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Tormentillwurzel – Tormentillae rhizoma

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Tormentillwurzel – Tormentillae rhizoma

Gerbstoffreiche Pflanzen mit entzündungshemmender und antidurchfall Wirkung

Der sogenannte Tormentillwurzelstock (vereinfacht in diesem Text Tormentillwurzel) ist das medizinisch eingesetzte Pflanzenteil der Blutwurz (lat: Potentilla erecta). Zum Einsatz kommt der Wirkstoff erst nachdem er von Wurzeln befreit und getrocknet wurde. Der Tormentillwurzel gehört zu den am stärksten wirksamen pflanzlichen Arzneimitteln gegen Durchfall auf unseren Breiten überhaupt. Der Wirkstoff wirkt stark zusammenziehend, keimhemmend und entzündungshemmend. Wegen dieser Eigenschaften eignen sich Extrakte aus dem Tormentillwurzelstock auch zur Behandlung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum (Halsschmerzen, Zahnfleischentzündung, Stomatitis).

Auf einen Blick:

Tormentillwurzelstock

  • Wirkt: zusammenziehend, gegen Mikroorganismen (Bakterien, Viren), entzündungsmindernd, blutungsstillend
  • Kann eingesetzt werden: bei akuten Durchfallerkrankungen, gegen Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

Inhaltsstoffe des Tormentillwurzelstocks

Das Besondere an dem Tormentillwurzelstock ist die Höhe des Gerbstoffgehaltes, der bis zu 22% betragen kann. Damit ist der Wirkstoff die gerbstoffreichste einheimische Pflanze überhaupt. Nur in Indien gibt es einen Wirkstoff, die Terminaliafrucht (Stammpflanze: Terminalia chebula), die einen noch höheren Gerbstoffgehalt (bis 45%) besitzt.

Gerbstoffpflanzen wie der Blutwurz mit seinem Wirkstoff dem Tormentillwurzelstock sind wegen ihrer zusammenziehenden, blutungsstillenden, schützenden und wundheilungsfördernden sowie gleichzeitig entzündungswidrigen Eigenschaften von pharmazeutischem und medizinischen Interesse. Allerdings sind an der Wirkung des Tormentillwurzelstocks wahrscheinlich noch weitere Inhaltsstoffe beteiligt. Dazu gehören u.a. Triterpene. Triterpene verfügen über cortisonähnliche Eigenschaften und wirken deshalb nachweislich entzündungshemmend.

Anwendung bei Durchfall

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Zusammenziehend und durchfallstoppend bei Diarrhö

Wer schon einmal Durchfall hatte und einen Arzneitee zur Linderung getrunken hat, dem wird vermutlich das pelzige Gefühl auf der Zunge, das sich schon während der Einnahme des Tee ausbreitet, in Erinnerung geblieben sein. Diese Eigenschaft ist bei dem Verzehr von Tormentillwurzel besonders ausgeprägt – und das ist aus medizinischer Sicht hervorragend. Das pelzige Gefühl auf der Zunge, das von den Anwendern nicht immer als angenehm empfunden wird, rührt nämlich von den Gerbstoffen. Gerbstoffe haben die Eigenschaft, dass sie mit Proteinen, die sich z.B. auf Schleimhautoberflächen befinden, verbinden können. Daraufhin verändern die Proteine ihre Gestalt, sie denaturieren. Diesen Prozess nehmen wir durch die raue, bzw. pelzige, Oberfläche auf der Zunge wahr. Warum ist diese Eigenschaft so bedeutsam?

Durch die Reaktion der Gerbstoffe mit den Proteinen, wird eine natürliche Schutzbarriere gebildet, durch die einerseits nichts entweichen und andererseits nicht durchdringen kann. Da bei Durchfall dem Körper im Darm Wasser entzogen wird, verschließen die Gerbstoffe sozusagen die „Kanäle“, sodass der Körper nicht so rasant weiter austrocknen wird. Andererseits können die Mikroorganismen, die den Durchfall überhaupt ausgelöst haben, z.B. Bakterien, diese Barrieren nicht oder kaum noch durchdringen. Sie verbleiben auf der für sie lebensfeindlichen Oberfläche und sterben ab.

Da der Gerbstoffgehalt in dem Tormentillwurzelstock vergleichsweise sehr hoch ist, ist der Wirkstoff nachweislich ein zuverlässig und schnell wirksames pflanzliches Arzneimittel gegen Durchfall.

Unterstützt werden die Gerbstoffe übrigens von einer weiteren Inhaltsstoffgruppe, den Triterpenen. Triterpene verfügen über ähnliche Eigenschaften wie Cortison, das entzündungshemmend wirkt.

