Anzeige
Anzeige

Sie kennen uns vielleicht auch aus:

Blasenentzündung

Anzeige
Blasenentzündung

Wenn es beim Wasserlassen schmerzt, könnte eine Harnwegsinfektion wie die Blasenentzündung (Zystitis) dahinterstecken. Statistisch gesehen erkrankt jede zweite Frau einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Männer sind dagegen nur selten betroffen, da sie eine längere Harnröhre besitzen.

Blasenentzündung im Überblick:
  • Eine Blasenentzündung (Zystitis) ist eine Erkrankung der unteren Harnwege und wird in der Regel durch Bakterien verursacht.
  • Wichtigstes Symptom ist häufiges und erschwertes Wasserlassen, welches von brennenden Schmerzen begleitet ist.
  • Eine kleine Menge Urin reicht dem Arzt für die Feststellung einer Blasenentzündung meist aus.
  • Die Therapie erfolgt im Regelfall durch kurzzeitige Gabe von Antibiotika.
  • Regelmäßiges Trinken von 1,5 - 2 Litern Wasser am Tag kann einer Blasenentzündung vorbeugen.

UrsachenUrsachen einer Blasenentzündung

Wandernde Keime als Auslöser

Eine Blasenentzündung (Zystitis) entsteht, wenn Keime in die Harnblase gelangen und die Schleimhäute befallen. Dies kann über zwei Wege geschehen: Die Keime können über die Harnröhre in die Harnblase aufsteigen (aszendierende Infektion) oder bei einer Nierenentzündung über die Harnleiter absteigen (deszendierende Infektion). Zu 98 Prozent erreichen die Erreger die Harnblase jedoch von außen über die Harnröhre. In der Harnblase können sie sich aufgrund des warmen und feuchten Milieus sehr gut vermehren.

Zur Bekämpfung der Keime reagiert der Körper mit einer Entzündung, d.h. mit einer vermehrten Durchblutung und Schwellung der Harnblasen-Schleimhaut. So gelangen Abwehrzellen des Immunsystems schneller zur Harnblase und können die Erreger zurückdrängen.

Dieser Prozess führt jedoch auch zu Schmerzen und Problemen während des Wasserlassens.
In fast allen Fällen sind Bakterien der Darmflora für eine Blasenentzündung verantwortlich. Dabei ist der häufigste bakterielle Erreger Escherichia coli. Weitere Erreger sind Proteus mirabillis, Klebsiellen und Staphylokokken. Seltener wird eine Blasenentzündung durch Pilze, Parasiten, Viren, Medikamente oder auch Bestrahlung ausgelöst.

Frauen sind besonders von Blasenentzündungen betroffen, da ihre Harnröhre mit 3-5 cm sehr kurz ist (beim Mann ca. 20 cm). Bakterien aus dem After können somit leicht in die Harnblase gelangen, etwa durch falsches Wischen nach dem Toilettengang oder beim Geschlechtsverkehr. Demzufolge leiden etwa 15 Prozent aller Frauen einmal pro Jahr an einer Blasenentzündung. Beim Mann tritt eine Infektion der Harnblase oft erst in höherem Alter auf, meist verursacht durch eine Prostatavergrößerung und einer damit einhergehenden Verengung der Harnröhre.

RisikofaktorenRisikofaktoren, die eine Blasenentzündung begünstigen können

Neben den Ursachen spielen auch Risikofaktoren bei der Ausbildung einer Blasenentzündung eine bedeutende Rolle. Wichtigster Parameter dabei ist der Harnfluss. Ist er vermindert oder die Ableitung gestört, können Erreger die Harnröhre leichter erklimmen und so die Harnblase erreichen, da sie durch den Urin nicht mehr weggespült werden. Folgende Risikofaktoren können eine Blasenentzündung begünstigen:

