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Neurodermitis

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Neurodermitis

Quälender Juckreiz und eine trockene, äußerst empfindliche Haut, auf der schubweise oder chronisch Hautentzündungen an Händen, Ellenbeugen oder Kniekehlen auftreten – Menschen mit Neurodermitis haben kein einfaches Leben. Ist es die Bettwäsche, der Teppichboden, die Nachbarskatze, die liebevoll gemeinte Einladung zum scharf gewürzten Essen oder der Druck aus der Chefetage, der die Haut schon wieder rot aufflammen lässt? Der Einfluss der Umwelt ist oft unvorhersehbar und lässt die Betroffenen oft verzweifeln, nicht selten an sich selbst und dem eigenen Selbstwertgefühl. Doch es gibt viele Möglichkeiten krankmachende Auslöser zu meiden und die Haut liebevoll gesund zu pflegen.

Neurodermitis im Überblick:
  • Neurodermitis ist eine chronische Hautentzündung des Säuglings, Kindes und Erwachsenen, die eine große seelische Belastung sein kann.
  • Als Ursache gilt eine erbliche Veranlagung, die das Immunsystem zu überschießenden Hautreaktionen auf Umweltfaktoren wie Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel oder Stress veranlasst.
  • Trockene Haut und in Schüben auftretende rote, juckende Hautpartien der Beugeseiten von Armen und Beinen geben ein typisches Hautmuster, anhand dessen die Diagnose gestellt werden kann.
  • Um den chronischen Verlauf positiv zu beeinflussen ist eine gute Basistherapie der Haut mit Fetten wichtig. Allergene aus der Umwelt müssen gemieden werden, ein Klimawechsel kann helfen. In schweren Fällen werden kortisonhaltige Salben oder Calcineurin-Hemmer verordnet, die das Immunsystem unterdrückenden.

Wissenswertes zur Neurodermitis

Neurodermitis, in der Fachsprache auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, ist eine Sonderform des Ekzems. Sie tritt chronisch oder schubweise auf als Hautentzündung (Dermatitis) einzelner Hautpartien. Häufig schon im Säuglings- und Kleinkindalter beginnend, klingt sie in der Pubertät ab oder bleibt beim Erwachsenen bestehen und verläuft unterschiedlich ausgeprägt. Die Neurodermitis zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen bei Kindern. 10 bis 15 Prozent der Vorschulkinder leiden an Neurodermitis, vor allem sozial gut gestellte Stadtkinder sind oft betroffen. Erwachsene sind lediglich zu zwei Prozent betroffen. Im 19. Jahrhundert vermutete man noch eine Nervenentzündung als Ursache für Neurodermitis, daher stammt der alte Name „Neuro-dermitis“ (aus dem lateinischen: „neuron“ = Nerv, „dermis“ = Haut und „itis“ steht für Entzündung). Heute weiß man, dass eine erbliche Veranlagung ursächlich ist.

UrsachenUrsachen der Neurodermitis: Triggerfaktoren der Hautentzündung

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Die genaue Ursache für Neurodermitis ist aber nicht letztendlich geklärt. Wahrscheinlich liegt sie in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren (multifaktorielle Genese) begründet. In Studien an eineiigen Zwillingen fand man heraus, dass das Risiko für beide Zwillinge an Neurodermitis zu erkranken, sobald bei einem die Krankheit diagnostiziert wurde, bei 75 Prozent liegt. Sind beide Elternteile von Neurodermitis betroffen, so besteht ein ebensogroßes Risiko für ihr Kind, die Hautkrankheit zu entwickeln.

Es besteht ein enger Zusammenhang zu Allergien des Atemwegstrakts. So tritt eine Neurodermitis oft zusammen mit Heuschnupfen und allergischem Asthma auf. Man nennt diese drei Erkrankungen „Atopien“ (im Sinne von „gestörter Ort, gestörte Haut/Schleimhautoberfläche“).

Doch mit Erbfaktoren allein lässt sich die Krankheit nicht erklären. Bei einer Neurodermitis besteht die Bereitschaft der Haut zur entzündlichen Reaktion. Ausgelöst wird diese durch bestimmte Triggerfaktoren. Trigger können zum Beispiel psychische Faktoren sein. Beruflicher und schulischer Stress oder unverarbeitete Trauer können zu einer neurodermitischen Hautreaktion führen.

