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Blutspenden senkt den Blutdruck!

Wissenschaftler der Berliner Charité entdecken die Blutspende neu. Regelmäßig angewendet reduziert sie den Blutdruck ähnlich stark wie ein Medikament. Der Effekt dahinter scheint nicht von der reduzierten Blutmenge zu kommen. Vielmehr spielt das Speichereisen eine Rolle.

Bluthochdruck gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Mehr als die Hälfte der über 50-Jährigen leidet daran, und das meist ohne es zu wissen. Denn die Krankheit tut nicht weh und schädigt über viele Jahre hinweg die Blutgefäße. Gefährliche Verkalkungen in den Arterien sind die Folge. Ungesunde Ernährung und Bewegungsarmut gemäß dem Motto „Sport ist Mord“ spielen eine entscheidende Rolle in der Entstehung des Hochdrucks. Viele Betroffene ändern ihren Lebensstil daher auch nach der Diagnose nur ungern und vertrauen lieber auf ein Arsenal an Medikamenten. Die Pillen senken den Blutdruck zwar effektiv, besitzen jedoch unangenehme Nebenwirkungen. Daher wird in der Forschung ständig nach alternativen Methoden gesucht.

Aderlass reduziert Eisengehalt im Blut

Wissenschaftler aus der Charité in Berlin sind nun auf eine längst tot geglaubte Methode zur Senkung des Blutdrucks gestoßen: den Aderlass. Dabei werden dem Patienten bis zu 300 ml Blut über die Armvene entnommen. Im Mittelalter diente diese Technik zur Reinigung von verdorbenem Blut. Heutzutage versprechen sich die Forscher eine positive Wirkung auf den Bluthochdruck. In erster Linie scheint der Zusammenhang klar zu sein, da weniger Blut im Körper auch den Blutdruck reduziert. Doch Prof. Andreas Michalsen, Leiter der aktuellen Studie an der Charité, vermutet einen anderen Mechanismus: „Durch den Aderlass wird das Speichereisen erheblich reduziert. Eisen erhöht den Blutdruck wahrscheinlich über eine ungünstige Wirkung auf die Funktion des Gefäßendothels. Das verminderte Blutvolumen ist dagegen nur in den ersten ein bis zwei Tagen verantwortlich für die Blutdrucksenkung“.

Ähnlich wirksam wie ein Medikament

Die Ergebnisse der von Michalsen durchgeführten Studien geben Anlass zur Hoffnung. Demnach wurde der Blutdruck durch regelmäßiges Blutspenden im Abstand von vier Wochen über 15 mmHg gesenkt, was der Wirkung einer Blutdrucktablette entspricht. Der Effekt hielt über sechs Wochen an. Dennoch muss der Aderlass vor einer offiziellen Zulassung erst in weiteren Studien geprüft werden. „Für eine definitive Empfehlung an Bluthochdruck-Patienten, Blut zu spenden, ist es noch zu früh. Wir erwarten mit Spannung unsere jetzigen Ergebnisse. Es zeichnet sich aber bereits ab, dass man zumindest bei erhöhtem Speichereisen jenen Patienten eine Blutspende empfehlen kann, die beispielsweise unter Diabetes, Metabolischem Syndrom oder Bluthochdruck leiden,“ so Michalsen.

Quellen:
  • Michalsen, A. (2013): Gespräch mit Herrn Prof. Dr. med. Andreas Michalsen von der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Immanuel Diakonie Group Berlin
  • Michalsen A, et al. Effects of phlebotomy-induced reduction of body iron stores on metabolic syndrome: results from a randomized clinical trial. Circulation. BMC Medicine 2012, 10:54 doi:10.1186/1741-7015-10-54
Dr. med. Tim Hollstein
Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 22.04.2013