  • Harnabflussstörungen (z.B. durch Steine, Tumoren oder Harnrückfluss)
    Wenn der Abfluss des Harns gestört ist, kann sich Urin in der Harnblase sammeln, Bakterien werden nicht ausreichend weggespült und können sich in der Harnblase vermehren.
  • Anlage eines Blasenkatheters
    Ein Blasenkatheter ist eine optimale Eintrittspforte für Bakterien in die Harnblase. Daher ist eine sterile Anlage des Katheters im Krankenhaus sehr wichtig.
  • Schwangerschaft
    Während einer Schwangerschaft drückt der Uterus auf die Harnleiter und behindert somit den Harnfluss.
  • Schwaches Immunsystem
    Ein schwaches Immunsystem, z.B. infolge einer Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten, begünstigt die Ansiedelung und Vermehrung von Erregern im Harntrakt.
  • Blasenfunktionsstörungen
    Ist die Entleerung der Blase gestört, z.B. bei Schädigung der Harnblasen-Nerven infolge einer Querschnittslähmung, können Erreger die Harnröhre leichter hinaufklettern.
  • Häufiger Geschlechtsverkehr bei Frauen ("Honeymoon"-Zystitis)
    Die mechanische Reizung des äußeren weiblichen Genitale im Rahmen von häufigem Geschlechtsverkehr in Kombination mit einem veränderten Scheidenmilieu kann eine Vermehrung von nur schwach krankmachenden Bakterien (zum Beispiel Staphylococcus saprophyticus) zur Folge haben. Die Erreger steigen in die Harnblase auf und können dort eine Blasenentzündung verursachen. Eine regelmäßige Entleerung der Blase nach dem Geschlechtsverkehr kann das Erkrankungsrisiko vermindern. Im Fall einer antibiotischen Behandlung therapiert der Arzt den Partner der Patientin meist mit um eine erneute Ansteckung zu verhindern.     
  • Mangelnde Flüssigkeitszufuhr.
    Wenn man wenig trinkt, bilden die Nieren weniger Harn und man muss weniger häufig Wasser lassen. Dadurch können sich die Erreger in der Harnblase vermehren.
  • Durchnässung, Unterkühlung
    Kälte und Nässe vermindert die Durchblutung. Dadurch ist die  Körperabwehr eingeschränkt und Bakterien können sich leichter vermehren.

SymptomeDer unangenehme und schmerzhafte Toilettengang

Anzeige

Eine akute Blasenentzündung äußert sich durch plötzlich auftretendes schmerzhaftes, erschwertes und krampfartiges Wasserlassen. Betroffene verspüren auch den Drang, sehr oft auf Toilette zu müssen, scheiden aber dabei nur geringe Mengen Urin aus. Dieser kann leicht blutig sein und übel riechen. Es können auch Unterleibsschmerzen bestehen. In einigen Fällen bleibt der Harndrang auch nachts, so dass der Schlaf gestört ist

Wenn gleichzeitig Flankenschmerz und Fieber vorliegen, besteht der Verdacht auf eine zusätzliche Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis). In diesem Fall sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Frauen kann eine Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (Adnexitis) fälschlicherweise als eine Blasenentzündung gedeutet werden, da hier ebenso ein starker Schmerz im Unterbauch besteht. Beim Mann führt dagegen eine Entzündung der Prostata (Prostatitis) zu ähnlichen Symptomen wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang. Eine Sonderform der Blasenentzündung, die interstitielle Zystitis, besitzt ebenfalls die gleichen Anzeichen wie eine durch Bakterien verursachte Blasenentzündung. Sie verläuft jedoch chronisch, d.h. die Symptome beginnen nicht plötzlich und unerwartet sondern werden über Monate hinweg immer stärker. Außerdem sind hier keine Bakterien beteiligt.

