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Heilpflanzen sammeln und richtig anwenden

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Könnte man in die unzähligen Pflanzen unseres Planeten hineinsehen, würde sich unserem Blick ein ein unendliches Meer biochemischer Substanzen eröffnen. All diese Substanzen können, führt man sie dem Körper zu, unterschiedlich starke Reaktionen auslösen, heilender oder auch toxischer Art. 

Nicht alle Pflanzen können also medizinisch gebraucht verwenden, sondern nur die sogenannten Heilpflanzen oder Arzneipflanzen. Sie erfüllen eine spezifische Aufgabe: sie werden entweder direkt zum Heilen von Krankheiten eingesetzt oder sie sollen den Genesungsprozess unterstützen, indem sie z.B. Heilungsprozesse fördern.

Heilpflanzen sind, zu fertigen Arzneiprodukten verarbeitet, bequem in der Apotheke erhältlich. Natürliche Medizin bekommen wir heute nicht mehr von der Kräuterhexe, die durch die Wälder streift und mal hier, mal dort ein verborgenes Kräuterlein pflückt, in dem mystische Heilkräfte schlummern. Wer weiß, wo er er fündig wird und worauf es zu achten gilt, kann aber natürlich auch heute noch selbst auf Sammeltour gehen.

Dieser Ratgeber vermittelt Ihnen theoretische und praktische Grundlagen zu insgesamt sieben Heilpflanzen, von der Bestimmung bis zur Ernte und Aufbewahrung, ihre richtige Verwendung in der Naturheilkunde, klärt aber auch über mögliche Gefahren und Risiken auf. Erleben Sie am besten gemeinsam in der Gruppe mit Kindern und Erwachsenen, welche faszinierenden Gewächse in der freien Natur in Deutschland zu finden sind.

Faszination Pflanzenreich

Weltweit existieren ungefähr 500.000 verschiedene Pflanzenarten. Die Vielfalt der Pflanzen, die ja noch dazu je nach Jahreszeit wechselt, ist erstaunlich und kaum zu überblicken. Dennoch gelingt es auch ohne großartige botanische Vorkenntnisse oftmals ganz einfach, die Heilkräuter in der freien Natur zu erkennen und zu ernten.

Nicht selten als lästiges Unkraut betrachtet, sind doch die meisten wild wachsenden Heilpflanzen beim näheren Betrachten nicht nur hübsch anzusehen – sie erfüllen auch wichtige Aufgaben im Kreislauf der Natur. Wie alle Pflanzen sind auch Heilpflanzen eine unverzichtbare Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten.

Viele von ihnen enthalten intensive Aromen oder ätherische Öle. Manche Heilpflanzen wie der Spitzwegerich oder die Brennnessel eignen sich darüber hinaus sowohl als Heilkraut als auch zum Verzehr z.B. als Suppe. Andere Pflanzen, wie zum Beispiel das Johanniskraut, sind jedoch vorwiegend als Heilpflanzen bekannt.

Sie müssen kein Botaniker sein, um eine Heilpflanze identifizieren zu können. Aber es lohnt sich oftmals und besonders für noch „Ungeübte“ ein bebildertes Pflanzenbestimmungsbuch zur Hand zu nehmen, wie den BLV Pflanzenführer für unterwegs von Dr. Thomas Schauer und Claus Caspari (BLV Verlag). In dem Bestimmungsbuch „Der Kosmos-Heilpflanzenführer“ von Peter und Ingrid Schönfelder (Kosmos Verlag) arbeiten die Autoren mit Farbfotos, die ein sicheres Identifizieren der Pflanzen ebenfalls gewährleisten können. Außerdem werden in dem Buch zusätzlich neben botanischen Merkmalen der Pflanze auch die wirksamen Inhaltsstoffe genannt sowie ihre möglichen medizinischen Einsatzbereiche. Hier kann aber natürlich auch ein Blick in das DocJones-Heilpflanzenlexikon helfen. 

Bevor Sie sich auf Sammeltour begeben, sollten Sie auch berücksichtigen, dass jede Heilpflanze zu einer recht spezifischen Jahreszeit geerntet werden sollte. Einen Sammelkalender finden Sie hier. Obwohl sich viele Menschen für Heilkräuter interessieren, werden wildwachsende Exemplare nur noch selten genutzt. Die stetige Verfügbarkeit von Pflanzen-Extrakten auch als Fertigarzneimittel bedeutet für die meisten Verbraucher vor allem eine Zeitersparnis. Vielleicht fehlt es Ihnen auch an entsprechender Kenntnis zum richtigen Umgang während des Sammelns und Aufbereitens?

Dabei ist gerade das gemeinsame Suchen, Sammeln und Weiterverarbeiten von Heilpflanzen in der Familie oder mit Freunden nicht nur eine lehrreiche Freizeitgestaltung in der Natur, sondern bietet Ihnen vor allem eine ganz natürliche Hausapotheke, auf die Sie jederzeit zurückgreifen können, wenn Sie oder Ihre Kinder die Pflanze benötigen. Außerdem ist besonders für Kinder eine rein kognitive Auseinandersetzung mit dem Thema wenig erfolgsversprechend. Spielerisches und erlebnisorientiertes Lernen erreicht gerade junge Menschen besser. Dies betrifft auch den Einsatz- und Anwendungsbereiche sowie Gefahren mancher Pflanzen.

Wer sich weiter zu Heilpflanzen und deren Anwendung erkundigen möchte, erhält viele praktische Beispiele zur richtigen Anwendung der Pflanzen beispielsweise im Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde von Ursel Bühring, erschienen im Sonntag Verlag. Die Autorin greift in ihrem Werk nicht nur auf rein wissenschaftliche Erkenntnisse zurück, sondern flechtet Hinweise zur volksheilkundlichen Anwendung mit ein. Siegfried Bäumler, der Autor des Buches „Heilpflanzenpraxis Heute“, trennt hingegen wissenschaftliche Erkenntnisse und Volksheilkunde. Beide Werke sind laienverständlich geschrieben und bieten viele umfangreiche Information zum Umgang mit Heilpflanzen.

Giftpflanzen

Bei einigen Pflanzen ist Vorsicht angesagt! Giftige Pflanzen können unserer Gesundheit schaden und bestimmte Exemplare können sogar tödliche Auswirkungen haben, wenn man sie versehentlich verzehrt. Diese muss man also genau identifizieren können, damit sie nicht neben Kamille und Johanniskraut im Sammelkörbchen landen.

Woher weiß man, dass man eine giftige Pflanze gegessen hat? Die Antwort ist nicht einfach, da sehr viele Symptome bei einer Vergiftung auftreten können. Wichtig ist zu wissen, dass die Vergiftungsanzeichen meistens erst 30 Minuten oder nach einer Stunde auftreten. Meistens hat man eine taube Zunge. Es tritt fast immer ein Kribbeln in den Händen und am ganzen Körper auf. Auch ist man sehr unruhig und man fühlt sich schwindelig. Wenn es sich um eine schwere Vergiftung handelt können später Zittern, Krämpfe, Lähmungen am ganzen Körper, Atemlähmung, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Schon bei einem Verdacht auf eine Vergiftung muss möglichst schnell ein Notruf abgesetzt werden! 

Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 07.05.2013

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