Husten, Bronchitis Pflanzliche Wirkstoffe

Ein Korb voller pflanzlicher Helfer
Die Volksheilkunde bietet für die Behandlung des Hustens und der Bronchitis einen wahren Dschungel an Heilpflanzen. Eine Auswahl der am besten wissenschaftlich untersuchten pflanzlichen Wirkstoffe ist hier mit ihrem Einsatzgebiet beschrieben. Sie wirken hustenstillend, reizlindernd, entzündungshemmend, krampflösend, entschleimend und auswurffördernd, selbst eine keimhemmende Wirkung konnte bei einigen nachgewiesen werden.
Hilfe auf einen Blick:
- Efeublätter, Primelwurzel, Thymiankraut und Fenchelöl löst den festsitzenden Schleim.
- Efeublätter, Thymiankraut, Umckaloabowurzel, schwarze Rettichwurzel, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse hat eine keimhemmende Wirkung.
- Eibischwurzel, Huflattichblätter, Wollblumen, Isländisch Moos und Spitzwegerichkraut helfen bei trockenem Reizhusten.
- Ätherische Öle wie Eukalyptus, Pfefferminze, Kiefernadel und Campher werden äußerlich und teilweise innerlich angewandt und befreien die Atemwege
- Echinaceae, Taigawurzel und Propolis kann man zum Immunsystem stärken anwenden.

Efeu
Efeublätter beschönen Mauern und ranken sich in Wäldern an anderen Gewächsen empor. Es sind auch die Blätter des Efeus die seit dem Altertum zur Behandlung des Hustens und der Bronchitis eingesetzt werden. Die im Efeublätter-Extrakt enthaltenen Triterpensaponine wirken schleimlösend und auswurffördernd. Das alpha-Hederin wirkt direkt an der Zelloberfläche der Bronchialschleimhaut, entspannt die Bronchialmuskulatur und führt zu einer Sekretverdünnung. Auch die Flavonoide haben eine krampflösende Wirkung, so dass der Schleim besser abgehustet werden kann, der Hustenreiz wird gelindert. Efeublätter haben eine keimhemmende Wirkung.
Die Tagesdosis ist 0,3 g des Efeublätterextrakts. Man bekommt Fertigpräparat in der Apotheke, oder Tinkturen, Brausetabletten, Zäpfchen und für Kinder und Erwachsene auch alkoholfreien Hustensirup.

Primel (Schlüsselblume)
Im Frühling blüht die Schlüsselblume, auch als Primel bekannt, gelb auf Wiesen und in Wäldern, wo sie unter Naturschutz steht.
Aus der Primel, die als Heilpflanze angebaut wird, wird der Primelwurzel-Extrakt gewonnen. Dieser enthält Triterpensaponine die über einen den Hustenreflex mitbestimmenden Nerv (Nervus vagus) auswurffördernd und schleimlösend wirken. Da sie den Magen reizen, kann es vereinzelt zu Magenbeschwerden kommen.
0,5 – 1,5 g der geschnittenen Primelwurzel ist die Tagesdosis. Sie kann als Tee zubereitet werden (1/4 Teelöffel mit 1 Tasse kaltem Wasser übergießen und langsam bis zum Siedepunkt erhitzen, 5 Minuten ziehen lassen. Alle 2 Stunden 1 Tasse trinken.) Fertigpräparate gibt es in Kombination mit anderen bei Husten und Bronchitis wirksamen Pflanzen, wie z.B. Thymian.
Die Schlüsselblumenblüten werden in der Kinderheilkunde bevorzugt, da sie besser schmecken, milder und reizärmer auf den empfindlichen kindlichen Magen wirken als die Primelwurzel.

