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Löst Ginkgo Krebs aus?

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"In China und Japan wird der Ginkgo schon seit Jahrtausenden als Naturheilmittel verehrt. Eine aktuelle Studie förderte jetzt aber einige brisante Ergebnisse zutage, die den guten Ruf des Ginkgos ernsthaft in Frage stellen könnten. Es gibt aber auch schon Stimmen, die das Resultat der Arbeit anfechten. Ist die Einnahme der Pflanze wirklich gefährlich?"

In China und Japan wird der Ginkgo biloba schon seit Jahrtausenden als Naturheilmittel verehrt. Und das nicht ohne Grund - der beliebten Heilpflanze sagt man eine Vielzahl von nützlichen Wirkungen nach. Bisher schätzte man den Ginkgo auch wegen seiner geringen Nebenwirkungen. Nur in seltenen Fällen bekommen manche Menschen Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen, bei überempfindlichen Personen können die in den Blättern enthaltenen Ginkgo-Säuren potentiell auch Allergien auslösen. Die entsprechenden Bestandteile werden heutzutage jedoch in der Regel bereits bei der Herstellung des erwerblichen Extrakts entfernt.

Der gute Ruf ist in Gefahr

Eine umfangreiche Studie des amerikanischen National Cancer Institute förderte jetzt aber einige brisante Ergebnisse zutage, die den guten Ruf des Ginkgos ernsthaft in Frage stellen könnten. In mehreren Tierversuchen zeigte sich, dass bestimmte Extrakte aus dem Ginkgo-Blatt Dosierung vielen Teilen des Körpers schaden und sogar das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen können.

In einer über drei Monate angelegten Versuchsreihe verabreichten die Forscher Mäusen und Ratten mithilfe einer Nahrungssonde fünfmal pro Woche eine mit Maiskeimöl vermischte, vorher festgelegte Dosis Ginkgo-Extrakt und verglichen die Tiere mit einer unbehandelten Kontrollgruppe. Jede der Gruppen bekam dabei eine unterschiedliche Dosis Ginkgo, um zu überprüfen, ab welcher Menge sich bestimmte Effekte einstellten.

Extrakt schädigt den Körper

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Schon nach wenigen Wochen entwickelten die Labortiere, die sehr hohe Dosen des Extraktes erhielten, ein unreines und zerzaustes Fell. Das war aber nur ein Vorbote dessen, was sich den Forschern nach Abschluss der 14-wöchigen Behandlung bot.

Bei der Untersuchung der Organe zeigte sich die Leber bei fast allen Ginko-Tieren signifikant vergrößert, zum Teil lag bereits eine Verfettung der Leber vor – eine Vorstufe zur gefährlichen Leberzirrhose. Die Schwere dieser Läsionen nahm linear mit der Dosierung zu, bei der Mäuse-Gruppe mit der Höchstmenge an Gingko kam es vereinzelt sogar zu einem Zelluntergang (Nekrose) von Leberzellen. Doch damit nicht genug, sowohl in den Atemwegen, als auch im Riechepithel der Mäuse fanden die Forscher krankheitsverdächtige Ablagerungen, zum Teil verbunden mit einem beginnenden Gewebsschwund (Atrophie). Auch Schilddrüse und Nieren einiger Tiere waren im Vergleich zur Kontrollgruppe in ihrer Größe verändert.

Versuchsreihe geht in die Verlängerung

Erstaunt über diese sich innerhalb so kurzer Zeit entwickelten krankhaften Veränderungen starteten die Forscher eine neue, länger andauernde Versuchsreihe. Wieder wurden Ratten und Mäuse beider Geschlechter in mehrere Gruppen eingeteilt und erhielten aufsteigende Dosierungen des Ginkgo-Extrakts. Diesmal wurden die Tiere jedoch über einen Zeitraum von zwei Jahren behandelt.

Das Ergebnis war ebenso eindrücklich wie desaströs. Wieder entwickelten viele Tiere aus fast allen Gruppen ein unreines Fell, zusätzlich verlor eine signifikante Anzahl von Ratten und Mäuse noch vor Abschluss der Versuche bedeutend an Gewicht. Auch die Leber der Tiere zeigte schwere Schäden: Neben der schon bei der ersten Versuchsreihe aufgetretenen Verfettung und Gewichtszunahme, fanden die Forscher nun auch krankhafte Veränderungen an Gallengängen und Zystenbildungen im Lebergewebe. Doch damit nicht genug: In allen Dosierungsgruppen traten eine Reihe verschiedener Tumoren auf. Während bei den mit Ginkgo behandelten Ratten „nur“ gutartige Lebertumoren, wie das Hepatozelluläre Adenom auftraten, zeigten sich in allen Mäusegruppen bösartiger Leberkrebs, allen voran das Hepatozelluläre Karzinom und das Hepatoblastom.

