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Wirkmechanismus der Bittermelone geklärt

Die Bittermelone ist schon seit jeher für ihre zuckersenkende und fettabbauende Wirkung bekannt und gilt als potentieller Kandidat in der Behandlung von Übergewicht und Diabetes. Deutsche Forscher sind dem genauen Mechanismus dieses Effekts jetzt auf die Spur gekommen.

Unser Körper kann sich über mangelnde Nahrungszufuhr nicht beklagen. Wir stopfen täglich eine Menge in uns hinein, wobei süße und fettreiche Speisen nicht fehlen dürfen. Die Folgen dieser Überernährung lassen sich schon nach wenigen Jahren auf den Rippen spüren. In vielen Fällen erhöht sich dabei nicht nur das Bauchfett sondern im gleichen Schritt der Blutzuckerspiegel. Dies kann zur Zuckerkrankheit, dem sogenannten Diabetes mellitus, führen. Jeder Zehnte der über 60-jährigen ist von diesem Leiden betroffen. Aufgrund mangelnder Bewegung erkranken auch immer mehr Jugendliche. Eine wichtige Säule der Therapie und der Vorbeugung von Diabetes stellt eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion dar, da sich dadurch der Einsatz von Medikamenten reduzieren bzw. verhindern lässt. Die Bittermelone, ein Gemüse aus der Familie der Kürbisgewächse, könnte hierbei zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

Blutzuckersenkende Wirkung lange bekannt

In Asien wird die Bittermelone, auch Balsambirne oder Bittergurke genannt, traditionell seit vielen Jahrhunderten als natürliches Heilmittel angebaut. Im letzten Jahrhundert stand die Pflanze daher im Fokus vieler Untersuchungen, deren Ergebnisse eine blutzuckersende Wirkung belegen. Neuere Studien zeigen darüber hinaus, dass die Bittermelone das Gewicht unter einer fettreichen Ernährung reduzieren kann. Jedoch war bisher nicht klar, wie diese positiven Effekte zustande kommen. Es wurde unter anderem diskutiert, ob die Inhaltsstoffe der Bittermelone die Zahl an Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse erhöhen oder die Resistenz gegenüber Insulin in den Muskelzellen herabsetzen. Nun sind deutsche Forscher einem weitaus interessanteren Wirkmechanismus auf die Spur gekommen.

Aktivierung von Kortison wird gehemmt

Scheinbar hemmen bestimmte Extrakte der Bittermelone die Aktivität des Enzyms 11β-HSD. Hiervon gibt es zwei Formen: Erstere ist hauptsächlich in Fettgewebe und Leber lokalisiert und wandelt körpereigenes Kortison in aktives Kortisol um. Folgen sind Fettaufbau und eine gesteigerte Zuckerproduktion. Ist diese Form überaktiviert, scheint das die Ausbildung von Übergewicht und Diabetes zu begünstigen. Der zweite Typ des Enzyms ist dagegen vermehrt in den Nieren zu finden, inaktiviert Kortisol und hat damit einen entgegengesetzten Effekt. Praktisch wäre es nun, wenn man gezielt die erste Form des Enzyms 11β-HSD hemmen könnte, jedoch lies sich bis jetzt noch kein derartiges Medikament finden. Allein die Bittermelone kann diese Wirkung für sich verbuchen, was sie als mögliches Medikament für Diabetiker und Risikopatienten interessant macht. Denn so können Übergewicht und erhöhter Blutzucker reduziert werden, ohne die Funktion der zweiten Form des Enzyms zu beeinflussen.

Bisher ist die Bittermelone als Nahrungsergänzungsmittel frei im Handel erhältlich. Die Autoren der Studie weisen jedoch darauf hin, dass für eine uneingeschränkte Empfehlung die Studiendaten gegenwärtig nicht ausreichen. Weiterhin können bei hochdosierter Einnahme auch Nebenwirkungen wie Unterzuckerung oder Leberfunktionsstörungen auftreten. Eine Anwendung sollte daher mit dem Arzt abgesprochen werden.

Quellen:
  • Bielenberg J. Die blutzuckersenkende und fettabbauende Aktivität der Bittermelone. Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 215–220
  • Anagnostis P et al. Clinical review: The pathogenetic role of cortisol in the metabolic syndrome: a hypothesis. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 94 (8): 2692–2701 (2009).
  • Herold G. Innere Medizin 2012. Gerd Herold Verlag (2012)
Dr. med. Tim Hollstein
Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 01.03.2013