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Pilgern heute: Spiritualität ohne Religiosität

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Vor nicht allzu langer Zeit war Pilgern etwas für Menschen, die tief in ihrer Religion verhaftet waren und zu gesteigertem Glauben finden wollten. Doch mit dem Beginn der 2000er Jahre und dem gesellschaftlichen Wandel hin zum Streben nach Perfektion des eigenen Lebens kam bei anderen die Erkenntnis: Das, was Pilgern bewirkt, muss nichts mit etablierten Religionen zu tun haben. Viel mehr können die Anstrengungen des langen Wanderns jedem zu spiritueller Erleuchtung, geistiger Zufriedenheit und reduzierte Materialismus verhelfen. Der folgende Artikel will diese Seiten des Pilgerns beleuchten und Praxistipps geben, damit ein solches Unterfangen gelingen kann.

Pilgern – eine Geschichte

Doch gänzlich ohne Religionen lässt sich kein Artikel über Pilgern schreiben. Denn hier liegen die Wurzeln, ohne die niemals etwas Ähnliches entstanden wäre. Es ist auch kein singulär christliches Phänomen, sondern begann bereits in der griechischen Antike. Übrigens: Auch Wallfahrten sind eine Art des Pilgerns. Allerdings ist bei letzterem meist „der Weg das Ziel“. Wohingegen auf Wallfahrten das Endziel von Bedeutung ist.

Pilgern - religionsübergreifend

Christentum

Bei Christen (vornehmlich Katholiken) sind Pilgerreisen seit dem 4. Jahrhundert nachgewiesen. Dabei hat diese Religion die vielleicht größte Zahl an Pilgerstätten aufzuweisen. Das Pilgern entstand im Christentum meist durch Entdeckung von Apostelgräbern. Pilgern wird im Christentum als freiwillige Handlung angesehen.

Judentum

Jerusalem verbindet christliche, jüdische und muslimische Pilger: Christen pilgern zum Heiligen Grab, Juden zu den Tempel-Resten auf dem Tempelberg und Muslime zieht es ebenfalls auf diesen Hügel, weil hier mit der Al-Aqsa-Moschee die drittwichtigste Moschee des Islam steht.

Auch bei den Juden ist Pilgern ein etablierter Bestandteil: Der Tanach gebietet Pilgerfeste wie Pessach und bereits Prophet Elija, der zum Berg Sinai pilgerte, kommt in diesen Texten vor. Heute ist das Judentum zweigeteilt, ob Pilgern religiöse Pflicht sei oder eben nicht. Auch, weil die größte jüdische Pilgerstätte, der Jerusalemer Tempel, im Jahr 70 zerstört wurde. Viele Glaubensgelehrte lehnen deshalb das Pilgern ab, andere reisen eher zu kleineren Orten wie Hebron und Bethlehem. Doch eine große Menge sieht es als Pflicht an, zu den Pilgerfesten nach Jerusalem zu reisen.

Islam

Der Islam ist eine der wenigen Religionen, die Pilgern als Pflicht ansehen: Von jedem Muslim wird erwartet, dass er einmal im Leben den Haddsch absolviert: Die Pilgerfahrt nach Mekka und das Umrunden der Kaaba. Während der Haddsch nur zu einer bestimmten Zeit absolviert werden kann, kann seine kleinere Variante, die Umra, zu jeder beliebigen Zeit durchgeführt werden.

Andere Religionen

Auf Pilgerwegen ist der Weg das Ziel, weshalb sich über die Strecke Haltepunkte für Gebete verteilen, wie dieser Teil eines Kreuzwegs.

Neben den genannten Religionen spielt Pilgern auch im Buddhismus eine Rolle: Hier wird seit dem 3. Jahrhundert v.Chr. gepilgert. Genauer gesagt zu den vier heiligen Stätten Kshinagara, Sarnath, Bodhgaya und Lumbini, die sich in Nepal und Indien befinden.

Daneben pilgern auch Hindus zu ihren sieben heiligsten Orten, wobei anzumerken ist, dass in beiden Religionen das Pilgern nicht als zwingend angesehen wird.

Was sind Pilgerwege?