Anwendung bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum

Antientzündlich auf Schleimhäute

Der Tormentillwurzelstock ist DER Gerbstoffwirkstoff in Deutschland an sich. Mit einem Gehalt von bis 22% Gerbstoffen wirkt der Pflanzen-Extrakt maximal schützend und entzündungswidrig bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Gerbstoffe wirken auf Oberflächen, wie Schleimhäute im Mund und Rachen, zusammenziehend. Sie bilden einen Schutzfilm über der betroffenen entzündeten Stelle und erschweren entzündungsverursachenden Mikroorganismen, wie Bakterien, das Durchdringen durch diese Schicht. Außerhalb der entzündeten Stelle im Mund oder im Rachen können sich die Bakterien nicht vermehren. Außerdem ist die von den Gerbstoffen gebildete Schutzsicht für die Mikroorganismen lebensfeindlich, weswegen sie absterben.

Gefördert wird die Wirkung der Gerbstoffe zusätzlich von den enthaltenen Triterpenen im Tormentillwurzelstock. Tritperene wirken antientzündlich weil sie cortisonähnliche Eigenschaften haben und dadurch die Bildung von entzündungsauslösenden Stoffen hemmen können.

Tormentillwurzel

Darreichungsform und Dosierung des Tormentillwurzelstocks

Pulver in Rotwein

Die Anwendungsempfehlung für Tormentillwurzel richtet sich in erster Linie an Erwachsene. Es existiert die etwas unübliche Empfehlung den Wirkstoff mit Alkohol (Rotwein) einzunehmen. Rotwein enthält von Natur aus Gerbstoffe und kann den etwas unangenehmen Geschmack der Gerbstoffe in dem Tormentillwurzelstock übertönen. Geben Sie hierzu 2 bis 4 g des pulverisierten Wirkstoffes auf 1 kleines Glas (80 bis 100 ml) Rotwein, bis das Pulver aufschwemmt.

Dosierung

Trinken Sie zur kurzzeitigen Anwendung (1 bis 3 Tage) täglich 1 Glas Rotwein mit dem pulverisierten Tormentillwurzelstock.

Tee

Als herkömmliche Anwendung bei Durchfall und Schleimhautentzündungen im Mund und Rachen dient ein Teeaufguss mit dem Tormentillwurzelstock, der nachweislich effektiv wirkt. Geben Sie ½ Teelöffel (2 g) des Tormentillwurzelstocks in einen kleinen Topf und übergießen den Wurzelstock mit 1 Tasse (150 ml) kalten Wassers. Anschließend wird der Tee zum kurz Kochen gebracht. Nehmen Sie den Tee von der Herdplatte und lassen Sie ihn 10 bis 15 Minuten lang ziehen. Anschließend kann der Wurzelstock abgefiltert werden.

Dosierung

Trinken Sie täglich 3 Tassen Tormentillwurzeltee.

Tormentillwurzel

Risiken und Nebenwirkungen

Bitte beachten Sie: Risiken sind bei der Anwendung von bestimmungsgemäßen Dosen (Tagesdosis 4 bis 6 g) des Tormentillwurzelstocks nicht bekannt.

Als Nebenwirkungen können bei Personen mit einem empfindlichen Magen, Magenschmerzen bis Erbrechen auftreten. Wenn Sie an einem empfindlichen Magen leiden, sollten Sie daher auf magensaftresistente Kapseln mit Tormentillwurzel ausweichen, damit keine Beschwerden auftreten. Nicht anzuwenden ist der Wirkstoff während der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren. Es liegen keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.

Bitte dosieren Sie die Präparate wie in der Packungsbeilage angegeben, bzw. wenden Sie die Dosierung an, die Ihr behandelnder Arzt verordnet hat.

Fertigarzneimittel

Extrakte aus dem Tormentillwurzelstock sind als Fertigarzneimittel derzeit nicht erhältlich. In Ihrer Apotheke erhalten Sie getrockneten Tormentillwurzelstock in der entsprechenden Qualität.

Der Tormentillwurzelstock gehört zu den Wirkstoffen, die gegen Durchfall und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut nachweislich helfen, mit einem sehr hohen Gerbstoffgehalt. Damit erreicht der Pflanzen-Extrakt für europäische Verhältnisse eine maximale zusammenziehende, schützende und entzündungswidrige Wirkung.

In der Volksmedizin wird der Tormentillwurzelstock äußerlich bei schlecht heilenden Wunden, Hämorrhoiden sowie bei Verbrennungen und Erfrierungen eingesetzt.

Quellen:
  • Ammon HPT (Hrsg): Hunnius – Pharmazeutisches Wörterbuch. 9. Auflage, Berlin 2004
  • Hempen CH, Fischer T: Leitfaden Chinesische Phytotherapie. München & Jena 2001
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 27.08.2014
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

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