DiagnoseDiagnose: Urinprobe gibt Aufschluss

Das wichtigste Mittel zur Diagnose einer Blasenentzündung ist der Urin. Eine Urinprobe wird im Labor auf Nitrit, das ist ein Stoffwechselprodukt vieler Bakterien, sowie auf weiße und rote Blutkörperchen untersucht. Anschließend wird eine Urinkultur angelegt, um möglicherweise im Urin vorhandene Bakterien anzuzüchten und zu identifizieren. Im Labor werden die Keime zusätzlich auf ihre Empfindlichkeit gegenüber unterschiedlichen Antibiotika getestet. Zusätzlich kann das Blut auf erhöhte Entzündungsparameter geprüft werden. Dazu zählen das C-reaktive Protein (CRP), die Blutsenkungsgeschwindigkeit und die Anzahl der weißen Blutkörperchen. Bei komplizierteren Verläufen kann ebenfalls eine Ultraschalluntersuchung der Niere und Harnblase erfolgen.

Tritt eine Blasenentzündung wiederholt auf oder ist der Betroffene männlich, kann eine endoskopische Untersuchung der Harnblase (Zystoskopie) einen Hinweis auf andere Ursachen, wie z.B. Blasentumoren oder eine Prostatavergrößerung geben, die den Harnfluss behindern und somit eine Blasenentzündung begünstigen. Zudem kann ein Urogramm durchgeführt werden, bei dem die Urinausscheidung über Nieren und Harnwege mittels intravenös verabreichtem Kontrastmittel kontrolliert wird.

TherapieTherapie einer Blasenentzündung

Wärme und trinken, trinken, trinken...

Eine Blasenentzündung sollte ernst genommen und von einem Arzt behandelt werden, da sonst die Gefahr der Verschleppung der Krankheit droht, was zu einer Nierenbeckenentzündung oder im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Urosepsis) führen kann.

Eine unkomplizierte Blasenentzündung kann vom Arzt mit verschreibungspflichtigen Antibiotika behandelt werden. Dazu eignet sich im Normalfall eine Kombination der Antibiotika Trimethoprim und Sulfamethoxazol mit einer Einnahmedauer von bis zu 3 Tagen. Bei jungen Frauen genügt oft eine einmalige Gabe des Antibiotikums. In jedem Fall sollten die Anweisungen des Arztes beachtet werden.

Sollte innerhalb von 24 Stunden keine Besserung eintreten, könnten die Erreger gegen die Antibiotika resistent sein. Der häufigste Erreger der Blasenentzündung, Escherichia coli, ist in 25 Prozent der Fälle gegen Trimethoprim und Sulfamethoxazol resistent. In diesem Fall können Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer (Chinolone oder Fluorchinolone), wie z.B. Levofloxacin oder Ciprofloxacin, Abhilfe schaffen. Besteht die Blasenentzündung während einer Schwangerschaft, können Aminopenicilline oder Ceftriaxon eingesetzt werden.

Eine komplizierte Blasenentzündung besteht, wenn bestimmte Risikofaktoren das Auftreten von Blasenentzündungen begünstigen. In diesem Fall wird die Antibiotikatherapie auf 10 Tage oder länger ausgedehnt. Tritt eine komplizierte Blasenentzündung erneut auf, bietet sich die Anfertigung eines Antibiogramms zur Identifikation und gezielten Bekämpfung des Erregers an. Zudem kann sich bei wiederauftretenden Blasenentzündungen das Ansäuern des Harns durch Einnahme von L-Methionin als hilfreich erweisen, da saurer Harn die Ansiedlung von Bakterien in der Harnröhre vermindert.

Da die Blasenentleerung infolge einer Blasenentzündung sehr schmerzhaft und krampfartig ist, können darüber hinaus krampflösende Medikamente (sog. Spasmolytika) verabreicht werden. Dies vereinfacht die Blasenentleerung. Zusätzlich kann die ärztliche Therapie durch folgende Maßnahmen unterstützt werden:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2 bis 3 Liter pro Tag).
    Durch vermehrtes Trinken werden die Erreger weggespült und die Harnröhre wird gereinigt.
  • Lokale Wärme (heißes Bad oder Wärmflasche).
    Wärme hilft dem Körper die Durchblutung zu verbessern und somit die Bakterien effektiver zu bekämpfen.
  • Bettruhe

Die Prognose einer akuten Blasenentzündung ist bei rechtzeitiger Therapie mit Antibiotika sehr gut. In der Regel erfolgt eine rasche Ausheilung innerhalb weniger Tage.