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Pilgerpfade sind von allen Religionen bekannt. Schon früh setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Anstrengungen eines Marsches ein tieferes Befassen mit dem Glauben ermöglichen. Außerdem war zu den damaligen Zeiten kaum ein ausgebautes Straßennetz vorhanden. Um Gläubige vor Orientierungsverlust zu bewahren, etablierten sich rasch Routen – meist mit zusätzlichen Orten des Innehaltens ausgestattet. Damit gelangte der Weg an sich immer mehr in den Fokus, das schlussendliche Ziel trat zwar nicht in den Hintergrund, wurde aber bloß als gleichwertig angesehen.  

 

Buen Camino – Der Jakobsweg

Der Jakobsweg, der zum Grab des Apostels Jakobus im nordwestspanischen Santiago de Compostela führt, ist heute der meistbegangene Pilgerpfad überhaupt.

Grundsätzlich bezeichnet „Camino“ aber nur die letzte, im französischen Pyrenäen-Städtchen Sait-Jean-Pied-de-Port beginnende Etappe des Jakobsweges – der sogenannte Camino Francés. Der eigentliche Jakobsweg ist viel länger und zieht sich wie ein Netz durch ganz Europa – wobei diese Wege im heutigen Sprachgebrauch kaum noch als „Jakobsweg“ wahrgenommen werden, sondern nur das Endstück in Spanien.

Pilgern – Erleuchtung durch Anstrengung

Wie bereits angemerkt, ist der berühmte Satz „Der Weg ist das Ziel“ beim Pilgern integraler Bestandteil: Prinzipiell handelt es sich bei einer solchen mehrtägigen Wanderung um eine Extremerfahrung, auf die der Körper auch mit Rückzug ins innere Ich reagiert.

Meditative Anstrengung - Wandern und die Seele

Ein langer Weg durch eine unbewohnte Gegend – keine anderen Menschen in Sicht – nur die Anstrengung des Marsches. Diese Abwesenheit von Reizen ermöglicht es, sich nur mit sich zu befassen. Der Körper wird sich selbst bewusst, die Seele kann durchatmen. Weltliche Probleme liegen in weiter Ferne. Es zählt nur das Hier und Jetzt. Und das ist eine absolut meditative Erfahrung.

Wandern und Stress

Durch die Abwesenheit der Reizüberflutung unserer modernen Welt, schafft Pilgern Stress beiseite und ermöglicht es der Seele, frei durchzuatmen.

Gleichsam fehlt beim Pilgern praktisch alles, was in unserer modernen Welt Stress bereitet:

  • Keine Termine
  • Kein Konsumterror
  • Keine Ablenkung
  • Kein Streit
  • Keine Hektik

Und zusätzlich kann der Blick durch die Natur schweifen – alles, was wir mit Zivilisation verbinden wird weit nach hinten verlagert. Die Summe dieser abwesenden Stressoren sorgt dafür, dass das Gehirn entspannen kann – nach nur wenigen Tagen des Pilgerns ist ein Mensch stressfrei.

Wandern und Selbsterkenntnis

Und wo nichts den Geist ablenkt, kein Stress das Gehirn blockiert, da atmet der Mensch auf spiritueller Ebene ebenso frei auf, wie sich eine Lunge auf einem Berggipfel füllen kann. Die Anstrengungen sind auch hier ein Schlüssel, kombiniert mit der Abwesenheit von Störfaktoren ermöglichen sie es, genauer hinzuhören auf das, was das eigene Ich sagen will. Hier gelangen auch nichtreligiöse Pilger in den Bereich dessen ursprünglicher Idee: Die Extremerfahrung sorgt in ihrer Summe für Selbsterkenntnis – man erlebt sich völlig neu, existiert in Einklang mit sich und allem, was einen umgibt.

Wandern und Entschleunigung

Pilgern verkürzt die sonst üblichen Auto-Tagesetappen auf wenige Kilometer. Diese Entschleunigung ermöglicht es, sich auf die Natur in all ihren Facetten zu konzentrieren – statt sie vorbeihuschen zu sehen.

