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Ginkgo bei Demenz - Das älteste Streitthema der pflanzlichen Therapie

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Ob bei Demenz, Depression oder Angststörungen - Ginkgo-biloba Präparate werden in Deutschland seit fast fünfzig Jahren zur Behandlung von Gedächtnisstörungen eingesetzt. Dabei gibt es auch heutzutage immer wieder Kontroversen über den Nutzen der Pflanze bei Krankheiten, die mit einer Gedächtnisstörung einhergehen.

Ob bei Demenz, Depression oder Angststörungen – Ginkgo-biloba Präparate werden in Deutschland seit fast fünfzig Jahren zur Behandlung von Gedächtnisstörungen eingesetzt. Von hier aus breitete sich die medizinische Verwendung auch nach Frankreich aus. Im Rest Europas und in den USA/Kanada konnte sich der Gingko jedoch bei Ärzten nie richtig durchsetzen. Als Nahrungsergänzungsmittel ist es aber auch dort frei verkäuflich und erfreut sich in der Bevölkerung nichtsdestotrotz großer Beliebtheit. Dabei gibt es auch heutzutage immer wieder Kontroversen über den Nutzen der Pflanze bei Krankheiten, die mit einer Gedächtnisstörung einhergehen.

Wie wirkt Ginkgo?

Man geht davon aus, dass Ginkgo im Körper auf zwei unterschiedliche Art und Weisen wirkt. Auf der einen Seite stehen die durchblutungsfördernden Eigenschaften, die den Einsatz auch bei Arteriosklerose, Schwindel und Tinnitus rechtfertigen. Auf der anderen Seite vermutet man, dass die Pflanzenstoffe bestimmte Botenstoff-Systeme im Gehirn verändern können, unter anderem durch eine Hemmung der sogenannten Cholinesterase. Diese Wirkung ist ähnlich derer von pharmazeutischen Wirkstoffen, die bereits zur Behandlung von Demenz eingesetzt werden.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine Vielzahl von medizinischen Studien zur Erforschung der Pflanze durchgeführt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Oxford-Universität hat sich 2009 nun die Mühe gemacht, alle in medizinischen Datenbanken vorliegende Arbeiten zum Thema Ginkgo und Demenz genau zu analysieren, in ihre Einzelteile zu zerlegen und die Daten neu auszuwerten. Dabei wurde sehr großer Wert auf die wissenschaftliche Qualität gelegt. Daten, die in die Arbeit einflossen, stammten nur aus randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudien, die Studienart mit der höchsten Aussagekraft. Um eine möglichst hohe Anzahl von Patienten einzuschließen, spielte aber die Art des Ginkgo-Präparates sowie die verwendete Dosis für die Auswahl keine Rolle. Insgesamt betrachteten die Forscher so 36 Studien mit insgesamt 4423 behandelten Patienten.

Keine klare Aussage

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Die Ergebnisse waren durchwachsen. Während Ginkgo in höheren Dosierungen (mehr als 200mg/Tag) den allgemeinen Zustand des Patienten verbessern konnte, war eine Wirkung auf die Konzentration nur in den ersten (zwölf) Wochen der Behandlung nachweisbar. Betrachtete man dagegen den Effekt der Pflanze auf die Fähigkeiten im Alltag, profitierten demente Patienten kurioserweise vor allem von niedrigen Dosierungen. Daneben fanden die Forscher keinen Hinweis auf ein erhöhtes Vorkommen von Nebenwirkungen der Ginkgo-Präparate gegenüber dem Placebo. Vor allem bei den neueren, großen Studien zeigte sich aber kein signifikanter Vorteil Ginkgos gegenüber der Behandlung mit einem Placebo. Trotz der relativ guten Ergebnisse der älteren, kleinen Studien – die zum Teil aber an methodischen Fehlern litten – konnte so unter dem Strich keine genaue Aussage über die Wirksamkeit von Ginkgo gemacht werden.

Das Urteil: Ginkgo schadet nicht

Es ist schwer zu sagen, woran der Beweis der Wirksamkeit des Ginkgos scheitert. Die verschiedenen Präparate, Dosierungen und auch Nebendiagnosen der Patienten machen es schwer, ein klares Bild zu finden. Keine der Studien kann von sich behaupten, allgemeingültig zu sein.

Es bleibt also festzustellen, dass Ginkgo biloba bei Erkrankungen aus dem Formenkreis der Demenz kein generelles Wundermittel ist. Man kann jedoch auch nicht ausschließen, dass bestimmte Patientengruppen mit genau definierten Erkrankungen dennoch von der pflanzlichen Therapie profitieren könnten. Wenn auch – wie bei der allgemeinen Konzentrationsfähigkeit – nur kurzfristig. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Ginkgo aufgrund seiner geringen Nebenwirkungen zumindest eines nicht ist: schädlich.

Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia
Autor
Jacqueline Birks, John Grimley Evans
Jahr
2009
Dauer
36 Studien von 12 bis 57 Wochen
Durchfürendes Institut
Centre for Statistics in Medicine, University of Oxford, Oxford, UK
Auftraggeber
The Cochrane Collaboration
Studiendesign
Meta-Analyse von 36 Studien
Teilnehmerzahl
Insgesamt 4423 Patienten
Quellen:
  • Birks, J. and J. Grimley Evans (2009). "Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia." Cochrane Database Syst Rev(1): CD003120.
Geschrieben von Redaktion am 05.11.2013