflanze ist in den traditionellen Medizinsystemen der Welt so bekannt wie die Brennnessel (Urtica dioica). In der traditionellen europäischen Medizin findet die Pflanze beispielsweise zur Unterstützung der Blutbildung, bei Gicht und als Haarstärkungsmittel Einsatz. In anderen Medizinsystemen, etwa dem ayurvedischen, wird die Brennnessel ganz anders verwendet.

Die Brennnessel in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

In der TCM wird der Brennnessel eine kühlende Kraft (Potenz) zugeschrieben. Sie wird deshalb gegen Hitzekrankheiten, die mit Entzündungen verbunden sein können, eingesetzt. Brennnesseln sollen übermäßige Lungenfeuchtigkeit vertreiben und das Leberblut nähren. Allerdings ist die Brennnessel in der TCM von eher untergeordneter Bedeutung. Sie wird in anderen Medizinsystemen weitaus breiter angewendet.

Die Brennnessel in indischer Medizin und Ayurveda

In Ayurveda und indischer Medizin findet die Brennnessel bei einer ganzen Reihe von Beschwerden Einsatz. Die Wurzeln und Blätter der Pflanze werden zur Behandlung von Asthma, Bronchitis und als auswurfförderndes Mittel eingesetzt. Extrakte aus den Blättern werden bei Harnwegerkrankungen und Harnstein verwendet. Bei Kindern soll die Brennnessel bei Wurmbefall und (kalten) Milzerkrankungen wirken. Auszüge aus der Brennnesselwurzel werden bei Juckreiz, Verbrennungen, Abszessen und sogar bei Herpes angewandt.

Ähnlich wie in Europa findet die Brennnessel jedoch auch Einsatz als „Blutreinigungsmittel“, zur Blutbildung aber auch zur Milchbildung bei stillenden Frauen. Sie wird verwendet bei Bluthochdruck, Durchfall, entzündlichen Darmerkrankungen, Rheuma, Gelenkentzündungen und Gicht. Auch als Haarwuchsmittel und gegen Haarausfall ist die Heilpflanze gebräuchlich. In den indischen Himalaya-Regionen wird die Pflanze zusätzlich gegen Fieber eingesetzt.

Die Brennnessel in der Tibetischen Medizin 

In der Tibetischen Medizin werden vorrangig Blätter und Blüten der Brennnessel verwendet. Anders als in der TCM wird der Pflanze in der Tibetischen Medizin eine warme Kraft (Potenz) zugeschrieben. Brennnesselblätter und Früchte werden bei Ungleichgewicht des Körpers nach langer Krankheit und zur Stärkung eingesetzt. Außerdem soll die Brennnessel „chronisches“ Fieber lindern und die Verdauung in Kombination von Rohkost fördern. Ihre Wirkung unterstützend bei allen Kältekrankheiten, wie einer Erkältung, eingesetzt werden, weil sie wärmend wirken und damit den Körper und den Geist in Balance halten oder zurückbringen soll.

Traditionelle Anwendung in den USA

Auch in der traditionellen Medizin des nordamerikanischen Kontinents erfreut sich die Brennnessel großer Beliebtheit. Dort wird das Kraut gegen Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt, die durch Gelenkentzündungen und Gicht verursacht wurden. Extrakte aus der Brennnessel gelten als entwässernd und abführend, aber auch gegen Durchfall und Harnwegbeschwerden sowie bei Problemen beim Wasserlassen durch eine vergrößerte Vorsteherdrüse (Prostata). Wie in Europa gelten die Extrakte aus der Brennnessel auch in den Vereinigten Staaten als ein Hausmittel gegen Kopfhautschuppen, gegen Haarausfall und Glatze. Aber die Anwendungsgebiete gehen noch weiter. So soll die Brennnessel gegen Niesen und gegen Heuschnupfen helfen sowie bei Asthma, Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündungen, Hämorrhoiden, Alzheimer, Bluthochdruck, Frauenkrankheiten und zur Blutstillung wirken.

Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 25.08.2014
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.
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Brennnesselwurzel – Urticae radix
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