Daneben hat Pilgern heute noch eine weitere Komponente hinzugewonnen: Entschleunigung. Wer heute reist, überbrückt hunderte Kilometer täglich – per Flugzeug auch viel mehr – wir sind es gewohnt, alles in Sekundenbruchteilen zu bekommen, seien es Informationen, Unterhaltung oder Waren.

Langes Wandern – nichts Anderes ist Pilgern – ist dagegen Entschleunigung in Reinform: Eine Tagesetappe ist 20 Kilometer lang – oder 18 oder 22. Diese Wiederentdeckung der Langsamkeit tut ihr Übriges dazu, die Seele zu entschlacken, denn sie kann das, was sie auf dem Weg sieht, in aller Ruhe verinnerlichen, anstatt als Flimmerbilder im Vorbeihasten.

Wandern und Sichtweisen

An diesem Punkt wird Pilgern nicht nur zu einer spirituellen Erfahrung, sondern bringt auch weltlichen Erkenntnisgewinn: So wie wir im täglichen Leben Schnelligkeit gewohnt sind, so verhält es sich mit dem Materialismus: Alles muss bequem, groß, Full-HD sein. Beim Pilgern hingegen verlagern sich die Wünsche auf das Genießen der Landschaft, das Spüren jeder Körperfaser und das Wiederentdecken der Einfachheit.

Wandern und Konsumverzicht

Und diese Einfachheit spiegelt sich in nichts besser wieder, als den reduzierten Bedürfnissen: Keine materiellen Statussymbole bestimmen mehr auf dem Pfad. Die Wünsche reduzieren sich auf einfachste Dinge:

  • Ein kühler Schluck Wasser am nächsten Brunnen
  • Eine kräftige Suppe abends in der Herberge
  • Ein bequemes Bett

Beim Pilgern lernt der Mensch ganz von selbst, ohne Zivilisationsballast auszukommen – nicht nur, aber eben auch, weil er alles benötigte auf seinem Rücken tragen muss.

Hier beginnt dann das Abwerfen von Last sowohl auf seelischer, als auch psychischer und materieller Ebene: Der Mensch kehrt zurück zu einem einfacheren, erfüllteren Dasein.

Keine Religion erforderlich - Grenzerfahrung Pilgern

Wie angedeutet ist für diesen Erkenntnisgewinn keine Religion vonnöten – in früheren Zeiten war sie nur der Motor, der Menschen bewegte, solche Strapazen auf sich zu nehmen. Heute sind die Antriebe vielfältiger – Stress, Reizüberflutung usw. – das alles sind Gründe, sich dieser Grenzerfahrung anzunehmen und sie selbst zu erleben – die Erlebnisse werden in jedem Fall gleich sein, egal ob der Pilgerpfad mit einem Gebet auf den Lippen beschritten wird oder nicht.

Die Abkehr vom Cluburlaub

Schon die Tatsache, über mehrere Tage hinweg sehr wenige Menschen zu sehen, ist für viele bereits eine Grenzerfahrung. Kommt noch die Anstrengung hinzu: 20 Kilometer pro Tag über mehrere Wochen sind kein Pappenstiel.

Wer heute als Berufstätiger pilgert, muss dies im Urlaub tun. Also in einer Zeit, in der die meisten sich selbst durch noch mehr Üppigkeit belohnen. All Inklusive und Co. sind natürlich schön und komfortabel, aber sie sind eher mit einem Deodorant zu vergleichen: Das überdeckt einen Geruch auch nur. Die Anstrengungen einer Pilgerreise sind dagegen, um auf metaphorischen Ebene zu bleiben, eher eine kräftige Dusche, die die Probleme wegspült, anstatt sie zu überdecken.

Pilgern ohne Pilgerweg

An diesem Punkt dürfte bereits klar sein: Es braucht keinen Pilgerweg, um diese Erfahrungen spüren zu dürfen. Natürlich: Pilgerpfade weisen Eigenheiten auf, die sie besonders geeignet machen:

  • Sie führen durch für weniger Trainierte zu bewältigendes Gelände
  • Die Etappen werden durch Herbergen definiert und sind so ausgelegt, dass sie in normalem Wandertempo an einem Tag bewältigt werden können
  • Unterwegs finden sich Infrastruktureinrichtungen in denen alles auf Pilger-Bedürfnisse zugeschnitten ist (Wanderausrüstung, medizinische Hilfe usw.)