Auch die Atemwege der Tiere litten unter der Ginkgo-Behandlung. In den Nasenwegen zweier Ratten bildeten sich gutartige Geschwülste, bei vielen anderen schwoll die Schleimhaut signifikant an. In den Riechzellen der Tiere fanden die Forscher krankhafte Einlagerung von Pigment, der Riechnerv zeigte zum Teil Gewebsschwund. Bei einigen Ratten begann sich die Schleimhaut sogar unter chronischer Entzündung umzuwandeln (sogenannte Metaplasie), ein Prozess, der als Krebsvorstufe zu deuten ist.

Während bei der dreimonatigen Versuchsreihe die Schilddrüse einiger Tiere nur vergrößert war, bildeten sich bei über zwei Jahre behandelten Mäusen nun auch hier gutartige Geschwülste (Follikelzelladenome). Ebenso betroffenen waren die Verdauungsorgane. Hier zeigten sich in der Gruppe mit der höchsten Ginkgo-Dosierung chronische Schleimentzündungen bis hin zu Magengeschwüren.

Studie unter schwerer Kritik

All diese Beobachtungen sind erschreckend und lassen einen ernsthaft an der Tauglichkeit des Ginkgos für heilmedizinische Zwecke zweifeln. Jedoch gibt es bereits Stimmen, die das Ergebnis der Studie stark anzweifeln. Hauptargument der Kritiker ist, dass bei allen Versuchsreihen ein Extrakt verwendet wurde, das in seiner Zusammensetzung nicht den im Medizinalltag gebräuchlichen Ginkgo-Präparaten entspricht.

Internationalen Maßstab stellen seit vielen Jahrzenten die klinisch getesteten Ginkgo-Präparate aus Deutschland und Italien dar. An dieses pflanzliche Reinheitsgebot hielten sich die amerikanischen Forscher jedoch nicht. Im Gegenteil - sie verwendeten ein Ginkgo-Extrakt eines chinesischen Pharma-Unternehmens, welches an mehreren Standorten produziert und nachweislich nicht ausreichend auf eventuelle Verunreinigungen untersucht wurde. Die Zusammensetzung spielt aber gerade beim Ginkgo eine entscheidende Rolle. So weiß man schon lange, dass im reinen, ungefilterten Ginkgo-Extrakt viele unter Umständen schädliche Stoffe enthalten sind. Substanzen, wie etwa der pflanzliche Farbstoff Quercetin, der nachweislich zu Veränderungen im Erbgut von Zellen führt und damit die Entstehung von Krebs begünstigen kann.

Weiterhin kritisierten Fachleute des amerikanischen Botanical Council (ABC), dass in den Experimenten therapeutisch unübliche Dosierungen verwendet wurden. Und das nicht zu knapp, im Vergleich zu menschlichen Patienten bekamen die Versuchstiere eine bis zu 100-fach größere Menge Ginkgo verabreicht. „Fast jede Substanz kann bei Mäusen und Ratten Krebs auslösen, wenn man sie damit zwei Jahre in hohen Dosen füttert.“ ließ sich ein amerikanischer Professor der Universität Arkansas zu diesem Thema zitieren.

Von diesen Kritikpunkten abgesehen, lassen sich Ergebnisse aus Tierversuchen natürlich auch nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Viele Experten sind sich deswegen einig, die vorliegende Studie kann keinesfalls über Für und Wider der sicheren heilmedizinischen Anwendbarkeit von Ginkgo entscheiden. Allenfalls zeigt sie, so spotten Kritiker, dass das chinesische Präparat in hohen Dosen sehr schädlich ist, und zwar für Ratten und Mäuse. Selbst die durchführenden Forscher bestehen mittlerweile darauf, dass ihre Ergebnisse nie auf den Menschen übertragen werden sollten und bedauern im gleichen Atemzug alle medialen Fehlinterpretationen ihrer Studie.

Inwieweit diese Studie also wirklich Relevanz hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr fraglich. Jedoch zeigt sie, dass der Ginkgo wissenschaftlich noch lange nicht vollständig verstanden ist. Weitere Forschungsarbeiten müssen hier ansetzen, und den, zumindest unter Vorbehalt, angeschlagenen Ruf der Heilpflanze überprüfen.

Ginkgo, eine neue Hoffnung gegen Krebs?