Zur Vorbeugung von weiteren Harnwegsinfekten sollte Kälte vermieden und das Wasserlassen nicht hinausgezögert werden.

Frauen verringern zudem ihr Risiko, wenn sie direkt nach dem Geschlechtsverkehr Wasser lassen und bei der Benutzung von Toilettenpapier die Wischrichtung "von vorne nach hinten" einhalten. Einen natürlichen Schutz der Blase scheinen Cranberrys als Saft oder in Tablettenform zu bieten.

Sanierung der VaginalfloraSanierung der Scheidenflora

Frauen leiden besonders häufig an Blasenentzündungen. Anatomische Gegebenheiten sind der eine Grund, aber auch die natürliche Vaginalflora scheint eine Rolle zu spielen. Mediziner beobachten, dass eine gestörte Bakterienverteilung auf der Vaginalschleimhaut ein erhöhtes Risiko für Blasenentzündungen mit sich bringt. Einen negativen Effekt hat hier zum Beispiel eine übertriebene Hygiene. Der häufige Einsatz von Intimsprays und parfümierten Seifen in der weiblichen Genitalregion kann den guten Milchsäurebakterien (Laktobazillen) der Vaginalflora schaden.

Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • hormonelle Schwankungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • Diabetes mellitus
  • ein unterdrücktes Immunsystem

Ein gesundes Scheidenmilieu

Milchsäurebakterien bauen Glykogen zu Milchsäure ab und bauen so einen Säureschutz der Schleimhaut in der weiblichen Genitalregion auf. Potenziell schädliche Keime haben es schwer, sich in der Scheide oder der Blase einzunisten und zu vermehren. Frauen können ihre gesunde Vaginalflora unterstützen und so Harnwegsinfektionen vorbeugen. In der Apotheke stehen Milchsäurepräparate zur Verfügung, die als Kur angewendet das saure Scheidenmilieu wieder aufbauen können. Antibiotika und hormonelle Verhütungsmittel beeinträchtigen häufig die Vaginalflora. Eine lokale Pilzerkrankung kann die Erholung der Schleimhaut verhindern und sollte gesondert behandelt werden.   

Pflanzliche HilfePflanzliche Hilfe und Hausmittel bei Blasenentzündung

Zur natürlichen Behandlung einer akuten Blasenentzündung (Zystitis) haben sich neben vielen anderen natürlichen Heilmitteln die Cranberry, Kapuzinerkresse, Meerrettichwurzel, Bärentraubenblätter, Liebstöckelwurzel und Brennesselkraut bewährt. Weiterhin ist die Anwendung von Cranberrys sehr geläufig um Infekten vorzubeugen.

Einige Untersuchungen belegen eine präventive Wirkung von Cranberrys, in anderen wurde kein vorbeugender Effekt auf eine Harnwegsinfektion festgestellt. Sicher ist in jedem Fall: Cranberrys enthalten  Stoffe wie Proanthocyanide vom Typ A, von denen bekannt ist, dass sie die Anheftung von Bakterien an der Schleimhaut des Harntraktes und der Blase hemmen können. Das Bakterium Escherichia coli, der häufigste Auslöser einer Blasenentzündung, hat spezielle Bewegungsfäden (sog. Fimbrien) die von den Cranberry-Proanthocyanidinen verklebt werden können, so dass sich die Bakterien nicht mehr an der Blasenwand anheften können (Anti-Adhäsionseffekt). Dabei werden die Bakterien nicht abgetötet oder am Wachstum gehindert, somit werden keine Resistenzen erwartet.

Weiterhin werden Cranberries eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung nachgesagt, da im Urin von Personen, die regelmäßig Cranberrys zu sich nahmen, vermehrt Salizylsäure gefunden wurde. Diese Eigenschaften qualifizieren Cranberries als natürliche Behandlung von Infekten der Harnwege.

