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Brennnessel – Urtica dioica/Urtica urens

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Brennnessel – Urtica dioica/Urtica urens

Von der Donnernessel zum Heilmittel für Harnwege und Gelenke

Die Brennnessel (Urtica dioica/Urtica urens) wehrt sich gegen ungebetene Gäste. Schon bei leichter Berührung kommt es zum gefürchteten Brennen, das oft erst nach mehreren Stunden wieder vergeht. Verantwortlich für diese Reaktion sind die Brennhaare der Pflanze, die auf ihren Blättern und Stängeln sitzen. Bei der kleinsten Berührung bricht ihr kleines Köpfchen ab und es bildet sich ein scharfkantiger Rand, mit dem sich das Brennhaar in die Haut hineinbohrt. Tatsächlich ist die ungeliebte Brennnessel aufgrund ihrer entwässernden und antientzündlichen Eigenschaften aber eine sehr wirksame Heilpflanze.

Wobei hilft die Brennnessel?

Die Inhaltsstoffe im Brennnesselkraut und in den Brennnesselblättern wirken wegen ihrer entwässernden und entzündungshemmenden Wirkungen nachweislich bei rheumatischen Erkrankungen, bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege und vorbeugend gegen Nierengrieß. Die Brennnesselwurzel enthält andere Inhaltstoffe als das Kraut und die Blätter. Sie wirken in erster Linie gegen eine Harnstauung beim Mann durch eine vergrößerte Vorsteherdrüse (Prostata) und zudem entzündungshemmend und positiv auf das Immunsystem.

Offiziell bestätigte Wirkung:
  • Sowohl die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte als auch der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürworten die Behandlung mit Brennnesselkraut und Brennnesselblättern „zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden sowie die innere Anwendung zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege.“ Zusätzlich empfiehlt die Kommission E Brennnesselkraut auch „zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß.“
  • Die Kommission E empfiehlt die Anwendung der Brennnesselwurzel für die „therapeutische Anwendung gegen Miktionsbeschwerden bei Prostata-Adenom Stadium I bis II.“ Von ESCOP wurden später noch folgende Anwendungsbereiche als positiv bewertet: „symptomatische Behandlung von Miktionsstörungen (Nykturie, Pollakiurie, Dysurie, Harnverhalt bei benigner Prostatahyperplasie Stadium I bis II).“

Wissenswertes über die Brennnessel

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Im Inneren der Pflanze befinden sich neben den medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen auch Ameisensäure, Acetylcholin und Histamin – eine ätzende Mixtur aus Reizstoffen. Mit tausenden mikroskopisch kleinen Injektionsnadeln dringt das Nesselgift nun in die Haut und verursacht für Minuten bis Stunden schmerzhafte rote Quaddeln. Trotz der Schmerzen sind die Nesselgifte der Pflanze nicht nur ungefährlich für den Menschen, die Pflanze ist tatsächlich auch von großem medizinischen Nutzen.

Generationen lang mussten Menschen in dem Glauben die Brennhaare der Heilpflanzen würden gegen Rheuma und alle „brennenden“ Beschwerden entgegenwirken, unter Auspeitschungen mit der Brennnessel leiden. Im Mittelalter verstanden die Menschen unter Urtikation (der botanische Name der Brennnessel lautet „Urtica“) das Auspeitschen mit dem Brennnesselkraut. Ob die gewünschten Effekte auf die Gesundheit tatsächlich durch das Nesselgift eingetreten sind, mag angezweifelt werden.

Fakt ist, bei der Brennnessel handelt es sich um eine Pflanze mit uralter Tradition: Bereits in der Steinzeit wurde sie zur Tuchherstellung und später als Lebens- und Arzneimittel verwendet. In der Mythen- und Sagenwelt ist sie eng mit den germanischen und römischen Kriegsgöttern wie dem Donnergott Thor, auch Donar genannt, verknüpft. Daraus erklärt sich die Ethymologie von einem ihrer zahlreichen Namen: Donnernessel, Haarnessel, Hanfnessel oder Nessel. Zu medizinischen Zwecken werden heute vorrangig die Große Brennnessel (Urtica dioica) aber auch die Kleine Brennnessel (Urtica urenes) verwendet.

Botanik der Brennnessel

Die Große und die Kleine Brennnessel (Urtica dioica und Urtica urenes) gehören zur der Familie der Brennnesselgewächse (Uriticaceae). Die Große Brennnessel kann bis zu 1,5 Meter in die Höhe schießen und besitzt einen vierkantigen Stängel, der dicht mit Brenn- und Borstenhaaren besetzt ist, und einen winterharten Wurzelstock. Ihre grob gesägten Blätter sind kreuzgegenständig, herzförmig und spitz zulaufend.

Auch diese sind mit Brenn- und Borstenhaaren übersät. Die Blüten treten in hängenden, geknäulten grünlich-weißen unscheinbaren Rispen auf. Sie blühen zwischen Juli und September. Die Kleine Brennnessel hingegen wächst 10 bis 50 Zentimeter hoch und ist damit deutlich keiner als ihre Schwester.

Auch ihre eher rundlichen Blätter sind kleiner, aber ebenfalls mit Brennhaaren übersät, die Borstenhaare fehlen allerdings. Ihre Blüten sind gelblich und von feiner Gestalt. Sie blüht wie ihre Schwester zwischen Juli und September. 