Dennoch ist dies nur ein Aspekt. Denn dedizierte Wanderwege, etwa die Europäischen Fernwanderrouten, weisen ebenfalls gute Infrastrukturen auf – und ähnlich den Pilgerrouten können sie ebenfalls an jedem Punkt begonnen und beendet werden. Zudem haben diese Wege auch noch einen weiteren Vorteil für nichtreligiöse Pilger: Sie sind weniger überlaufen. Der Camino Francés, um bei diesem Beispiel zu bleiben, verzeichnete 2014 fast 240.000 Pilger – Tendenz steigend. Und das sind nur die offiziell gezählten Wanderer. Wenn keine Religion zwingt, kann es also allein aus Gründen maximaler Einsamkeit ratsamer sein, sich weniger überlaufene Routen zu suchen.

Gemeinschafts-Erfahrung Pilgern

Auch wenn Pilgern sich auf den Einzelnen bezieht, bietet das Erleben in der Gruppe große Vorteile, von denen gegenseitige Motivation nur eine ist.

Allerdings: Wer einsam wandert, verzichtet auf einen weiteren wichtigen Aspekt des Pilgerns: Zusammen zu wandern ermöglicht nicht nur gegenseitige Hilfe, sondern auch den Erfahrungsaustausch auf spiritueller Ebene. Und gleichsam können andere starke Motivation in Momenten sein, an denen die eigene Schwäche übermächtig und der Weg zur Qual wird.

Aber: Die Entscheidung nach Pilgerbegleitung muss jeder für sich selbst treffen. Bloß: Auf den Pilgerwegen ist natürlich die Möglichkeit sehr viel größer, Menschen mit den gleichen Beweggründen zu treffen – auf einem normalen Wanderweg begegnet man vielleicht eher Personen, die „nur“ Naturgenuss im Fokus haben, nicht die spirituelle Ebene.

Pilgern – Vorbereitung lebensnotwendig

Doch ob nun gut vorbereiteter Pilgerpfad oder normaler Wanderweg: Um spirituelles Wandern ohne Schäden oder Schmerzen absolvieren zu können, ist es unerlässlich, sich auf mehreren Ebenen vorzubereiten.

Mentale Vorbereitung - Wille zur Spiritualität

Zunächst einmal ist es entscheidend, sich überhaupt klar zu machen, dass man etwas durch Anstrengung ändern will – der reine Wille zur Spiritualität muss also ausreichend starke Triebfeder sein, um sich nicht nur mit dem Pilgern an sich, sondern auch den Vorbereitungen befassen zu können, ohne dass dabei das Interesse erlischt.

Wille zur Anstrengung

Der Mensch neigt zu schnellem Vergessen. Für langfristigen Erhalt des Erkenntnisgewinns kann es deshalb vorteilhaft sein, seine Gedanken beim Pilgern festzuhalten.

Gleichzeitig muss aber vom ersten Moment an klar sein: Ohne Anstrengung wird es keinen Erkenntnisgewinn geben. Das hängt mit dem Körper zusammen: Erst bei langandauernder Anstrengung setzt er Endorphine frei – eigentlich wegen ihrer schmerzlindernden Wirkung. Aber sie bewirken auch ein besonderes Glücksgefühl, das „Runner’s High“, von dem viele Langstreckenläufer berichten. Damit gilt: Ohne Anstrengung keine Glückmomente.

Äußerliche Vorbereitung - Unverzichtbar: Gute Schuhe

Das allerwichtigste Utensil des Wanderers sind Schuhe. Um das zu verstehen, muss man etwas in die Biologie eintauchen: Unsere Füße, Knöchel und Beine werden von Muskeln und Sehnen zusammengehalten. Wir sind rein biologisch also bestens gerüstet, barfuß weite Strecken zu gehen. Bloß sind moderne Menschen in dieser Hinsicht verkümmert: Wir sitzen zu viel und unsere Füße stecken in Schuhen, die durch Polster den Muskeln ihre dämpfende Arbeit abnehmen.