Oft sind auch Allergene (allergieauslösende Substanzen) der Auslöser. Meist wirken mehrere Umweltfaktoren zusammen wie:

  • Allergene (Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare)
  • Tabakrauch
  • Infektionen (z.B. Erkältung)
  • Nahrungsmittel (Milch, Nüsse, Weizen)
  • Mechanische Hautreizung (Wolle, Schwitzen)
  • Extreme Klimabedingungen (Kälte/Hitze)

Die neurodermitische Haut

Die Haut eines Neurodermitikers reagiert anders als die eines Gesunden. Normalerweise sitzen Abwehrzellen in der Haut, die entscheiden, ob hereinkommende Substanzen oder Reize feindlich sind. Ein Allergen, ein harmloser Umweltstoff, wird dem Immunsystem als Testobjekt präsentiert. Ein Antikörper, der genau wie ein Schlüssel auf das Antigen passt, wird vom Immunsystem gebildet, falls das Bruchstück vernichtet werden muss. Ist dies der Fall, z.B. bei eindringenden Krankheitserregern, so stürzen sich weiße Blutkörperchen darauf und es kommt zu einer notwendigen Entzündungsreaktion im Gewebe.

Bei Neurodermitis spielt das Immunglobulin E (IgE) eine große Rolle. Es führt zur vermehrten Antikörperbildung gegen die als feindlich verkannten Allergene. Dabei bewirken T-Helfer-Zellen vom Typ 2 in der Haut (eine bestimmte Art weißer Blutkörperchen), dass eine überschießende Abwehrreaktion erfolgt. Es kommt zur allergischen Hautentzündung. In diesem Prozess wird der Botenstoff Histamin ausgeschüttet, der den Juckreiz verursacht.

Normalerweise lernt das Immunsystem in der frühen Kindheit, sich mit den im Dreck und Staub der Umwelt enthaltenen Allergenen auseinanderzusetzen. Stadtkinder sind heute seltener Dreck oder Tierkot ausgesetzt als Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen. Das kann der Grund sein, warum Neurodermitis heute so viel häufiger bei Stadtkindern aus besseren sozialen Schichten auftritt. Ein Übermaß an Hygiene in einer keimfreien oder keimarmen Umwelt kann schädlich für den natürlichen Lernprozess des Immunsystems sein.

Die neurodermitische Haut ist eine sehr trockene Haut. Sie enthält zu wenig Fett. Durch die gestörte Barrierefunktion kann zu viel Feuchtigkeit entweichen. Durch den ständigen Wasserverlust schafft es die Haut nicht, sich zu reagieren.

SymptomeSymptome bei Neurodermitis: trockene, entzündete, juckende Hautpartien

Die Symptome einer Neurodermitis zeigen sich in einem typischen Hautmuster. Im Vordergrund steht chronisch trockene, spröde und rissige Haut, auf der in wiederholten Schüben rötlich umschriebene Hautauschläge aufflammen: stark juckende Ekzeme. Der Juckreiz kann extrem quälen. Man kratzt sich, die entzündete Hautpartie wird weiter gereizt und juckt stärker. Ähnlich einem chronischen Schmerz kann der chronische Juckreiz dem Menschen die Freude am Leben einschränken.

Da die Haut ständig mit Keimen aus der Umwelt konfrontiert wird, können sich Krankheitserreger auf den Ekzemen ansiedeln, die gesunde Keimbesiedlung auf der Haut ist gestört. Bakterien und Pilze können die Haut infizieren.

Das äußere Erscheinungsbild kann ein großes Problem sein. Ist das Gesicht entstellt, so können die betroffenen Menschen Depressionen entwickeln, zum sozialen Rückzug aus dem schulischen oder beruflichen Umfeld neigen. Die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls kann schwierig sein.

Der Krankheitsverlauf hat typische Erscheinungsbilder in drei Lebensphasen, in denen die Krankheit mehr oder weniger stark ausgeprägt sein kann.

Neurodermitis bei Säuglingen

Milchschorf ist typisch bei Säuglingen. Dabei hat der Begriff nichts mit einer Milchallergie (Laktoseintoleranz) zu tun. Die Haut auf dem Kopf bildet gelblich-weißliche, nässende Krusten, die wie verbrannte Milch aussehen. Die Streckseiten (Außenseiten) der Arme, Beine und das Gesicht können betroffen sein.