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Brennnessel als Heilpflanze

Die medizinisch verwendeten Wirkstoffe der Brennnesseln sind ihr Kraut, ihre Blätter und ihre Wurzeln. Offiziell anerkannt sind alle genannten Wirkstoffe der Heilpflanze. Sie werden in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache Urticae herba (Brennnesselkraut), Urticae folium (Brennnesselblätter) und Urticae radix (Brennnesselwurzel) genannt.

Die Qualität des Brennnesselkrauts ist durch den Deutschen Arznei Codex (DAC) festgelegt, die der Brennnesselblätter ist durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) und die Qualität der Brennnesselwurzel durch das Deutsche Arzneibuch (DAB). Die Inhaltsstoffe des Brennnesselkrauts und der Brennnesselblätter sind in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich. Sie enthalten getrocknet vor allem ungesättigte Fettsäuren, Caffeoylchinasäuren, Mineralsalze und Kieselsäure. Brennnesselwurzeln enthalten vor allem Phytosterole, Cumarin, Lectine, Polysaccaride (Zuckerverbindungen) und Lignane.

Traditionelle Anwendung der Brennnessel

Kaum eine Heilpflanze ist in den traditionellen Medizinsystemen der Welt so bekannt wie die Brennnessel (Urtica dioica). In der traditionellen europäischen Medizin findet die Pflanze beispielsweise zur Unterstützung der Blutbildung, bei Gicht und als Haarstärkungsmittel Einsatz. In anderen Medizinsystemen, etwa dem ayurvedischen, wird die Brennnessel ganz anders verwendet.

Die Brennnessel in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

In der TCM wird der Brennnessel eine kühlende Kraft (Potenz) zugeschrieben. Sie wird deshalb gegen Hitzekrankheiten, die mit Entzündungen verbunden sein können, eingesetzt. Brennnesseln sollen übermäßige Lungenfeuchtigkeit vertreiben und das Leberblut nähren. Allerdings ist die Brennnessel in der TCM von eher untergeordneter Bedeutung. Sie wird in anderen Medizinsystemen weitaus breiter angewendet.

Die Brennnessel in indischer Medizin und Ayurveda

In Ayurveda und indischer Medizin findet die Brennnessel bei einer ganzen Reihe von Beschwerden Einsatz. Die Wurzeln und Blätter der Pflanze werden zur Behandlung von Asthma, Bronchitis und als auswurfförderndes Mittel eingesetzt. Extrakte aus den Blättern werden bei Harnwegerkrankungen und Harnstein verwendet. Bei Kindern soll die Brennnessel bei Wurmbefall und (kalten) Milzerkrankungen wirken. Auszüge aus der Brennnesselwurzel werden bei Juckreiz, Verbrennungen, Abszessen und sogar bei Herpes angewandt.

Ähnlich wie in Europa findet die Brennnessel jedoch auch Einsatz als „Blutreinigungsmittel“, zur Blutbildung aber auch zur Milchbildung bei stillenden Frauen. Sie wird verwendet bei Bluthochdruck, Durchfall, entzündlichen Darmerkrankungen, Rheuma, Gelenkentzündungen und Gicht. Auch als Haarwuchsmittel und gegen Haarausfall ist die Heilpflanze gebräuchlich. In den indischen Himalaya-Regionen wird die Pflanze zusätzlich gegen Fieber eingesetzt.

Die Brennnessel in der Tibetischen Medizin 

In der Tibetischen Medizin werden vorrangig Blätter und Blüten der Brennnessel verwendet. Anders als in der TCM wird der Pflanze in der Tibetischen Medizin eine warme Kraft (Potenz) zugeschrieben. Brennnesselblätter und Früchte werden bei Ungleichgewicht des Körpers nach langer Krankheit und zur Stärkung eingesetzt. Außerdem soll die Brennnessel „chronisches“ Fieber lindern und die Verdauung in Kombination von Rohkost fördern. Ihre Wirkung unterstützend bei allen Kältekrankheiten, wie einer Erkältung, eingesetzt werden, weil sie wärmend wirken und damit den Körper und den Geist in Balance halten oder zurückbringen soll.

Traditionelle Anwendung in den USA

Auch in der traditionellen Medizin des nordamerikanischen Kontinents erfreut sich die Brennnessel großer Beliebtheit. Dort wird das Kraut gegen Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt, die durch Gelenkentzündungen und Gicht verursacht wurden. Extrakte aus der Brennnessel gelten als entwässernd und abführend, aber auch gegen Durchfall und Harnwegbeschwerden sowie bei Problemen beim Wasserlassen durch eine vergrößerte Vorsteherdrüse (Prostata). Wie in Europa gelten die Extrakte aus der Brennnessel auch in den Vereinigten Staaten als ein Hausmittel gegen Kopfhautschuppen, gegen Haarausfall und Glatze. Aber die Anwendungsgebiete gehen noch weiter. So soll die Brennnessel gegen Niesen und gegen Heuschnupfen helfen sowie bei Asthma, Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündungen, Hämorrhoiden, Alzheimer, Bluthochdruck, Frauenkrankheiten und zur Blutstillung wirken.

Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 25.08.2014
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.
  Wirksamer Pflanzenteil:
Brennnesselwurzel – Urticae radix
Brennnesselwurzel
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