Thymian
Thymian kennt man als aromatisches Küchengewürz in mediterranen Gerichten. Im eigenen Kräutergarten wird der kleine Strauch gern angebaut. In der Antike wurde er medizinisch bei Husten, Atemnot und Vergiftungen verwendet. Die ätherischen Öle des Thymiankrauts sind die wirksamen Bestandteile. Thymol wirkt krampflösend und schmerzlindernd. Thymiankraut-Extrakt ist auswurffördernd und wirkt gegen Viren und Bakterien. Er steigert die Bewegung der Flimmerhärchen in der Bronchialschleimhaut.
Für eine Teezubereitung übergießt man 2 Teelöffel geschnittenes Thymiankraut mit 1 Tasse heißem Wasser, 10 g ist die Tagesdosis. Als Pastillen, Tinktur, Hustensaft und Sirup erhält man ihn in der Apotheke, als Frischpressaft kann er für Kinder mit Fruchtsäften kombiniert werden.

Fenchel
Mit blühenden Dolden präsentiert sich der Fenchel in Süddeutschland und im Mittelmeerraum, wo er als Gemüse und als Gewürz angebaut wird. Seine Früchte, kleine grüne Samen, werden geerntet und direkt als Fenchelfrüchte oder als Fenchelöl medizinisch verwendet. Sie wirken über ihr ätherisches Öl Estragol, das im Magen krampflösend und appetitanregend wirkt. Auch beim Husten kommen Fenchelfrüchte und Fenchelöl zum Einsatz, wo sie Schleim lösen und Keime hemmen. Aufgrund der zugleich magenfreundlichen Wirkung werden sie bevorzugt hustenden Kindern gegeben.
Um einen Tee zuzubereiten, zerquetscht man die Fenchelfrüchte, damit sich das ätherische Öl besser entfalten kann. Fenchelöl wirkt stärker als die Früchte und ist als Fenchelhonig beliebt.
Schwarzer Rettich
Wegen seiner keimhemmenden und schleimfördernden Wirkung wird die schwarze Rettichwurzel bei Magenbeschwerden und bei der Bronchitis angewandt. Als fertiger Frischpresssaft oder selbst hergestellt und mit 2 Esslöffel Honig vermischt ist sie ein altes Hausmittel bei hartnäckigem Husten.
Kapuzinerkresse und Brunnenkresse
Beide enthalten Benzylsenfölglucoside als wirksame Inhaltstoffe, dabei erkennt man die Kapuzinerkresse aus dem Garten an ihren orangen Blüten, die Brunnenkresse ist wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C bekannt. Wegen der keimhemmenden Wirkung können sie bei der akuten Bronchitis angewandt werden. Brunnenkresse gibt es als Frischpflanzenpresssaft, die Kapuzinerkresse bekommt man in Kombination mit Meerrettichwurzel als Tabletten.

Eibisch, Huflattich und Wollblume
Manchmal ist der Hustenreiz nicht zu stillen. Hier helfen Schleimstoffdrogen, die die gereizte Bronchialschleimhaut mit einem Schutzfilm bedecken und die überreizten Flimmerhärchen beruhigen. Diese stellen eine Alternative zum Codein dar, dass zwar auch pflanzlichen Ursprungs ist, jedoch über eine Wirkung im Gehirn das Abhusten von Schleim behindern kann.
Eibischwurzel, Huflattichblätter, Wollblume und die Heiserkeit lindernden Pflanzen Isländisch Moos und Spitzwegerich wirken lokal und hemmen den Auswurf nicht. Es gibt sie als Teezubereitung, Sirup und Lutschpastillen, als Einzelwirkstoffe und als Kombinationspräparate. Sie tragen zu einem ruhigen Schlaf und entspanntem Abhusten tagsüber bei.
Quellen:
- Innere Medizin (Classen/Diehl/Kochsiek, Urban&Schwarzenberg)
- Praxisleitfaden Allgemeinmedizin (S. Gesenhues und R. Ziesché, Urban & Fischer Verlag)
- Leitfaden Phytotherapie (H. Schilcher, S. Kammerer, T. Wegnener; Urban & Fischer Verlag)
- Pharmakognosie, Phytopharmazie (Hänsel, Sticher; Springer Verlag)
- Heilpflanzenpraxis heute (S. Bäumler; Urban & Fischer Verlag)
- Urania Pflanzenreich – Blütenpflanzen 1+2 (Urania Verlag)