Eine Studie zeigt, dass die regelmäßige vorbeugende Einnahme von Cranberries besonders bei wiederholt auftretenden Blasenentzündungen von Frauen effektiv zu sein scheint. Andere Studien belegen dagegen, dass bei bestimmten Risikogruppen, wie z.B. bei Patienten, die aufgrund einer Blasenfunktionsstörung anfälliger für Blasenentzündungen sind, Cranberries nicht hilfreich sind. Die Einnahme kann in vielen Varianten erfolgen, z.B. in Form von Cranberry-Kapseln, Cranberry-Saft, Cranberry-Tee oder auch als frische oder getrocknete Beere.

 

Sie enthalten den Wirkstoff Arbutin, der im Darm zu Hydrochinon umgewandelt wird und so in den Körper aufgenommen werden kann. Hydrochinon wird über die Leber abgebaut und mit dem Urin ausgeschieden. Bärentraubenblätter-Extrakte wirken im Harntrakt antibakteriell, da es von den Bakterien in eine für sie giftige Form umgewandelt wird. Hydrochinon wirkt nachgewiesen gegen häufige Erreger einer Blasenentzündung wie Escherichia coli, Klebsiellen oder Enterokokken.

Jedoch sollte man Bärentraubenblätter nicht länger als eine Woche und insgesamt nicht mehr als fünfmal im Jahr anwenden, da es sonst zu Leberschäden kommen kann. In der Schwangerschaft sollten sie ebenfalls nicht eingesetzt werden. Erhältlich sind Bärentraubenblätterpräparate als Tee, Kapseln und Extrakt.

 

In flammenden Farben präsentiert sich die Kapuzinerkresse, wenn sie in voller Blüte steht. Die hübschen, tief orangenen Blüten sind ein echter Augenschmaus, tatsächlich ist aber ihr Verzehr zu empfehlen, denn im Kapuzinerkressenkraut verbirgt sich eine medizinisch hochinteressante Substanz: ätherische Senföle. Diese Öle beschützen die Pflanze vor Bakterien und Pilzen, eine Eigenschaft, die sich auch der Mensch zunutze macht. 

Die Kapuzinerkresse findet ihre Anwendung dort, wo Bakterien bekämpft werden müssen. Sie ist ein natürliches Antibiotikum. Daher eignet sie sich gut zur Therapie von Infektionen der Harn- und Atemwege. Am besten wirksam ist sie in Kombination mit Meerrettich. Spezielle Medikamente mit beiden Wirkstoffen sind in der Apotheke zu haben.

 

Die Wurzel des Meerrettich ist nicht bloß reich an Vitamin C und Kalium, ihr wichtigster Inhaltsstoff sind die antibakteriell wirkenden Senföle. Die Meerrettichwurzel ist daher eine Art natürliches Penicillin. Sie wird bei zum Beispiel bei entzündlichen Atemwegserkrankungen eingesetzt und kann bei Harnwegsinfekten wie der Blasenentzündung helfen. Die Öle wirken schleimlösend und erleichtern das Abhusten von Schleim, außerdem wirken sie harntreibend.

Der Wirkstoff entfaltet, wie oben bereits angesprochen, seine ganze Effektivität zusammen mit der Kapuzinerkresse. Entsprechende Kombinationspräparate sind in der Apotheke erhältlich.

 

Mehrere Eigenschaften qualifizieren die Goldrute für eine Anwendung bei Harnwegsinfekten. Die Förderung der Entwässerung (Aquarese) führt zu vermehrter  Urinbildung und zur Spülung der Harnwege.

Dies wird durch das in der Goldrute enthaltene Quercetin und Leiocarposid veranlasst, u.a. über die Hemmung eines Enzyms, welches das Hormon ANP (atriales natriuretisches Peptid) abbaut. ANP stimuliert  die Niere zu einer vermehrten Urinbildung und kann durch die Einnahme von Goldrute länger seine Wirkung entfalten.