Eigentlich braucht sich Ginkgo um diesen aber keinerlei Sorgen machen. Studien aus den letzten Jahren geben verstärkt Hinweise darauf, dass die Pflanze sogar gegen Krebs helfen kann.

Wissenschaftler der amerikanischen Georgetown Universität machten in Experimenten mit Ginkgo dabei erstaunliche Entdeckungen. Sie behandelten Mäuse, denen im Vorfeld gezielt entweder Brustkrebs- oder Hirnkrebszellen implantiert wurden, mit einem klinisch getesteten Ginkgo-Extrakt. Und siehe da, die Wachstumsrate der Tumoren verlangsamte sich um mehr als 80% - und zwar solange, wie den Mäusen das Präparat verabreichte wurde. Auch die Hirntumorzellen wuchsen messbar langsamer, der Effekt war hier aber nicht so ausgeprägt.

Die Forscher vermuten, dass Inhaltsstoffe des Ginkgos mit einem bestimmten Zellwandrezeptor, dem Peripheren Benzodiazepin-Rezeptor (PBR), interagieren. Dieser ist in fast jeder Zelle vorhanden und reguliert u.a. deren Wachstums- und Teilungsrate. Da diese bei Krebszellen häufig aus dem Ruder gerät, suchten die Wissenschaftler hier nach eben diesen Rezeptoren. Und tatsächlich - gerade in aggressiven Tumoren, etwa dem invasiven Brustkrebs, Hirntumoren und dem Prostatakrebs, fanden sie eine Vielzahl der PBRs. In nachfolgenden Experimenten bestätigte sich ihre Vermutung. Jedoch wirkte Ginkgo nicht bei allen Krebsarten. Auf Tumoren, die eine normale Anzahl der PBRs besaßen, zeigte die Pflanze keinerlei Effekt.

Behandlungspotentiale bei weiblichen Krebsleiden

Eine andere Forschungsgruppe aus den USA beschäftigte sich 2007 mit den Wirkungen des Ginkgos bei Eierstockkrebs. In Experimenten fanden sie heraus, dass der Extrakt und die in ihm enthaltenen Ginkgolide, eine sehr stark wachstumshemmende Wirkung auf eine bestimmte Art dieses Tumors, dem serösen Ovarialkarzinom, besitzen. Chinesische Wissenschaftler bauten auf diesen Ergebnissen auf und konnten zeigen, dass Ginkgo auch Patienten helfen könnte, die an einer BRCA1-Mutation leiden. Diese Mutation ist eine vererbbare genetische Störung, welche das Risiko für das Auftreten von bestimmten Tumoren (u.a. Brustkrebs, Eierstockkrebs) um ein vielfaches erhöht. Aus diesen Patienten isolierte Eierstock-Krebszellen reagierten auf Therapie mit Ginkgo-Extrakt mit Wachstumsstopp. Zum Teil aktivierte der Ginkgo sogar einen körpereigenen Mechanismus, der die Zellen zum programmierten Suizid zwang (Apoptose). Dabei war der Extrakt streckenweise genauso wirksam wie ein in der Krebstherapie bereits eingesetztes Chemotherapeutikum, allerdings mit viel geringeren Nebenwirkungen.

Perspektive für Darmkrebstherapie

Doch damit nicht genug. In einer weiteren chinesischen Arbeitsgruppe wurden ähnliche Effekte nun auch beim Darmkrebs nachgewiesen. Unter Laborbedingungen behandelten Wissenschaftler einzelne Tumorzellen mit einem Ginkgo-Biloba Extrakt, und beobachteten deren Verhalten. Wieder hemmte die Pflanze die Teilungsrate der Krebszellen und damit ihr Wachstum, wieder gingen unter der Therapie viele der Zellen zugrunde. All diese Effekte waren abhängig von der Dosierung, d.h. je mehr Gingko verwendet wurde, desto ausgeprägter war auch deren krebstötende Wirkung.

Ein Ausblick

Ob Brust-, Kopf oder Darmkrebs, Extrakte der Heilpflanze scheinen bei vielen Tumoren zu helfen. Vor allem bei fortgeschrittenen, aggressiv wachsenden Krebsen wirkt die Pflanze. Zwar fehlen noch immer Testreihen an klinischen Krebspatienten – bisher wurden die Effekte nur an Tieren oder an einzelnen Zellen demonstriert – jedoch zeigen die bisherigen Studien, dass der Ginkgo das Potential zum echten Wundermittel gegen Krebs hat. Es wäre damit nicht undenkbar, dass bestimmte Tumore beim Menschen in Zukunft, statt der heute üblichen, oft sehr schädlichen Chemotherapeutika einfach mit dem nebenwirkungsarmen pflanzlichen Ginkgo biloba-Extrakt behandelt werden können. Eine wirklich vielversprechende Vision.