Neurodermitis bei Kindern und Jugendlichen

Beim Kleinkind spielt sich die Hautentzündung in den Beugen der Gelenke ab, vor allem in den Knie- und Ellenbeugen sowie an Händen, Hals und Nacken. Die Haut ist gerötet, schuppt und juckt, durch das ständige Kratzen können die Fingernägel glänzen. Meist bildet sich die Neurodermitis in der Pubertät zurück.

Neurodermitis bei Erwachsenen

Besteht die Krankheit beim Erwachsenen, verhärtet und verdickt sich die Haut durch die chronischen Hautentzündungen in Form einer Flechtenbildung. Der Juckreiz (Prurigo) kann extrem quälend werden und am ganzen Körper, oder nur an den Händen auftreten.

Begleitsymptome können sein:

  • Verstärkte Schatten um die Augen
  • Seitliche Lichtung der Augenbrauen
  • Doppelte Unterlidfalte
  • Kratzt oder reizt man die Haut, so bilden sich weiße Streifen (weißer Dermographismus)
  • Eventuell Bindehautentzündung und grauer Star

DiagnoseDiagnostik bei Neurodermitis: Das Hautmuster verrät die Krankheit

Der Arzt lässt sich vom Patienten in der Anamnese (ärztliches Gespräch) den Beginn und Verlauf der Symptome und die Stärke des Juckreizes schildern. Er fragt nach Allergien und Unverträglichkeiten von Klima, Nahrungsmitteln und anderen Umweltfaktoren. Oft ergibt sich in der Familienanamnese ein Hinweis auf Verwandte, die auch von Neurodermitis betroffen sind. Der einfühlsame Diagnostiker fragt auch nach dem seelischen Befinden.

In der körperlichen Untersuchung kann der Arzt eine Neurodermitis anhand der typischen Hautmusterabhängig vom Lebensalter erkennen. Begleitsymptome wie die doppelte Unterlidfalte oder die verstärkten Augenschatten liefern weitere Hinweise. Der weiße Dermographismus auf der Haut (Auftreten weißer Linien beim Darüberfahren mit dem Finger) kann getestet werden. Allein anhand des Hautmusters können in der Dermatologie (Fachrichtung der Hautkrankheiten) viele Erkrankungen der Haut auseinander gehalten werden.

Die Histologie ist die Untersuchung einer Hautprobe unter dem Mikroskop. Man sieht für ein Ekzem und für die Neurodermitis spezifische Unterarten der weißen Blutkörperchen des Immunsystems in Vergrößerung.

In einem Allergietest, dem Atopie-Patchtest werden bestimmte allergene Substanzen wie Blütenpollen, Gräser oder Nahrungsmittel in kleinsten Einheiten auf die Haut aufgetragen und eine sichtbare allergische Reaktion geprüft.

In der Blutuntersuchung wird der IgE (Immunglobulin E) Spiegel untersucht, ein Abwehrstoff der bei Neurodermitis erhöht sein kann.

BehandlungTherapie der Neurodermitis: Symptome lindern, Allergene meiden

Neurodermitis ist nicht mit Medikamenten heilbar, der Krankheitsverlauf lässt sich jedoch durchaus positiv beeinflussen: Die Symptome können gelindert und das Hautbild verbessert werden. Eine gute Lebensqualität in einer allergenarmen Umgebung kann

ermöglicht werden.

Hautpflege als Basistherapie

Die trockene Haut in den Zeiten zwischen den akuten Schüben sollte gut mit fetthaltigen Salben und Cremes gepflegt werden, um sie vor weiterer Austrocknung zu schützen. Die Wahl der richtigen Hautcreme kann schwierig sein, da viele Inhaltsstoffe von Kosmetika eine allergische Hautreaktion auslösen können. Neurodermitispatienten sollten auf Kosmetikprodukte achten, die frei von Parfümen, Konservierungsmitteln und Farbstoffen sind. 

Medikamente äußerlich

Während der akuten Schübe helfen Salben und Cremes mit chemischen Wirkstoffen, die Hautentzündung abklingen zu lassen. Kortison unterdrückt die Immunreaktion und ist äußerlich angewandt meist ausreichend. Kortison sollte nicht dauerhaft auf der Haut angewandt werden, da es zu einer Hautatrophie (Hautverdünnung) führen kann. Hautverträglicher und effektiver sind die neueren Wirkstoffe Tacrolimus und Pimecrolimus, zwei Calcineurin-Hemmer. Sie unterdrücken die Freisetzung von Botenstoffen der Entzündungsreaktion.

