Winterdepression

Wer sich in der dunklen Jahreszeit schlapp, antriebslos und ständig müde fühlt, vermehrt Heißhunger auf Süßigkeiten hat, an Gewicht zunimmt und öfters traurig ist, könnte an einer Winterdepression leiden.
Die saisonale Depression, wie die Winterdepression auch genannt wird, tritt im Gegensatz zu anderen Depressionsformen recht selten auf. Sie ist auch nur auf die dunkle Jahreszeit begrenzt und beginnt im Herbst und endet zum Frühling. Frauen sind meist häufiger betroffen als Männer, und auch Kinder und Jugendliche können an einer Winterdepression erkranken.
Die Winterdepression hat jedoch nichts mit dem bekannten „Herbst-Blues“ gemein. Der Herbst-Blues kommt zwar mit ähnlichen Symptomen daher, aber in wesentlich abgeschwächter Form und beschränkt sich auf leichte Antriebslosigkeit und schlechte Laune.

Ursachen für eine Winterdepression
Die Ursache liegt vor allem an den kürzeren Tagen im Winter, mit vermindertem Tageslicht und kühleren Temperaturen. Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen, dass dies zur Unterversorgung mit Serotonin im Gehirn führt. Bei Serotonin handelt es sich um einen chemischen Botenstoff, der im Gehirn die Nervensignale weiterleitet. Daher werden bei einer Depression in der Regel bestimmte Medikamente verschrieben, welche die Serotoninwirkung im Gehirn verbessern. Es handelt sich dabei um Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, kurz SSRI.
Unser Gehirn hat jedoch auch seine ganz eigene Methode, diesen Serotoninmangel auszugleichen, nämlich durch Heißhunger auf Süßes, vor allem auf Schokolade. Zucker und bestimmte Inhaltsstoffe in Schokolade helfen dem Gehirn, wieder genügend Serotonin bereit zu stellen.
Tageslicht und Stimmung
Mittlerweile ist bekannt, welchen Zusammenhang es zwischen dem Tageslicht und der Stimmungslage gibt. In der dunklen Jahreszeit mit verkürzten Tagen trifft weniger Tageslicht auf die Netzhaut der Augen. Die Netzhaut ist durch Nervenverbindungen mit der Zirbeldrüse verbunden, die auf den Mangel mit einer dauernden Ausschüttung von Melatonin reagiert.
Melatonin ist ein Hormon, das für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig ist. Ist nun zuviel Melatonin im Gehirn, gerät dieser Rhythmus aus dem Takt. Die Folge ist Müdigkeit, schlechte Laune und Antriebslosigkeit.
Symptome und Therapien
Symptome für eine Winterdepression können sein:
- Heißhunger auf Süßes
- Antriebslosigkeit
- Tagesmüdigkeit
- Erhöhtes Schlafbedürfnis
- Gereiztheit
- Gedrückte Stimmung
- Sozialer Rückzug
- Vernachlässigung der eigenen Person
Je nach Ausprägung der Symptome kann man schnell den Herbst-Blues von einer echten Winterdepression unterscheiden. Bei einer Winterdepression werden häufig nicht nur die sozialen Kontakte vernachlässigt, auch kann die Arbeitsleistung enorm abnehmen, so dass ein normaler Arbeitsalltag nicht mehr möglich ist.
Stellt man Symptome einer Winterdepression bei sich fest, sollte man sich nicht scheuen einen Arzt aufzusuchen. Entweder den Hausarzt oder gleich einen psychiatrischen Facharzt.
Therapien bei einer Winterdepression
Bei einer Winterdepression kommen Lichttherapie, medikamentöse Behandlung mit SSRI (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) und eine Psychotherapie in Betracht. Bei der psychotherapeutischen Behandlung hat sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie bewährt.
Winterdepression vorbeugen
Alle die schon unter einer Winterdepression gelitten haben oder erste Anzeichen verspüren, können auch selbst etwas zur Vorbeugung einer Winterdepression tun.
Viel Bewegung an der frischen Luft tut dem Körper und der Seele gut – auch wenn es draußen kalt ist. Selbst bei einem bedeckten, grauen Himmel bekommt man mehr Tageslicht ab, als bei künstlichen Lichtquellen.

Morgendliche Sparziergänge, Joggen, Radfahren, Nordic Walking, Skifahren, Langlaufen – das sind alles Aktivitäten, die man auch im Winter durchführen kann. Und sie haben noch positive Nebeneffekte, da sie den Kreislauf in Schwung bringen und kleine Ernährungssünden – vor allem in der Weihnachtszeit – prima ausgleichen.
Bei den ersten Anzeichen einer Winterdepression ist auch eine Lichttherapie empfehlenswert. Durch eine Lichttherapie wird der Tag künstlich um ca. 2 Stunden verlängert. Je nach Leistung des Lichtgerätes kann eine tägliche Behandlung zwischen 30 Minuten (bei 10.000 Lux) bis 2 Stunden (bei 2.500 Lux) dauern. Damit man einen vorstellbaren Vergleich hat: An einem sonnigen Sommertag kann die Lichtstärke bis zu 100.000 Lux betragen.
Natürliche Heilmittel
-

Als natürliches Heilmittel ist Johanniskraut das Mittel der Wahl gegen leichte depressive Verstimmungen, und wird daher oft von Medizinern verschrieben. Die Wirkstoffe des Johanniskrauts wirken stimmungsaufhellend. Wichtig für die Einnahme ist, dass das Präparat über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Während der Einnahme kann es zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut kommen.
Bei einer echten Winterdepression ist es jedoch nicht angeraten, zur Selbstmedikation zu greifen, sondern immer einen Facharzt oder den Hausarzt aufzusuchen.


