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Baldrian – Valeriana officinalis

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Baldrian – Valeriana officinalis

Gegen Schlaflosigkeit ist ein Kraut gewachsen

Bei innerer Unruhe ist er heute ein Klassiker in der Hausapotheke. Der Legende nach spross der Baldrian aus dem Blute des gekreuzigten Erlösers und verfügt über verborgene Kräfte. Nun, so ganz geheim sind die Effekte der eigentümlich duftenden Pflanze heute nicht mehr. Schon die heilige Hildegard empfahl Baldriantinktur als Gichtmittel, aber auch in den Arzneigärten Tibets, Indiens und Südamerikas fand das anpassungsfähige Gewächs traditionell seinen festen Platz. Die sanfte und beruhigende Wirkung des heimischen Baldrians auf das menschliche Gemüt wurde allerdings erst im 18. Jahrhundert entdeckt.  

Wissenswertes zur Baldrianpflanze

Dank seines durchdringenden Dufts kann der Baldrian leicht identifiziert werden. Er gehört zu den ältesten genutzten Heilpflanzen und ist in Europa und in gemäßigten Zonen Asiens heimisch. Dass es sich bei ihm um eine sehr alte Arzneipflanze handelt, lässt sich von ihrem Gattungsnamen „Valeriana“ und vom Beinamen des Baldrians „officinalis“ ableiten. Das lateinische Wort valere bedeutet so viel wie gesund sein. Der Beiname „Offizin“ ist ein altes Wort für den Verkaufsraum einer Apotheke. Officinalis bedeutet daher: in Apotheken verwendet.

Wohl auch wegen seiner langen Tradition in Deutschland hat die Pflanze hierzulande viele Namen und wird auch als Arznei-Baldrian, Katzenkraut, Hexenkraut, Mondwurzel, Stinkwurz und Balderjan bezeichnet.

Heute wird der wild wachsende Baldrian nur noch für den privaten Gebrauch gesammelt. Für medizinische Zwecke wird er vor allem in Mittel- und Osteuropa, aber auch in England, Frankreich, Japan und in den USA in großen Mengen kultiviert. Baldrian wächst bevorzugt auf feuchten und schattigen Standorten.

Schon in der Antike fand der Baldrian als Heilpflanze vielfältigen Einsatz. So verwendeten ihn bereits die alten Griechen und Römer als harntreibendes Mittel und bei Schmerzen und Krämpfen.

Über Kirche und Mythen

Um das Jahr 1.000 n.Chr. gehörte der Baldrian zu den Kräutern, denen man geheime Kräfte zusprach. Der Legende nach wuchs er aus den Blutstropfen, die vom gekreuzigten Heiland auf den Boden fielen. Zugleich ordnete man die Pflanze als Heilkraut der Muttergottes zu. In einer kirchlichen Weiheformel, die sich in einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert findet, gehört Baldrian neben Fenchel, Eisenkraut und einigen anderen Kräutern zu den Pflanzen, die an Mariä Himmelfahrt „von Maria oder ihr zu Liebe“ gesegnet wurden.

Auch wurde der Baldrian von der berühmten und heiligen Äbtissin Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert lebte, verwendet. Sie empfahl die Pflanze als Gichtmittel. Aber auch nach den Zeiten der heiligen Hildegard fand vor allem die Baldriantinktur bei vielen Beschwerden Verwendung.

Aber damit noch nicht genug. Wegen seines starken Geruchs wurde der Baldrian auch als „Stinkwurz“ zur Abwehr des Bösen verwendet. Hier heißt es in einem Volksspruch: „Baldrian, Dost und Dill, kann die Hex' nicht, wie sie will.“

Noch bedeutsamer wird die Pflanze zu Zeiten der Pestepidemien im 12. Jahrhundert Zu jener Zeit hieß es: „Esst Bibernell und Baldrian, so geht Euch die Pest nicht an.“

Erfahrungswissen bis in die Neuzeit

Liest man in alten Schiffstagebüchern – wie etwa jenes des Mediziners Johann F. Eschenschlotz (1793 bis 1834), der zusammen mit dem Kapitän Otto von Kotzbue zwei Jahre lang um die Welt segelte und vergeblich die nordamerikanische West-Ost-Passage suchte – dann gibt es kaum ein Leiden, bei dem der Baldrian nicht verordnet wurde. Zusammen mit der Kamille musste der Schiffarzt mit dem Baldrian auskommen. Ein einem Eintrag heißt es: „Auf der Reede von Teneriffa wurde ein Matros mit so starken Krämpfen der Lunge befallen, dass er sinnlos mit den Zähnen knirschte. Als ich beim dritten Anfall vom Lande dazukam, gab ich ihm eine Dosis Baldrian mit Opiumtinktur, worauf kein Anfall mehr erfolgte.“