Medikamente innerlich

Antihistaminika sind juckreizstillend und wirken sedierend (machen schläfrig). Das kann eine nicht unerwünschte Nebenwirkung bei nächtlichen Juckreizattacken sein. Nur in sehr schweren Fällen muss Zyklosporin A innerlich (systemisch) gegeben werden, um die Immunreaktion zu unterdrücken. Im Falle einer Superinfektion der Haut mit Bakterien wird ein Antibiotikum verabreicht.

Lichttherapie

Ebenfalls nur bei schweren Verläufen wird die Lichttherapie mit UV-A-Licht angewandt. Das Krebsrisiko bei längerer Bestrahlungen der Haut ist nicht ganz auszuschließen.

Klimatherapie

Nebenwirkungsfrei ist der Klimawechsel in allergenarme Regionen wie das Hochgebirge oder an die Nordsee. Ein Kuraufenthalt von sechs bis acht Wochen ist empfehlenswert.

Psychotherapie

Leidet der von Neurodermitis betroffene an Depression oder psychischen Symptomen, kann auch eine psychologische Beratung oder langfristige Psychotherapie helfen. Positive Ressourcen können entwickelt werden, um die Aufmerksamkeit vom Leiden auf die freudvollen Lebensmomente zu lenken. In großen Städten findet man Selbsthilfegruppen für Betroffene.

Vorbeugen:

Der Entwicklung einer Neurodermitis kann man aufgrund der erblichen Veranlagung schwer vorbeugen, man kann jedoch Triggerfaktoren vermeiden, die zu schweren Schüben führen:

  • Stillen mindestens vier Monate nach der Geburt ohne Zufütterung wird heutzutage wieder als wichtig bewertet, da es das frühkindliche Immunsystem mit Immunglobulinen aus der Muttermilch versorgt, die das Risiko zur Allergieentwicklung senken. Ist Säuglingsnahrung nötig, so sollten Produkte ohne Kuhmilch verwendet werden, da diese allergene Eiweiße enthält.
  • Allergene sollten ausgetestet und konsequent vermieden werden. Dazu zählen Hausstaubmilben, die sich in Teppichböden und Kuscheltieren einnisten, Tierhaare, Pollen und Gräser. Es hilft manchem, in der Vorsaison eine Hyposensibilisierung bei bekannter Allergie durchzuführen.
  • Kleidung und Bettwäsche sollten bevorzugt in Bio-Qualität und aus Baumwolle oder Seide ausgewählt werden. Ein Waschen mit antiallergischen Waschmitteln hilft.
  • Ernährung: Kuhmilch, Zitrusfrüchte und Nüsse bergen ein erhöhtes Allergierisiko. Allergien auf Nahrungsmittel können getestet werden. Scharf gewürzte Speisen, Alkohol und Kaffee sollten vermieden werden, sie verstärken den Juckreiz.
  • Berufswahl: Besteht die Neurodermitis in der Pubertät fort, sollten einige Berufe aus der anstehenden Berufswahl ausgeschlossen werden aufgrund des Kontakts mit Allergenen von Tieren (Metzger), Mehl (Bäcker) oder Desinfektionsmittel (Medizinberufe) und andere.
  • Stress abbauen: Stress ist ein starker Triggerfaktor. Deshalb ist das Erlernen von Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (PMR) oder Yoga sehr wertvoll.

Heilpflanzen bei NeurodermitisHeilpflanzen bei Neurodermitis

Für die Behandlung der Neurodermitis gibt es eine Reihe pflanzlicher Wirkstoffe, die Hautausschläge abheilen und den Juckreiz lindern. Sie können mit synthetischen Wirkstoffen kombiniert werden und helfen, das nebenwirkungsreiche Kortison sparsamer zu verwenden. Wichtig ist bei Neigung zu Hautallergien immer der Einsatz von Heilpflanzen aus kontrolliertem Anbau und von Fertigpräparaten aus der Apotheke oder von Naturkosmetik, bei der nur Naturstoffe verwendet werden und auf synthetische Parfümöle, Farb- und Konservierungsstoffe verzichtet wurde.