Eine entzündungshemmende Wirkung wird neben Quercetin und Leiocarposid auch den enthaltenen Saponinen und Kaffeesäurederivaten zugeschrieben. Dies geschieht über eine vermehrte Freisetzung des  Hormons ACTH, welches die körpereigene Kortison-Produktion stimuliert. Quercetin und Leiocarposid wirken zudem leicht schmerzhemmend und krampflösend. Die Einnahme des Goldrutenkrauts kann als Teeaufguss, Extrakt oder in Tablettenform erfolgen. Im Handel ist die Goldrute in vielen Varianten erhältlich.

 

Die Droge enthält ätherische Öle und Kumarinderivate. Diese Kombination sorgt für eine entwässernde Wirkung. Eine langzeitige Anwendung der Liebstöckelwurzel kann die Haut jedoch auch empfindlicher gegen Sonnenstrahlung machen, weshalb intensive Sonnerbäder vermieden werden sollten. Die Zubereitung kann als Tee erfolgen. Als Arzneimittel ist  die Liebstöckelwurzel einzeln nicht erhältlich, jedoch gibt es Kombinationspräparate mit anderen harnfördernden Substanzen wie Kapuzinerkressenkraut oder Birkenblättern.

 

Die Brennnessel wird ebenfalls als harntreibendes Mittel angewendet, da sie eine erhöhte Konzentration an Kaliumsalzen besitzt, die in der Niere in den Harn abgegeben werden und Wasser nachziehen. Weiterhin wird dem Brennnesselkraut eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt, da es wie einige synthetische Schmerzmittel das für die Schmerzregulation wichtige Enzym Cyclooxygenase (COX) hemmt. Die Einnahme kann in Form von Tee, Saft oder als Tablette erfolgen.

Wickel mit ätherischen Ölen

Die Naturheilkunde bietet weitere Behandlungsmöglichkeiten einer Blasenentzündung. Ab dem Kleinkindalter können mäßig temperierte Wickel mit ätherischem Eukalyptusöl 2% helfen. Sie wirken antimikrobiell, lösen entzündliches Sekret und entspannen die Muskulatur der Harnblase. Ölwickel können ein- oder zweimal täglich eingesetzt werden. Ein doppelt gelegtes Baumwolltuch wird dazu mit Eukalyptusöl beträufelt und in einem Gefrierbeutel oder in Alufolie leicht erwärmt. Anschließend legt sich der Patient das Päckchen auf den Unterbauch und deckt es mit einem warmen trockenen Baumwolltuch ab. Der Wickel kann mehrfach erwärmt und immer wieder neu mit Öl beträufelt werden.  

Wichtige Hinweise zur Einnahme:

Die Wirkstoffe können einzeln oder ergänzend zu einer Antibiotikatherapie verabreicht werden. Cranberries sind nicht für die Akuttherapie geeignet. Bei einer Herz- oder Nierenschwäche dürfen jedoch keine entwässernden Wirkstoffe wie Goldrutenkraut, Liebstöckelwurzel oder Brennnesselkraut eingenommen werden.

Wann zum Arzt?Wann zum Arzt?

Wenn Sie bei sich oder einem ihrer Angehörigen die folgenden Symptome bemerken, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam:

