Echte Aloe (Kap-Aloe – Aloe vera) - Aloe vera und Aloe ferox

Abführmittel oder Hautpflege?!
Den Gedanken an Aloe vera verbindet man mit gesunder, weicher Haut. Tatsächlich sind die Extrakte aus der Aloe vera Pflanze – oder besser gesagt das Aloe-vera-Gel – Bestandteil von unzähligen Hautcremes, Lotionen und Gelen. Offiziell anerkannt ist die medizinische Wirkung der Extrakte auf die Haut jedoch trotz zahlreicher positiver Untersuchungen bis heute nicht.
Wissenswertes über die Aloe
Die Aloe ist eine bemerkenswerte Pflanze. In ihren 40 bis 50 cm langen Blättern besitzt sie ein Gewebe, auch Parenchym genannt, mit dem sie große Wassermengen speichern kann. Diese Eigenschaft macht die Pflanze auch während Dürrezeiten überlebensfähig. Regnet es lange Zeit über nicht, kann sie auf ihre Wasserreserven zurückgreifen, die sie während der Regenzeiten wieder auffüllt.
Im Inneren der Blätter, direkt unter der Blattoberfläche befindet sich eine gelb-rote Schicht, die aus Aloin besteht. Aloin hat nicht nur die Eigenschaft äußerst abführend zu wirken, es schmeckt auch extrem bitter. Aus diesen Gründen werden potentielle Angreifer (z.B. Vögel, Nagetiere) davon abgehalten die Pflanze zu verletzten – ein ausgeklügelter Selbstschutzmechanismus.
Medizinisch verwendet werden vor allem 2 Aloe-Arten: Die Echte Aloe (Aloe vera; Syn. Aloe barbadensis) und die Kap-Aloe (Aloe ferox). Darüber hinaus können noch weitere Arten eingesetzt werden, wenn sie den erforderlichen Gehalt an Inhaltstoffen besitzen . Zu diesen Arten gehören beispielsweise Aloe spicata oder Aloe soccotria.
Da die Aloe keine einheimische Pflanze, sondern ursprünglich in Afrika beheimatet ist, könnte dies ein Hinweis dafür sein, warum die Pflanze nur wenige Synonyme hat: Barados-Aloe, Curaçao Aloe.
Botanik der Aloe
Bei den beiden medizinisch verwendeten Aloe-Arten: Echte Aloe (Aloe vera) und Kap-Aloe (Aloe ferox) handelt es sich um lilienartige Pflanzen, die zu der Familie der Affodillgewächse (Asphodelaceae) gehören. Die Pflanzen ähneln Kakteen, sind aber stammlose, kurzstämmige (Stamm bis 25 cm) oder baumartige Blattsukkulenten. Das bedeutet, dass es sich um Pflanzen handelt, die in ihren Blättern Wasser speichern können, und so bei klimatischen Bedingungen mit wenig oder wechselhaftem Niederschlag sehr gut angepasst sind. Die Aloe besitzt etwa 20 aufrechte, große und lanzettenförmige Blätter, die in einer Rosette angeordnet sind. Aus der Mitte der Rosette wächst ein baumähnlicher Blütenstand heraus, der 60 bis 90 cm hoch sein kann. Aus ihm entwickeln sich zahlreiche große gelbe, orange oder rote Blüten.
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe der Aloe
Für medizinische Zwecke wird der eingedickte Saft der Blätter der Aloe Pflanzen eingesetzt. Dieser wird in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache als Exractum aloes bezeichnet, was zu Deutsch Aloe-Extrakt bedeutet. Die Qualität des Aloe-Extraktes ist durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) festgelegt.
Die wichtigsten Inhaltstoffe in dem Aloe-Extrakt sind die sogenannten Anthranoide. Sie werden auch als Anthracenderivate bezeichnet und setzten sich vor allem aus Aloin A, Aloin B, 7-Hydroxyaloin A und 7-Hydroxyaloin B sowie Aloeresine B, C und D zusammen. Zusätzlich enthält die Pflanze Flavonoide.
Medizinische Wirkungen
Aloe-Extrakte sind medizinisch vor allem wegen ihrer Abführwirkung von Bedeutung. Da die Pflanzen-Extrakte jedoch reizend auf die Darmschleimhaut wirken, darf eine Anwendung nicht länger als 1 bis 2 Wochen dauern.
Traditionell und volksmedizinisch werden Aloe-Extrakte und Aloe-vera-Gel auch bei Hauterkrankungen eingesetzt. Die Wirkungen sind jedoch bis heute nicht offiziell anerkannt.
Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte und der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) empfehlen die Einnahme von Aloe-Extrakten bei „Verstopfung“.