Hilfe auf einen Blick:

Neurodermitis verläuft chronisch und in Schüben. Je nach Stadium kommen verschiedene Anwendungsformen in Betracht:

  • Im akut-nässenden Stadium hilft „feucht auf feucht“ in Form feuchter Umschläge oder Gele. Gerbstoffhaltige Wirkstoffe wie Hamamelisblätter- und Hamamelisrinden-Extrakt können helfen.
  • Im subakuten Stadium bei dem sich abheilende Krusten bilden, können tagsüber eine Creme und nachts eine fetthaltige Salbe aufzutragen. Dazu eignen sich Kamillen- und Hamamelis- Cremes und Salben im Wechsel und Johanniskrautöl.
  • Im chronischen Stadium der trockenen Haut eignen sich Nachtkerzenöl und Borretschöl oder Salben mit Bittersüßstängel-Extrakt zur Basishautpflege. Diese pflanzlichen Wirkstoffe gibt es auch zur innerlichen Langzeitbehandlung als Fertigpräparate.

Bittersüßer Nachtschatten

Bittersüßer Nachtschatten

Dieses Nachtschattengewächs (botanisch: Solanum dulcamara), aus heimischen Wäldern war schon bei den alten Germanen ein Heilmittel. Sie verwendeten es zur Blutreinigung, bei Rheuma, Asthma und Bronchitis.

Bittersüßstängel-Extrakt wird heute bei Ekzemen und Neurodermitis angewandt. Seine Wirkung bei chronischen Hautkrankheiten beruht auf dem entzündungshemmenden Solasodin. Zudem besitzen die Steroidalkaloidglycoside eine kortisonähnliche Wirkung, Gerbstoffe wirken juckreizlindernd.

Da die grünen Beeren der Pflanze giftig sind, sollte man sich bei der innerlichen Einnahme auf Fertigpräparate beschränken. Bittersüßstängel-Extrakt gibt es als Tabletten oder Tinktur. Zur Basispflege der neurodermitischen Haut gibt es eine Salbe.

Ballonrebe

Ballonrebe

Die Ballonrebe ist in Indien, Afrika und Südamerika weit verbreitet und aus der traditionellen indischen Medizin, dem Ayurveda bekannt. Der Ballonrebenkraut-Extrakt mit seinen herzförmigen Samen enthält einen hohen Anteil an Fettsäuren, darunter Arachidonsäure, die entzündungshemmend wirkt, außerdem Saponine, Gerbstoffe, die juckreizlindernd wirken und Flavonoide. Sie kann bei Neurodermitis, Ekzemen und Insektenstichen hilfreich sein und den quälenden Juckreiz lindern.

Nachts als Salbe und tagsüber als Creme auf die Haut aufgetragen eignet sich Ballonrebenkrautextrakt zur Behandlung der Neurodermitis im Zwischenstadium bei abheilendem Hautausschlag.

Nachtkerze

Nachtkerze

Die ursprünglich aus Nordamerika stammende, mitteleuropäische Nachtkerze ist eine gelb-blühende, imposante bis zu 2 Meter hoch wachsende Schönheit. Ihren Namen verdankt sie den Nachtfaltern, die sie befruchten. Aus ihren Samen wird ein besonderes Öl gewonnen. Das Nachtkerzenöl ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, speziell der Gamma-Linolensäure. Sie ist wichtig für die gesunde Fettstruktur der Haut und ein Glied in der Bildung von Prostaglandin E. Nachtkerzenöl ist entzündungshemmend und immunstärkend, es hilft speziell bei Neurodermitis und trockener, rissiger Haut.

Für die innerliche Langzeittherapie gibt es Fertigpräparate in Form von Kapseln, die Wirkung setzt erst nach 4 Wochen ein. Nachtkerzenöl kann man auch direkt dünn auf die Haut auftragen.

Borretsch

Borretsch

Der blau blühende Borretsch, der auch schmackhaftes Küchengewürz ist, enthält ein wertvolles Öl. Borretschsamenöl enthält ebenfalls Gamma-Linolensäure, das entzündungshemmend und immunstärkend wirkt. Borretschöl gibt es als Kapseln für die innerliche Einnahme, als Creme oder direkt als Öl kann man es leicht in die betroffenen Hautpartien einmassieren.

Johanniskraut

Das gelb blühende sommerliche Johanniskraut wird gleich zweimal verwendet.

Aus seinen Blüten wird mithilfe von Pflanzenölen ein rötlicher Auszug hergestellt: Das Johanniskrautöl. Es hilft nicht nur in der Wundheilung, auch bei stark aufgekratzten Hautausschlägen bei Neurodermitis kann es abheilend wirken und gibt aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung einen Schutz gegen eindringende Keime.