  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • blutiger Urin
  • Schmerz in der Nierengegend oder im Rücken (Flankenschmerz)
  • hinzukommendes Fieber
Link- und Buchtipps:
  • Leitlinie für betroffene Patienten  Link
  • Angela Klimartin. "Blasenentzündung: Anleitung zur Selbsthilfe. Die richtige Diagnose. Antworten auf Patientenfragen. Das Selbsthilfe-Sofortprogramm." Trias Verlag (2002)
  • Eva Marbach. "Gesundheitsratgeber Blasenentzündung: Blasenentzündungen mit Naturheilkunde und Schulmedizin erfolgreich behandeln." (2009)
Quellen:
  • Bäumler, Siegfried. Heilpflanzenpraxis Heute, Porträts - Rezepturen - Anwendung (2006)
  • Hänsel et al. - Pharmakognosie - Phytopharmazie (2010)
  • Wiesenauer et al. - PhytoPraxis (2008)
  • Jepson RG, Craig JC; Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2008 Jan 23;(1):CD001321
  • Harris N, Teo R, Mayne C, Tincello D. Recurrent urinary tract infection in gynaecological practice. The Obstetrician & Gynaecologist 2008;10:17-21
  • Barbosa-Cesnik C, Brown MB, Buxton M, et al; Cranberry juice fails to prevent recurrent urinary tract infection: results from Clin Infect Dis. 2011 Jan;52(1):23-30.
  • Cimolai N. et al; The cranberry and the urinary tract. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2007 Nov;26(11):767-76.
  • G. G. Duthie: Increased salicylate concentrations in urine of human volunteers after consumption of cranberry juice. J Agric Food Chem. 53/8/2005. S. 2897–2900
  • Linsenmeyer TA, Harrison B, Oakley A, Kirshblum S, Stock JA, Millis SR (2004). "Evaluation of cranberry supplement for reduction of urinary tract infections in individuals with neurogenic bladders secondary to spinal cord injury. A prospective, double-blinded, placebo-controlled, crossover study". J Spinal Cord Med 27 (1): 29–34
Dr. med. Tim Hollstein
Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 10.08.2016
Anzeige
   Pflanzliche Medikamente bei Blasenentzündung:
* Hinweis
Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

News zu Blasenentzündung

Das Antibiotikum ist eine wichtige Waffe der Medizin. Doch sie droht abzustumpfen, denn Bakterien entwickeln ständig neue Abwehrmechanismen. Da die Entwicklung neuer Antibiotika überaus kostspielig ist, befürworten viele Experten eine ...
Blasenentzündung – bitte nicht! Bei diesem Thema horchen viele Frauen auf, denn die Zystitis, wie die Krankheit in der medizinischen Fachsprache genannt wird, ist ein typisch weibliches Problem. Etwa 60% aller Frauen erwischt es mindestens...
Alle anzeigen

Studien zu Blasenentzündung

Studientitel
Efficacy and Safety of a Combination Herbal Medicinal Product containing Tropaeoli majoris herba and Armoraciae rusticanae radix for the prophylactic treatment of patients with respiratory tract diseases: A randomised, prospective, double-blind, placebocontrolled phase III trial (und weitere 5 Studien)
Jahr
2012, 2011, 2007, 2007, 2006, 1958
Kurzinfo
Senfölreiche Pflanzen wie die Kapuzinerkresse oder Meerrettich sind für ihre antibakteriellen Wirkungen bekannt und werden als „natürliche Antibiotika“ bei Infekten der Harn- und Atemwege eingesetzt.  Mehr...Eine neue Studie hat einer Wirkstoffkombination der genannten Heilgewächse eine Wirkung gegen Viren nachgewiesen. Pflanzliche Präparate sind demnach nicht bloß eine gute Behandlungsoption bei viral verursachten Erkrankungen wie Erkältungen und Grippe – sie könnten ihnen sogar vorbeugen.
Studientitel
Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany (und weitere 5 Studien)
Jahr
2015, 2014, 2014, 2013, 2013, 2006
Kurzinfo
Weltweit suchen Mediziner nach neuen Wegen zur Bekämpfung resistenter Keime. Das sind Bakterien, die die Wirkung antibiotischer Substanzen neutralisieren. Sie entstehen zum Beispiel, wenn eine Antibiotikatherapie  Mehr...unregelmäßig durchgeführt, zu gering dosiert oder frühzeitig abgebrochen wird. Überlebende Bakterien entwickeln eine Unempfindlichkeit gegenüber dem Medikament und vererben diese an Folgegenerationen. Auch der sorglose Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht trägt zur Ausbreitung resistenter Keime bei. Arzneipflanzen wie Kapuzinerkresse und Meerrettich, die über starke Effekte gegen Kleinsterreger verfügen, könnten hier in die Bresche springen.
Alle anzeigen