Vor dem Stiefelkauf sollte bereits klar sein, wohin die Pilgerreise führt. Denn mit dem zu belaufenden Untergrund definiert sich auch der Schuh: Geröll benötigt etwa steifere Sohlen, diese sind jedoch auf befestigten Routen wiederum zu unbequem, weil sie nicht gut abrollen.

Die vollständige Funktion wiederherzustellen, dauert Jahre und ist deshalb für Pilgerwillige ausgeschlossen. Die Schuhe müssen also übernehmen: Das Stützen und Schützen von Füßen und Knöcheln.

Und aus diesem Grund sollten nur hochwertige Wanderschuhe nach den wichtigsten Kriterien zum Einsatz kommen – auf jeden Fall höher als der Knöchel, damit dieser gestützt und vor Schäden durch Umknicken bewahrt wird. Wichtig ist es, solche Schuhe ausgiebig im Laden zu testen:

  • Sie sollten größer als die normale Schuhgröße sein, weil sich  Füße beim Wandern dehnen.
  • Sie dürfen nicht zu schmal sein.
  • Die Sohle muss in ihrer Steifigkeit auf die Pilgerroute angepasst sein
  • Es darf schon beim Anprobieren nirgendwo drücken.

Und weil diese Wanderschuhe hunderte Kilometer überbrücken müssen, ohne zu versagen, bleiben damit nur noch Markenschuhe übrig. Sie sollten durch entsprechende Socken ergänzt werden, die Schweiß vom Fuß wegleiten und verhindern, dass die Haut aufweicht und Blasen bildet.

Bitte leicht: Der Rucksack

Auf dem Pilger-Rücken liegt der Nach- aber auch Vorteil: Nachteil deshalb, weil darin wirklich alles, was benötigt wird, verstaut werden muss – inklusive Verpflegung. Der Vorteil jedoch: Es handelt sich beim Pilgern prinzipiell um viele Tageswanderungen, die abends in einer Herberge enden. Riesige 70-Liter-Rucksäcke zur Aufnahme von Dutzenden Kilogramm Ausrüstung plus Zelt sind deshalb nicht nötig – es reicht ein „Daypack“ – ein Rucksack mit zirka 30 Litern Volumen.

Minimalistisch aber vielseitig: Kleidung

Die vielleicht beste Pilger-Alternative sind 30-Liter-Rucksäcke. Doch auch diese tragen sich nur leicht, wenn, wie hier zu sehen, Brust- und Bauchgurte geschlossen werden, um das Gewicht von den Schultern zu nehmen.

Und in diesen Rucksack passt nicht viel. Deshalb muss die Bekleidung vielseitig sein und sollte sich an den Kriterien für Zwölf-Stunden-Wanderungen orientieren – auch weil Wetterverhältnisse an einem Tag beträchtlich umschlagen können.

  • Funktionsunterwäsche, die Feuchtigkeit von der Haut wegleitet und Wundscheuern verhindert.
  • Atmungsaktive Oberteile mit langen Ärmeln, die bei Kälte wärmen und bei Hitze hochgerollt werden können.
  • Eine bequeme Wanderhose, am besten mit per Reißverschluss abnehmbaren Beinen – dadurch spart man sich eine weitere Hose.
  • Softshelljacke, die vor Wind und Wetter schützt.
  • Regenhosen und -oberteile, die bei Starkregen verhindern, dass der Pilger bis auf die Haut durchnässt wird.

Natürlich gehören auch noch weitere Ausrüstungsgegenstände dazu: Ein Hut, der vor der Sonne schützt sowie eine Stirnlampe, die den Weg weist, wenn die Tagesetappe erst in der Dunkelheit endet.

Modern denken: Die Trinkblase

Dabei sollten Pilger es sich nicht unnötig schwer machen: Feldflaschen am Gürtel sind unpraktisch und schwer. Besser ist es, sich eine Trinkblase in den Rucksack zu stecken. Diese bestehen aus Kunststoff, fassen meist drei oder mehr Liter und wiegen kaum mehr als ihr Inhalt – vor allem aber kann aus ihnen über einen Schlauch während des Gehens getrunken werden.