Tatsächlich wurde der beruhigende Effekt der Heilpflanze im erst 18. und 19. Jahrhunderte entdeckt und wird seitdem erforscht. Erst in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts gelang es, erste Hinweise für die Wirksamkeit der Pflanze zu erlangen, die bereits seit Jahrtausenden in der Erfahrungsheilkunde eingesetzt wird.

Botanik des Baldrians

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Der Baldrian ist eine zwei- bis mehrjährige Pflanze, die zur Familie der Baldriangewächse (Velerianaceae) gehört. Zwischen 0,5 bis 1,7 Meter hoch kann diese Pflanze mit ihrem aufrechten und gefurchten Stängel wachsen. Unten ist der Stängel behaart, oben kahl. Die Blätter stehen im ersten Jahr buschig. Sie sind unpaarig gefiedert. Spätestens im zweiten Jahr bilden sich die ersten Blütentriebe. Die Blütchen sind weiß bis rosa, in Trugdolden vereint und verströmen den charakteristischen Geruch der Pflanze. Aus den Blüten entwickeln sich die kleinen, gelblich-braunen Früchte, die etwa 3 Millimeter lang und circa 1,4 Millimeter breit sind.

Die Wurzeln des Baldrians gehen von einem kurzen, vertikalen, graubraunen Wurzelstock (Rhizom) aus und werden bis zu 20 Zentimeter lang und 2 bis 5 Millimeter dick.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe des Baldrians

Medizinisch wird die getrocknete und geschnittene Wurzel des Baldrian verwendet, also die unterirdischen Pflanzenteile, die aus dem walzenförmigen Wurzelstock und den daran hängenden dünnen Wurzeln bestehen. In der Pharmazie und Medizin spricht man von Valerinanae radix, was in der Übersetzung Baldrianwurzel bedeutet. Die Qualität der Baldrianwurzel wird durch das europäische Arzneibuch (Ph.Eur.) geregelt.

Die Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel sind verschieden. Zu ihnen gehören: ätherische Öle (0,2 bis 1,0 Prozent), Iridoide (Valepotriate), Sesquiterpene (u.a. Valerensäure), Pyridinalkaloide, Lignane, Flavonoide und Kaffesäurederivate.

Quellen:
  • Billore KV, Yelne MB, Dennis TJ, et al.: Database On Medical Plants Used in Ayurveda. Volume 7, New Delhi 2005
  • Bühring U: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. 2. Auflage, Stuttgard 2009
  • Frohne D, Jense U: Systematik des Pflanzenreiches. 5. Auflage, Stuttgart 1998
  • Lama YCh, Ghimier SK, Aumeeruddy-Thomas Y: Medical Plants of Dolpo. Kathmandu 2001
  • Polunin O, Stainton A: Flowers of the Himalaya. 4. Auflage, New Delhi 2000
  • Tierra M: Westliche Heilkräuter in TCM und Ayurveda. München und Jena 2001
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 18.02.2016

News zu Baldrian – Valeriana officinalis

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Studien zu Baldrian – Valeriana officinalis