Johanniskraut-Extrakt verdankt seine antidepressive, stimmungsaufhellende Wirkung dem Wirkstoff Hypericin. Als Tabletten für die innerliche Langzeittherapie kann es bei begleitenden Depressionen sehr hilfreich sein.

Kamille

Kamille

Kamillenblüten-Extrakt ist bei zahlreichen Hautkrankheiten hilfreich. Sein Hauptwirkstoff, alpha-Bisabolol hemmt die Cycloxygenase und Lipoxygenase, zwei Botenstoffe der Entzündungsreaktion. Eine keimhemmende und juckreizlindernde Wirkung helfen zudem bei Neurodermitis und bei nässenden Hautpartien. Dafür werden feuchte Umschläge mit Kamillenblüten-Extrakt als Konzentrat aus der Apotheke angefertigt, hier ist der Gehalt an alpha-Bisabolol am höchsten. Kamillenblüten-Extrakt und ätherisches Kamillenöl gibt für Bäder, als Salben und Cremes zur äußerlichen Anwendung.

Hamamelis

Hamamelis

Die Indianer Nordamerikas nannten den Strauch Zaubernuss und setzten ihn für Heilzwecke und magische Künste ein.

Hamamelisblätter- und Hamamelisrinde-Extrakt enthält Gerbstoffe, die eine zusammenziehende, juckreizlindernde Wirkung haben und das Hautbild verbessern. Bei Neurodermitis kommen feuchte Umschläge mit Hamamelis-Extrakt im akut-nässenden Stadium, Cremes im Übergangsstadium und fetthaltige Salben bei trockener Haut zum Einsatz. Ein Ölbad mit Hamamelis-Extrakt wirkt wohltuend juckreizlindernd und spendet der Haut neue Feuchtigkeit.

Eiche

Eiche und Haferstroh

Eichenrinden-Extrakt enthält Gerbstoffe, die bei Neurodermitis den Juckreiz lindern, und ist als Badezusatz erhältlich. Wer mag kann juckreizlindernden Haferstroh-Extrakt hinzugeben, dafür 50-100g Haferstroh in 2 Liter Wasser kochen, 30 Minuten ziehen lassen und die dunkle, nicht ganz wohlriechende Flüssigkeit dem Vollbad zufügen.

Ölbäder mit Weizenkeimöl und pflanzlichen Zusätzen dürfen regelmäßig angewandt werden.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie bei sich oder einem ihrer Angehörigen die folgenden Symptome bemerken, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam:

  • Wenn beim Säugling auf dem Kopf weißlich-gelbliche, schuppende Hautpartien auffallen oder sich das Kind nachts die Haut aufkratzt um eine Neurodermitis oder andere Hautkrankheit aufzudecken.
  • Wenn die Hautentzündung nicht abklingen will, wegen Gefahr der Besiedelung mit Bakterien.
  • Wenn die Stimmung gedrückt ist, der Antrieb fehlt und zunehmend Interessenlosigkeit und sozialer Rückzug beobachtet werden, kann eine erste Beratung beim Psychotherapeuten hilfreich sein.
  Buchtipps:
  • „Was hilft meinem Kind bei Neurodermitis?: Auslösefaktoren, Behandlung und Vorbeugung“ von Dietrich Abeck und Regina Fölster-Holst (Thieme Verlag; 1. Auflage 2003)
  • „Neurodermitis bei Kindern: Auslöser erkennen und wirksam meiden. So schützen Sie ihr Kind am besten vor einem Schub“ von Mechthild Hellermann (Trias Verlag; 1. Auflage Januar 2004)
Quellen:
  • Netters Dermatologie (Thieme Verlag)
  • Dermatologie und Venerologie für das Studium (P. Fritsch, Springer Verlag)
  • Chronische Erkrankungen integrativ (G. Dobos, U. Deuse, A. Michalsen; Urban & Fischer Verlag)
  • Phytotherapie bei Hauterkrankungen (M. Augustin, Y. Hoch; Urban & Fischer Verlag)
  • Leitfaden Phytotherapie (H. Schilcher, S. Kammerer, T. Wegnener; Urban & Fischer Verlag)
  • Pharmakognosie, Phytopharmazie (Hänsel, Sticher; Springer Verlag)
  • Heilpflanzenpraxis heute (S. Bäumler; Urban & Fischer Verlag)
 
Morgana Hack
Geschrieben von Morgana Hack , Ärztin und Ayurvedaärztin
Zuletzt aktualisiert am 29.09.2013
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Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.