Information zur Studie:
Studientitel
Toxicology and Carcinogenesis Studies of Ginkgo biloba Extract (CAS No. 90045-36-6) in F344/N Rats and B6C3F1/N Mice (Gavage studies).
Autor
Nicht bekannt
Jahr
2013
Dauer
1. Versuchsreihe 3 Monate; 2. Versuchsreihe 2 Jahre
Durchfürendes Institut
National Cancer Institute, USA
Auftraggeber
National Institut of Health, USA
Studiendesign
Randomisierte, kontrollierte Studie am Tiermodell
Teilnehmerzahl
1. Versuchsreihe: Sieben Gruppen zu jeweils zehn männlichen und weiblichen Ratten bzw. Mäuse (ingesamt 280 Tiere) 2. Versuchsreihe: Fünf Gruppen zu jeweils 50 männlichen und weiblichen Ratten bzw. Mäuse (ingesamt 1000 Tiere)
Information zur Studie:
Studientitel
Effects of Ginkgo biloba extract EGb761 on human colon adenocarcinoma cells
Autor
Xue-Hong Chen, Yuan-Xin Miao, Xiao-Ji Wang, Zhuang Yu, Mei-Yu Geng, Yan-Tao Han und Le-Xin Wang
Jahr
2011
Dauer
Inkubationszeit: 72 Stunden
Durchfürendes Institut
Department of Molecular Pharmacology, Marine Drug and Food Institute, Ocean University of China,Qingdao
Auftraggeber
-
Studiendesign
In-Vitro-Studie mit humanen Darmkrebszellen (HT-29)
Teilnehmerzahl
-
Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo May Sensitize Ovarian Cancer Cells to Cisplatin: Antiproliferative and Apoptosis-Inducing Effects of Ginkgolide B on Ovarian Cancer Cells.
Autor
Jiang W, Qiu W, Wang Y, Cong Q, Edwards D, Ye B, Xu C.
Jahr
2011
Dauer
Keine Angaben
Durchfürendes Institut
Obstetrics and Gynecology Hospital, Fudan University, Shanghai, P.R. China
Auftraggeber
Wolters Kluwer
Studiendesign
In-Vitro-Studie mit humanen Eierstockzellen
Teilnehmerzahl
-
Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba and ovarian cancer prevention: epidemiological and biological evidence.
Autor
Ye B, Aponte M, Dai Y, Li L, Ho MC, Vitonis A, Edwards D, Huang TN, Cramer DW
Jahr
2007
Dauer
Einnahmezeit: bis zu 12 Jahre
Durchfürendes Institut
Laboratory of Gynecologic Oncology and Epidemiology, Department of Obstetrics and Gynecology, Brigham and Women's Hospital, Harvard Medical School, Dana-Farber Cancer Center, USA
Auftraggeber
Linden Bioscience
Studiendesign
Epidemiologische Studie und Review
Teilnehmerzahl
1267 Patienten
Quellen:
  • (2013). "Toxicology and Carcinogenesis Studies of Ginkgo biloba Extract (CAS No. 90045-36-6) in F344/N Rats and B6C3F1/N Mice (Gavage studies)." Natl Toxicol Program Tech Rep Ser(578): 1-184.
  • Chen, X. H., Y. X. Miao, et al. (2011). "Effects of Ginkgo biloba extract EGb761 on human colon adenocarcinoma cells." Cell Physiol Biochem 27(3-4): 227-232.
  • Jiang, W., Q. Cong, et al. (2012). "Ginkgo May Sensitize Ovarian Cancer Cells to Cisplatin: Antiproliferative and Apoptosis-Inducing Effects of Ginkgolide B on Ovarian Cancer Cells." Integr Cancer Ther.
  • Jiang, W., W. Qiu, et al. (2011). "Ginkgo may prevent genetic-associated ovarian cancer risk: multiple biomarkers and anticancer pathways induced by ginkgolide B in BRCA1-mutant ovarian epithelial cells." Eur J Cancer Prev 20(6): 508-517.
  • Ye, B., M. Aponte, et al. (2007). "Ginkgo biloba and ovarian cancer prevention: epidemiological and biological evidence." Cancer Lett 251(1): 43-52.
  • Blumenthal M, Gurley BJ, Kingston R, Low Dog T, Mackay D. American Botanical Council Revised Comment on NTP Draft Toxicology Report on Ginkgo Biloba Extract. Feb. 7, 2012.
Geschrieben von Redaktion am 06.11.2013