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Blutwurz – Potentilla tormentilla

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Blutwurz – Potentilla tormentilla

Früher bei Kopfweh – heute bei Verdauungsbeschwerden und Husten

Wer nach der Blutwurz sucht, muss ganz genau hinsehen. Unscheinbar versteckt sich das Rosengewächs auf feuchten Bergwiesen, Heidelandschaften, Weiden, Torfmooren oder in lichten Wäldern. Knickt man dann ihre fingerdicke Wurzel durch, so tritt eine rötliche, nach Blut aussehende, Flüssigkeit aus, der die Pflanze ihren Namen verdankt.

Wissenswertes über den Blutwurz

Der Werdegang der Blutwurz begann wahrscheinlich im Mittelalter, im 14. Jahrhundert, zur Zeit der Pest Epidemie. Die Heilkundigen aus dieser Zeit schlossen aus dem blutähnlich aussehenden Saft, dass die Pflanze Blutkrankheiten heilen könne. In der Tat löst der Pest-Erreger (Yersinia pestis) schlimme Durchfälle, die mit Krämpfen einhergehen aus. Zwar war die Herleitung aufgrund der Farbe auf eine blutreinigende Wirkung zu schließen falsch. Dennoch dürfte die Blutwurz so mancher pestkranker Person zumindest Linderung verschafft haben, denn sie ist enorm reich an Gerbstoffen, die effektiv gegen Durchfall wirken.

Zu dem wichtigsten Einsatzgebiet der Blutwurz im Mittelalter gehörte allerdings die Anwendung beim Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö). Auch hier schlossen die damaligen Ärzte aufgrund ihrer blutroten Stängelflüssigkeit, dass die Pflanze reinigend auf das Blut wirkt, und speziell ein ausbleibender Kinderwunsch sich so erfüllen kann.

Später machten sich die Menschen die rote Farbe der Blutwurz zu technischen Zwecken zunutze. In Großbritannien, vor allem in Schottland, und im Norden von Skandinavien (Lappland) verwendeten die Menschen der Blutwurz zum Färben zum Leder.

Vor allem wegen der Assoziation zum Blut wird der Blutwurz auch Blutbrechwurz, Rotwurz, Rote Heilwurz, Ruhrwurz aber auch Tormentillwurz, Bauchwehwurz oder Goldwurzel genannt.

Botanik der Blutwurz

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Blutwurz ist eine kleine, zarte bis zu 40 cm hoch wachsende Pflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Aus dem fingerdicken, knolligen, verholzten Wurzelstock, der außen dunkelbraun und innen blutrot ist, wachsen mehrere aufrecht wachsende behaarte Stängel. An diesen Stängeln gliedern sich die langen, gestielten, eiförmigen Grundblätter an, die sich aus 3 Blättchen zusammensetzten. Die sitzenden, 3-zähligen Stängelblätter hingegen sind lanzettlich, während die stängelständigen Nebenblätter 3- bis 7-teilig und größer als die Stängelblätter sind. Auf der Stängelspitze befinden sich die langgestielten, gelben Blüten, die eine Breite von ca. 1 cm haben und vierzählig sind. Sie blüht zwischen Juni und August und enthalten zahlreiche Fruchtblätter mit kurzen Griffeln, aus denen sich die kleinen nußartigen Früchte (Samen) entwickeln.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Blutwurz

Das medizinisch gebrauchte Pflanzenteil der Blutwurz ist der Wurzelstock, der als Wirkstoff Tormentillwurzelstock bezeichnet wird. Bei dem Tormentillwurzelstock handelt es sich um das getrocknete und von den Wurzeln befreitem Wurzelstock der Blutwurz, der im Frühjahr (März bis April) oder im Herbst (September und Oktober) gesammelt wird. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache wird der Tormentillwurzelstock Tormentillae rhizoma genannt. Die Qualitätsanforderungen an den Tormentillwurzelstock sind im Europäischen Arzneibuch (PhEur) festgelegt. Auf unseren Breiten ist der Tormentillwurzelstock der Wirkstoff mit dem höchsten Gerbstoffgehalt (17 bis 22%) überhaupt. Diese Gerbstoffe setzten sich aus 15 bis 20% Catechingerbstoffen und aus etwa 3,5% Gallo- und Ellagitannine zusammen. Daneben enthält der Tormentillwurzelstock Flavonoide und Triterpene.

Medizinische Wirkungen

Der Tormentillwurzelstock ist nachweislich ein zuverlässiger und effektiver pflanzlicher Wirkstoff, der bei akuten Durchfallerkrankungen nützt. Außerdem wirkt die Heilpflanze beweisbar bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum.

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte und der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) empfehlen die Anwendung des Tormentillwurzelstocks „bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen und bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum.“

Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 26.04.2012
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.