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Es ist Spargelzeit! 5 Fakten über Spargel als Heilpflanze

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Es ist Spargelzeit! Des Deutschen größtes Gemüseglück ist endlich erntereif und aalt sich ab sofort wieder neben dem Knusperschnitzel in buttriger Hollandaise auf den Sonntagstellern. Die weißen und grünen Stangen sind eine echte Delikatesse, das steht außer Frage, aber was taugt das „weiße Gold“ eigentlich als Heilpflanze? Was man über die Wechselwirkungen zwischen Spargelgenuss und Gesundheit wissen muss, haben wir in fünf Fakten für Sie aufgeschrieben.  

 

1. Spargel begann seine Karriere einst als Heilpflanze. 

Einst, lang bevor die weißen Stangen als mitteleuropäische Delikatesse die Kochtöpfe bevölkerten, war Spargel vor allem als Heilgemüse bekannt. In China nutzte man ihn schon vor über 5000 Jahren (die chinesische Medizin verwendet den örtlichen Spargel sogar bei Keuchhusten), die ältesten bekanntesten westlichen Quellen datieren die Spargelkultivierung aufs vierte Jahrhundert vor Christus.

 

Im antiken Griechenland war es Hippokrates, der ihn bei Übergewicht und Hautproblemen empfahl, während sein Landsmann Dioskorides ihn als Nierenmittel pries. Auch die alten Römer (Cato, Plinius) nutzten Spargel als Arzneigewächs. Die Griechen waren es übrigens auch, die der Pflanze ihren Namen gaben: Asparagus officinalis. Man beachte: Der Zusatz officinalis weist bereits auf seinen Status als Arzneipflanze hin.

2. Spargel war mal ein Aphrodisiakum.

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In Mitteleuropa ist das Königsgemüse erst seit dem 16. Jahrhundert so richtig bekannt geworden. Wahrscheinlich war ein findiger Pflanzenkundiger namens Leonhart Fuchs der erste, der die Pflanze und ihre Heilwirkungen in den historischen Kräuterbüchern beschrieb. Bald gelangte der Spargel heraus aus den Klostergärten in den Wildwuchs und von dort hinein in die Volksmedizin, die ihm jede Menge spannende Wirkungen auf die Gesundheit zusprach.

 

So sollte er vor allem entgiften, das Blut reinigen und alles, was krank macht, einfach aus dem Körper hinausspülen können. Andere Leiden, bei denen er Linderung versprach, waren Gicht, Bluthochdruck und Krampfadern. Darüber hinaus versprachen sich die Menschen, wie man sich leicht ausdenken kann, von dem Stangengemüse auch einen potenzsteigernden Effekt. Davon war seinerzeit übrigens auch Goethe überzeugt, der deutsche Dichterfürst und Geisteshomöopath.

3. In der Apotheke gibt’s heute richtige Spargelmedizin.

Und tatsächlich: Ganz offiziell bescheinigt die (mittlerweile auf europäischer Ebene aktive) Sachverständigenkommission E des BfArM dem Spargel heilende Kräfte. Ganz ähnlich der traditionellen Verwendung dient Spargelmedizin heute der Durchspülung (Diurese) – und zwar bei der Therapie von entzündeten Harnwegen. Auch zur Vorbeugung von Nierengrieß setzt man ihn ein, fertige Spargel-Arzneimittel kann man in der Apotheke kaufen. Dabei muss man allerdings eines wissen: Die moderne Naturheilkunde nutzt als medizinischen Wirkstoff keineswegs die Spargelsprosse, die bei uns auf dem Teller landet, sondern den Wurzelstock (Rhizom). Dieser wird im Herbst aus der Erde geholt, getrocknet und verarbeitet.

 

Die Spargelwurzel enthält jede Menge antibakterielle Stoffe (Saponine), wertvolle Aminosäuren und Mineralien, vor allem Kaliumsalze. In geringerer Konzentration stecken diese Vitalstoffe aber auch in den Spargelstangen. Wer schon mal ein halbes Pfund frischen Spargel verputzt hat, kennt seine kurzfristigen Auswirkungen. Dies führt uns zu unserem nächsten Punkt...

4. Spargel verändert den Uringeruch, hilft dafür aber beim Abnehmen.

Manche Menschen leben in einem Spargelzwiespalt, da der genüssliche Verzehr des Gemüses nun einmal Folgen hat – deren strenge, kohlartige Duftnoten empfindsamen Nasen einiges abverlangt. Diese lässt meist auch nicht lange auf sich warten, da die bleichen Stangen zu rund 95% aus Wasser bestehen und die Harnproduktion ankurbeln. Und ja, es stimmt: Spargel verändert den Uringeruch.

 

Dafür sind die schwefelhaltigen Abbauprodukte der Aminosäuren (Asparagin) verantwortlich, die reichlich in dem Gemüse vorkommen. Asparaginsäure wirkt entwässernd und fördert den Gewichtsverlust. Wer sich für eine Spargeldiät entscheidet, muss mit den olfaktorischen Konsequenzen leben können – oder ganz einfach nicht zu den 10% der Menschen gehören, die den Geruch der schwefligen Stoffwechselprodukte überhaupt wahrnehmen können, wie neue Untersuchungen zeigen.

 

Spargel kommt auf höchstens 20 Kalorien pro 100 Gramm und hat sich darum als Diätgemüse bewährt. Das Abnehmen klappt natürlich nicht mehr so gut, wenn man dazu Hollandaise-Soße serviert.   

5. Spargel ist kein Wundermittel, aber trotzdem ganz schön gesund.

Die meisten der traditionellen Heilversprechen sind natürlich wissenschaftlich nicht haltbar. Dazu kommt, dass Spargel den Status als entwässerndes (diuretisches) Arzneimittel seiner langjährigen Anwendung verdankt. Gesicherte Erkenntnisse darüber, dass die Pflanze effektiv Giftstoffe aus dem Körper spülen kann, gibt es nicht – allerdings auch keine Studien, die das Gegenteil beweisen. 

 

Dass Spargel trotzdem ein sehr gesundes Gemüse ist und wir gut daran tun, die ja bloß zwei Monate andauernde Spargelzeit gebührend auszukosten, das ist klar: Obwohl die leckeren Stangen fast nur aus Wasser bestehen, sind sie reich an ernährungsphysiologisch wertvollen Inhaltsstoffen: Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B, Aminosäuren, Mineralien, you name it, im Spargel ist‘s drin. Von einem gesunden Salat mit frischem Spargel profitieren nicht nur die Abwehrkräfte und unser Nervensystem – das edle Gemüse macht uns sogar schöner: Gesunde Haare und Nägel brauchen was? Genau: viele, viele B-Vitamine. Übrigens ist der grüne, chlorophyllhaltige Spargel ein bisschen nährstoffreicher als sein blasser Kollege aus dem Erdreich.

Quellen:
  • Nowack, Rainer: Spargel - Eine vielleicht unterschätzte, aber sicherlich unzuereichend untersuchte Heilpflanze, Z Phytother 2006; 27(3).
  • Schilcher, H. et al: Leitfaden Phytotherapie. 4. Auflage (2010).
Geschrieben von Redaktion am 07.04.2017