Studientitel
Effect of a fixed valerian-Hop extract combination (Ze 91019) on sleep polygraphy in patients with non-organic insomnia: a pilot study (und weitere 1 Studie)
Jahr
2000, 1998
Kurzinfo
Eine Reihe von Forschungsgruppen hat untersucht, wie wirksam der Doppelpack aus diesen beiden Pflanzen wirklich ist. Die Extrakte der Baldrianwurzel werden seit alters her zur Behandlung von Krankheiten  Mehr...wie z.b. Schlafstörungen genutzt. Häufig vermischte man sie schon damals mit anderen Heilpflanzen, wie etwa Hopfen oder Melisse, um eine noch wirkungsvollere Arznei zu erhalten. Hopfen selbst hat als Mittel gegen Nervosität, depressive Verstimmung und Schlafstörungen ganzen Generationen geholfen. Auch heute noch sind Kombinationspräparate aus Baldrian und Hopfen beliebt und werden von zahlreichen Personen wegen ihrer lindernden Wirkung sehr geschätzt.
Studientitel
Sleep improving effects of a single dose administration of a valerian/hops fluid extract - a double blind, randomized, placebo-controlled sleep-EEG study in a parallel design using electrohypnograms
Jahr
2008
Kurzinfo
Baldrian und Hopfen, diese beiden Heilpflanzen helfen bei vielen Arten von Schlafstörungen. Davon ist nicht nur die Naturheilkunde überzeugt, auch die Wissenschaft konnte die heilenden Effekte in vielen  Mehr...experimentellen Versuchen eindrucksvoll belegen. Normalerweise wendet man Baldrianwurzelextrakte, sowohl alleine, als auch in Kombination mit Hopfen, über mehrere Wochen an, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die lange Einnahmezeit gestaltet eine Behandlung mit diesen Pflanzen für den Patienten aber manchmal etwas schwierig.
Studientitel
Relaxing effects of Valeriana officinalis extracts on isolated human non-pregnant uterine muscle (und weitere 2 Studien)
Jahr
2009, 2007, 2003
Kurzinfo
Nicht nur schlaffördernd und die Seele beruhigend, auch muskelentspannend wirkt die Pflanze. Neben seinen eher populären Anwendungen gelten die Extrakte der Baldrianwurzel seit jeher auch als krampflösend  Mehr...und somit wirksam bei Magen-Darmkrämpfen, Herzrasen, Bluthochdruck und anderen Kreislaufbeschwerden. Eben dieser Wirkung nahm sich eine Reihe von Forschern in den letzten Jahren an. Sie konnten dabei zeigen, dass der Baldrian seinem alten Ruf manchmal verblüffend nahe kommen kann.
Studientitel
Effects of Valerian on the level of 5-hydroxytryptamine, cell proliferation and neurons in cerebral hippocampus of rats with depression induced by chronic mild stress
Jahr
2008
Kurzinfo
Forscher der Sun-Yatsen Universität in China fanden im Jahr 2008 heraus, dass bestimmte Inhaltstoffe des Wurzelextraktes durch Anheben des Serotoninspiegels auch direkt antidepressiv, d.h. stimmungsaufhellend  Mehr...wirken können. Serotonin ist ein im Gehirn aktiver Neurotransmitter, der aufgrund seiner Auswirkungen auf die Stimmungslage im Volksmund auch als Glückshormon bekannt ist. Erkrankungen wie die Depression gehen oft mit einem Mangel an Serotonin einher und werden manchmal auch allein durch einen zu niedrigen Serotoninspiegel ausgelöst.
Studientitel
Extract of valerian root (Valeriana officinalis L.) vs. placebo in treatment of obsessive-compulsive disorder: a randomized double-blind study
Jahr
2012
Kurzinfo
Iranische Wissenschaftler erprobten die Pflanze 2011 erstmals zur medikamentösen Behandlung von Personen, die unter Zwangsstörungen litten. Um zu zeigen, dass der Baldrian eine echte Alternative zur  Mehr...Schuldmedizin darstellt, unterteilten die Forscher eine Reihe von Patienten mit Zwangsstörungen zufällig in zwei Gruppen. Eine Gruppe erhielt über die Dauer von acht Wochen dreimal täglich ein Präparat aus Baldrianwurzelextrakt, der anderen Gruppe gab man ein identisch aussehendes Placebo (Kontrollgruppe).
Studientitel
In vivo antidepressant activity of sesquiterpenes from the roots of Valeriana fauriei Briq
Jahr
2012
Kurzinfo
Obwohl viele Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel schon seit langer Zeit bekannt sind und sorgsam erforscht wurden, ist ihr Wirkmechanismus im menschlichen Körper noch zu großen Teilen unbekannt. In der  Mehr...Wissenschaft ringen zwei Theorien um eine Erklärung für die zentralnervösen Effekte der Pflanze, wie z.B. etwa die beruhigende Wirkung bei Unruhe und Stresszuständen. Eine Theorie vermutet, dass Valerensäure, eine Substanz aus der Gruppe der sogenannten Sesquiterpene, für viele der Wirkungen verantwortlich ist. Andere denken, dass die Effekte vor allem durch die in der Wurzel reichlich enthaltenen pflanzlichen Farbstoffe (Flavonoide) verursacht werden.
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