Körperliche Vorbereitung

Monat 1: Sanftes Beginnen

Der erste Monat ist der schwerste – vor allem, wenn man nie viel gewandert ist. Aber auch, weil in diesen Wochen die Schuhe eingelaufen werden müssen, was je nach Modell für mehr oder weniger Schmerzen sorgen kann.

Wichtig ist es, nicht zu übertreiben: Wer alle zwei Tage ohne Ausrüstung einen gemütlichen Spaziergang von fünf Kilometern absolviert, überanstrengt den Körper nicht und bringt ihn dennoch an die Strapazen heran.

Tipp: Vor dem Wandern die Füße an den neuralgischen Stellen mit Tape bedecken, um Reibung – den Quell der Qual – zu eliminieren.

Monat 2: Langsames Herantasten

Im ersten Monat genügen kurze Etappen ohne Gepäck, bei denen es vornehmlich darum geht, den Körper ans Laufen und die Wanderstiefel zu gewöhnen.

Im nächsten Monat hat sich der Körper ans Laufen gewöhnt. Nun geht es darum, ihn an das Gewicht heranzuführen und die Distanz zu steigern. In der ersten Monatshälfte sollte dabei das Augenmerk auf der Strecke liegen: zehn, zwölf Kilometer alle zwei Tage und im Rucksack nur die Trinkblase.

Dann aber sollte die Distanz beibehalten und der Rucksack bis zum vollen Pilgergewicht gefüllt werden.

Tipp: Nun sollten die Füße ohne Tape auskommen. Zusätzliche Pflege kann man ihnen durch ein Fußbad mit Meersalz zukommen lassen.

Monat 3: Harte Generalprobe

Der dritte Monat stellt eine Abfolge von Realbedingungen dar. Das bedeutet: Die Distanzen sollten ab spätestens der Monatsmitte dem entsprechen, was auf dem Pilgerweg täglich geleistet werden muss. Gleiches gilt für die Gewichte. Lediglich die Reihenfolge kann beibehalten werden.

Tipp: Je mehr die Strecke der des Pilgerpfads ähnelt, desto besser wird  der Körper darauf vorbereitet. Zumindest sollte aber der Untergrund dem entsprechen, was einen erwartet.

Während des Pilgerns

Den Geist ausschalten

Ist man erst unterwegs, wird das Gehirn zwar irgendwann automatisch die kreisenden Gedanken verscheuchen. Aber wer spirituelle Erleuchtung möchte, kann dies beschleunigen:

  • In den Körper hineinhorchen
  • Auf einzelne Körperteile fixieren, von den Fußsohlen bis hoch zu den Schultern
  • Aktiv die Natur betrachten

Solche Tätigkeiten füttern das Gehirn mit leichter Kost und verhindern, dass es abschweift.

Vorsicht, Dehydrierung

Trinkblasen verfügen über ein Beißmundstück: solange der Schlauch hängt, sind diese dicht. Erst wenn man daraufbeißt und gleichzeitig saugt, fließt das Wassser. Perfekt auf dem Marsch.

Eine alte Wanderregel besagt: Wenn man erst bei Durst trinkt, ist es zu spät. Deshalb sollten sich Pilger in jedem Fall dazu zwingen, regelmäßige kleine Schlucke zu nehmen und bei jeder Gelegenheit die Reserven aufzufüllen.

Körperpflege für Pilger

Abends ist es wichtig, dem Körper Ruhe zu gönnen (keine Sorge, nach einer Tagesetappe wird man sehr müde sein). Aber es bedeutet auch:

  • Trocknen der Unterwäsche
  • Pflege der Füße
  • Versorgung etwaiger Blasen und Wunden

Auch hier ist der Hintergrund spirituell: Wer andauernd durch Zipperlein abgelenkt wird, verhindert, dass er im Kopf abschaltet und führt so den ganzen Sinn der Pilgerwanderung ad absurdum.

Zusammenfassung und Fazit

Pilgern ist eine spirituelle und körperliche Grenzerfahrung, die auch nichtreligiösen Menschen großen Erkenntnisgewinn bringen kann. Jedoch ist es unabdingbar, eine Pilgerreise sowohl physisch als auch psychisch umfangreich vorzubereiten.

Geschrieben von Redaktion am 13.12.2016