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Myrrhe - wirksam auch bei Verdauungsbeschwerden?

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Myrrhe als medizinischer Wirkstoff ist in der Phytotherapie bislang in erster Linie für seine antientzündlichen Wirkungen in Mund und Rachen bekannt. Myrrhen-Präparate oder Tinkturen finden ihre Anwendung bei Mundschleimhautentzündungen, Stomatitis, Zahnfleischentzündung und Halsschmerzen.

Das Fachmedium British Medical Journal Open Gastro veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Studie, die sich mit einem anderen, bis dahin wenig bekannten Indikationsfeld beschäftigt: Verdauungsbeschwerden. So deuten die Resultate einer großangelegten Erhebung in deutschen Arztpraxen darauf hin, dass der Wirkstoff bei akuten wie chronischen Darmerkrankungen gute Ergebnisse erzielen kann. Avanciert die Myrrhe also zum Hoffnungsträger in der Reizdarmtherapie?

Myrrhen-Medikation im Praxistest

Im Rahmen der Studie, die von März 2012 bis Dezember 2013 unter der Leitung von Dr. med. Rainer Stange in insgesamt 131 Arztpraxen durchgeführt wurde, konnten Behandlungsdaten von mehr als 1.000 Patienten erhoben und ausgewertet werden. Darunter 205 Patienten mit Reizdarmsyndrom, 804 Patienten, die an akut-entzündlichen Darmerkrankungen (insb. Magen-Darm-Grippe) litten und 53 mit chronisch-entzündlichen Krankheitsbildern (CED: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn). Drei Gruppen wurden gebildet: Zur Behandlung der Beschwerden kam erstens ausschließlich ein pflanzliches Arzneimittel mit Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle zum Einsatz, zweitens eine Kombinationstherapie mit anderen Präparaten oder die alleinige Therapie mit bewährten Medikamenten.

Im Praxistest konnte sich das myrrhehaltige Präparat durchaus beweisen. Sowohl bei akuten Erkrankungen wie der Magen-Darm-Grippe als auch in der CED-Gruppe konnte die Behandlung mit der Naturarznei eine vergleichbare Wirksamkeit wie die Kombinations- und Monotherapien mit anderen Medikamenten vorweisen. Generell stellte sich, so die Forscher, vor allem bei akut-entzündlichen Durchfällen eine verbesserte Patientenzufriedenheit unter der Einnahme des Myrrhe-Arzneimittels ein. Besonders vielversprechend zeigte sich aber die Therapie bei Reizdarm.

Vielversprechend bei Reizdarm

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Verstopfungen im Wechsel mit Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen und Sodbrennen - die Symptome des Reizdarmsyndroms sind zahlreich und können individuell sehr unterschiedlich sein. Die Therapie ist für Ärzte daher stets eine besondere Herausforderung. Die vorliegenden Studienergebnisse erscheinen unter diesem Hintergrund besonders positiv: 54,2% der Reizdarmpatienten, die nur das Myrrhe-Medikament erhielten, waren am Studienende beschwerdefrei. Die Mono-Therapie zeigte sich dabei effektiver als die Kombinations- und Standard-Therapien der Vergleichsgruppen. 

Das Multi-Target-Prinzip

Wie erklären sich diese Effekte? Vermutet wird, dass das sogenannte Multi-Target-Prinzip für die guten Wirkungen beim Reizdarmsyndrom greift. Dabei geht es um die Bündelung der Wirkeigenschaften der drei im Studien-Medikament enthaltenen Wirkstoffe, die bei einem vielschichtigen Beschwerdebild wie bei Reizdarm in der Lage zu sein scheinen, eine Linderung der Gesamtsymptomatik herbeizuführen.

So tut sich an dieser Stelle die bisher eher unbekannte spasmolytische (krampflösende) Wirkung von Myrrhe hervor, die sich mit den bekannten, ganz ähnlichen Effekten der Kamille ergänzt. Diese Wirkcharakteristik der Myrrhe konnte durch eine aktuelle, an Ratten-Darm-Modellen durchgeführte in-vitro-Studie der Universität Leipzig bestätigt werden. 

Weiterhin konnte eine Studie an der Berliner Charité nachweisen, dass die Wirkstoffkombination bei chronischen Darmentzündungen oder Reizdarm stabilisierend auf die Barrierefunktion der Darmschleimhaut wirken kann.

Information zur Studie:
Studientitel
Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamomile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-interventional study
Autor
Uwe Albrecht, Valentina Müller, Berthold Schneider, Rainer Stange
Jahr
2014
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Charité Berlin
Auftraggeber
-
Studiendesign
Offene, multizentrische Praxisstudie
Teilnehmerzahl
1000
Quellen:
Geschrieben von Redaktion am 30.04.2015